Rupert Evans spielt einen Filmarchivar, der die Aufnahmen eines alten Mordfalls untersucht, wobei er feststellen muss, dass dieser ausgerechnet in seinem Haus stattgefunden hat. Noch stärker wird er erschüttert, als er feststellen muss, dass seine Frau, die Mutter seines kleinen Sohnes, ihn betrügt. Er folgt ihr zu deren Liebhaber, beobachtet sie beim Fremdgehen und wird auf dem Heimweg von Visionen geplagt. Am nächsten Morgen erwacht er in einer öffentlichen Toilette und glaubt, gesehen zu haben, wie seine Frau von einem Geist ermordet wurde, der in seinem Haus lebt. Seine Frau ist tatsächlich tot, woraufhin der gehörnte Ehemann von der Polizei des Mordes verdächtigt wird.
Irische Filme sind oft etwas eigen und das gilt nicht nur für den schwarzen, lakonischen Humor der Insulaner, sondern auch für Erzählweise und Inszenierung, für so ziemlich alles, was Filme ausmacht eben. Von der Insel stammen herrlich unkonventionelle Komödien wie „The Guard“, aber auch Filme, mit denen der deutsche Zuschauer nicht immer etwas anfangen kann. Doch gerade im Horror-Genre, das vor allem für Klischees und Vorhersehbarkeit steht und selten altbekannte Handlungsbahnen verlässt, ist ein unkonventioneller Stil oftmals genau die richtige Herangehensweise. Bei „The Canal“ jedenfalls geht diese Rechnung voll auf.
Die Story ist dabei simpel, aber gelungen. Wenn man akzeptiert, dass man allein mit dem Sichten uralter Polizeiaufnahmen in Irland offensichtlich als Archivar seine Brötchen verdienen kann, wird man schnell in einen Sog gezogen, der den Zuschauer bis zum Ende nicht mehr loslässt. Wurde die Frau ermordet? Wenn ja, war es wirklich der Geist des Mörders, der im Haus der Familie sein Unwesen treibt? Oder leidet der Protagonist an einer ernsthaften psychischen Erkrankung? Bis zum Ende lässt Regisseur Ivan Kavanagh diese Fragen unbeantwortet, woraus die Spannung des Films resultiert.
Kavanagh kurbelt nach einem etwas müden Beginn aber auch das Tempo immer weiter an. Die antiquierten Aufnahmen diverser Mordfälle sind der dichten Atmosphäre dabei genauso zuträglich, wie die düsteren Bilder oder die tristen Schauplätze. Besonders gelungen sind aber die Aufnahmen, die der Protagonist mit seiner Kamera selbst aufzeichnet und bei denen nie wirklich klar ist, ob man nun einen Geist erkennen kann oder doch nicht. Würde Kavanagh die Auflösung noch weiter aufschieben, könnte man darüber ähnlich verrückt werden, wie es der Protagonist am Ende ist. Hinzu kommt ein großartiger Hauptdarsteller, der den Wahn seiner Figur glaubhaft verkörpert, bis zuletzt aber auch sympathisch und irgendwie glaubhaft erscheint. Zu überzeugen weiß aber auch der restliche Cast.
Ansonsten greift Kavanagh natürlich auch auf viele konventionelle Mittel zurück, das aber wohldosiert und überlegt. Die dumpfen Geräusche, die Schockmomente, all das sitzt perfekt. Am Ende übertreibt er es dann vielleicht ein wenig mit dem Spuk, setzt auf ein paar Ekel-Szenen, die aber durchaus Eindruck hinterlassen und ein dann doch irgendwie typisches Horrorfilm-Ende. Bis dahin schlägt die Handlung aber einige so nicht vorherzusehende Haken, was bei den meisten Horrorfilmen ja auch schon ein nicht zu unterschätzendes Gütekriterium ist.
Fazit:
„The Canal“ überzeugt mit einer gekonnten Inszenierung, seiner dichten Atmosphäre, aber auch einem lange nicht vorherzusehenden Verlauf. Definitiv gehobene Horrorkost.
75 %