Dass Stress und Enttäuschungen Essstörungen auslösen können, dürfte nahezu jedem bekannt sein: Ein viel zu großes Steak als Belohnung nach einer arbeitsreichen Woche, die Tafel Schokolade, weil das darin enthaltene Theobromin entspannt und die Stimmung aufhellt und Chips machen eh süchtig, da man selten aufhört, bevor die Tüte leer ist.
Eine spezielle Form von Frustessen offenbart sich allerdings, wenn es ans eigene Fleisch geht und damit ist nicht unbedingt Nägelkauen gemeint.
Schauspielerin Novella konnte seit drei Jahren keinen Job mehr ergattern und ist drei Monatsmieten im Rückstand. Auch die Clubbesuche mit ihrer Freundin Candice heitern sie kaum mehr auf, so dass Novella in Stresssituationen an ihrem eigenen Fleisch nagt. Als sie nach einem gemeldeten Suizidversuch beim Therapeuten Simon landet, scheint sie endlich Gehör und einen potentiellen Partner gefunden zu haben, doch dann wendet sich das Blatt...
Autor und Regisseur Jimmy Weber hätte aus seinem Erstling besser einen Kurzfilm machen sollen, denn die erste Hälfte plätschert relativ belanglos und einseitig vor sich hin: Novella beim Casting mit einer stetigen Rivalin, dann Clubbesuche, bei denen Männer die Drinks spendieren und schließlich die nervige Vermieterin, die bei jeder Gelegenheit an die Tür klopft. Die Eintönigkeit mag zwar den grauen Alltag der Protagonisten untermauern, doch für den Zuschauer, der auch ein wenig Horror erwartet, tut sich da schlicht zu wenig.
Hinzu gesellen sich unausgereifte Nebenhandlungsstränge und merkwürdige Verhaltensweisen einiger Figuren, welche teilweise schon ins Groteske abdriften. Da spielen nebenher noch zwei vermeintliche Vergewaltiger eine Rolle, Pornoproduzenten und eine Halskrause sind ebenfalls dabei, doch über oberflächlich angedeutete Gesellschaftskritik kommt die Chose nie hinaus, obgleich es unzählige Möglichkeiten gäbe, die Hochglanzindustrie Hollywoods mit Augenzwinkern an den Pranger zu stellen.
Immerhin liefert der Autokannibalismus ein paar deftige handgemachte Szenen, wobei Weber genüsslich draufhält, sobald sich Novella in Hand oder Zehen verbeißt. Ein paar blutige Einschüsse und zerfetzte Brüste sind ebenfalls zu verzeichnen, doch solide inszenierte Gewalteinlagen wiegen das spannungsarme Drama in keiner Weise auf. Dafür sind die Darsteller zu schwach, die vielen Dialoge meistens zu plump und die Pointe viel zu vorhersehbar.
Für einen Streifen, bei dem es irgendwie auch ums Essen geht, ist der reichlich zäh und ohne Würze. Die Grundidee ist brauchbar, die Ausarbeitung jedoch lahm und ohne wirklichen Spannungsbogen aufgezogen. Zudem ergibt sich mehr Drama denn Horror, darüber hinaus verpuffen Anflüge schwarzen Humors ohne Pointe.
Da fehlt mehr als nur das Salz in der Suppe...
3,5 von 10