Review

Horror und Komödie zu vereinen ist schon nicht die einfachste Sache, da muss man schon auf einem feinen Grat wandern, um nicht ins Lächerliche abzukippen oder sich beim graphischen Witz auf bekannte Vorbilder wie "Braindead" zu verlassen, die schon jeder kennt.

"Housebound" gewann beim FFF den Fresh-Blood-Award - aber alles in allem muss es schon ein durchwachsenes Jahr gewesen sein, wenn dieser Film so beim Publikum abgeräumt hat.
Sicher, er ist unterhaltsam, er hat seine witzigen Momente, aber es fehlen dann doch wirklich frische Impulse, um als Novität zu überzeugen.

Vielmehr ordnet Gerard Johnstone hier sehr, sehr, sehr bekannte Versatzstücke der letzten Horrorfilmdekaden munter aneinander: die Fußfessel, das Geisterhaus, der seltsame Keller, unheimliche Spielzeuge, Gestalten im Hintergrund, eine Vergangenheit des heimischen Hauses als ehemaliges Kinderheim, ein grauenhafter Mädchenmord, ein schräger Nachbar, ein Bewährungshelfer mit gleichzeitiger Geisterjägerprofession.

Wo hier überall abgepaust wurde, kann sich jeder zurecht legen, der das Genre ein wenig frequentiert, sobald man merkt, dass man die Anlage der Figuren so dermaßen bei Peter Jackson durchgepaust hat, dass man in Großaufnahme eigentlich Copyrightstempel sehen müsste.
Bei durchaus ernstem Plot wurden die Figuren auf das Jackson-hafteste überzeichnet bis zu halben Frighteners-Karikaturen, am schlimmsten die Protagonisten, Delinquentin Kylie, ihre Mutter Miriam und vor allem der Bewährungshelfer Amos.
Das darf man durchaus lustig finden, wenn der u.U. bedrückende Ton immer wieder ins Hysterische umkippt ,aber spätestens gegen Ende, wenn die rote Suppe auf das Albernste zum Spritzen gebracht wird und ein augenrollender Zausel, der auch Monty Python zur Ehre gereicht hätte, ins Spiel kommt, während die Polizei sich samt und sonders in Klischeedeppen verwandelt, stimmt die Balance nun wirklich nicht mehr.

Darüber hinaus müht sich der Film durch viele, viele, viele Komplikationen und Unwahrscheinlichkeiten, was bei 107 Minuten Dauer zu ein paar Längen führt - zehn Minuten weniger wären da deutlich mehr gewesen.
Schlecht ist "Housebound" damit jedoch noch lange nicht, im Gegenteil, denn der Film kippt ein paarmal ganz anständig um bekannte Ecken und Fußangeln und schlägt neue Richtungen ein, wobei die Filme mit "Gängen hinter den Wänden" allmählich inflationär gedreht werden.

Problematisch wird es eher durch die zwar schrillen, aber leider nicht sonderlich sympathischen Figuren, vor allem Morgana O'Reilly muss es mit der sperrigen Bratze (wieso, wird irgendwie nie geklärt) leider über weite Filmstrecken übertreiben. Auch ihre Mutter ist dann mehr Karikatur; es ist schon ein Erlebnis, wenn sich ein verdächtiger Waldschrat als der am vernünftigsten sprechende Charakter im ganzen Film entpuppt.

Trotzdem gibts ein paar Jump Scares, die sich lohnen und minimum eine Szene (bei Stromausfall, auf Sicherungssuche), die sowohl komisch wie beängstigend ist - wenn auch mit Ankündigung.

Alles in allem eine schöne kleine Produktion, die eine freundliche Genre-Fingerübung wäre, würde sie nicht die ganze Zeit die Erfolge von Anderen ausströmen. Für einen spaßigen Abend reicht es aber. (6/10)

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