Review

kurz angerissen*

Der irische Geisterfilm erweist sich im Spiel mit Psyche und Wahrnehmung als kunstvoll und außergewöhnlich genug, dass man ihm den durchschaubaren Storytwist nicht als größte Errungenschaft abnehmen muss. Ivan Kavanagh gelingen in ausgeblichenen, kühlen Bildern Eindrücke suburbaner Melancholie. Er portraitiert isolierte Orte fast so, wie ein Fotograf es tun würde; eine abseitige, mit Graffitis vollgeschmierte Toilette etwa inszeniert er als Kunstobjekt, in dem auch eine Schlüsselszene stattfindet, ebenso wie im hohen Gras vor dem titelgebenden Kanal. Auch ehrt er die Ursprünge des Kinos, indem er für Film-im-Film-Aufnahmen die Ästhetik des Stummfilms einzufangen versucht. Passend dazu breitet ein grummelnder Soundtrack seine Flügel in dem Bildmaterial aus, um sich stets zur rechten Zeit zurückzuziehen und die Stille zum schwelenden Schrei anschwellen zu lassen.

Der tief im Melodram verwurzelte Story-Ansatz ermöglicht dabei eine intensive Einfühlung in die Situation, zumal in den ersten Einstellungen geschickt mit Momenten des Misstrauens und Argwohns gespielt wird, was sich im weiteren Verlauf zunehmend in einen verschwommenen Fiebertraum verwandelt, der eine Differenzierung zwischen Einbildung und tatsächlichen Geschehnissen nicht mehr zulässt. "Ring" und Artverwandte erweisen sich dabei als Vorlage für die Modellierung der Geisterszenen, die wie Akzentuierungen in dem dargestellten Beziehungsmosaik wirken, welches bereits in seine Einzelteile zerfallen ist.

Das Setzen eigener Standards mag damit ästhetisch wie inhaltlich verhindert werden, die Collage als solche allerdings erweist sich als beeindruckend.
(7.5/10)

*weitere Informationen: siehe Profil

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