Review

Nach langer Zeit versuche ich es wieder einmal. Nämlich eine Review über einen Film zu schreiben der mir gut gefallen hat. Draufhauen ist eben leichter als lobpreisen. Aber dieser Film verdient alles erdenklich Gute.

Die drei Freunde Makoto (Masanobu Ando), Nishiyama (Takeshi Kaneshiro, bekannt aus "Returner") und Takamura (Hiroyuki Ikeuchi aus "Blues Harp") beschliessen eine Bank auszurauben. Als sie den Tresor ausräumen wollen, schließt sich der Filialleiter, mitsamt dem Geld und einem Wachmann, in selbigem ein, löst den Alarm aus, die Polizei marschiert auf, es fallen ungewollt Schüsse, Spezialkommandos rücken an und, zu guter Letzt, wird einer der in der Bank sitzenden Zivilisten (Ken Watanabe) als Topterrorist indentifiziert und zum vermeintlichen Anfürer der Drei ernannt. Die Situation läuft komplett aus dem Ruder. Die drei nehmen die Kunden ( u.a. einen Elektiker und ein streitendes Pärchen) und einen Teil der Angestellten ( u.a. ein Buchhalter) als Geiseln. Nun beginnt eine wunderschöne Abart des "Stockholm" Syndroms. Makoto erkennt, das dieser bunte Haufen den Charakteren seiner Lieblingsanimeserie bis aufs Haar gleicht. Also werden die Sammelbildchen verteilt und jeder schlüpft in seine Rolle.

Seit diesem Film (den ich mitlerweile auch seit zwei Jahren besitze) hoffe ich verzweifelt, daß sich Regisseur Motohiro endlich von seiner One-Man Show "Bayside Shakedown" lösen würde. "Leider" ist "Bayside Shakedown" auch keine schlechte Serie, bzw. bei Leibe kein schlechter Film, folglich dreht der gute Mann munter weiter an diesem, seinem Steckenpferd herum. Vermutlich war diese fehlende Erfahrung oder Flexibilität auch das einzige Problem des gesamten Films. Vieles wirkt ein wenig holprig erzählt oder unausgereift zu Ende gedacht und nachdem über ein Dutzend Charaktere eingeführt wurden, fallen zwei bis drei einfach mal relativ unkommentiert weg. Die Tatsache, daß ein Terrorist, so klein seine Rolle auch sein mag, zum Mitsympathieträger wird, mag, speziell nach dem 11.9. und der derzeitigen RAF Diskussionen sauer aufstoßen. Allerdings wurde der Film lange davor gedreht und, um ehrlich zu sein, es wäre wichtigtuerische Pedanterie da mehr hinein zu interpretieren als wirklich da ist.

Eins vorweg: Das hier dürfte eine der subjektivsten Reviews werden, die ich je geschrieben hab. Bei den meisten, noch so schlechten, Filmen, versuche ich eine gewisse nüchterne Objektivität einfließen zu lassen. Hier nicht. Es ist einfach Liebe ;-), da der Film von Anfang an alles macht was mir gefällt. Die Eröffnungsmusik, die Melancholie der gesamten Szenerie und die, erst im Laufe des Films erkennbare, Kernaussage über unerfüllte Träume, vergebene Möglichkeiten und Neuanfänge abseits von vorgegebenen Mustern, sind einfach perfekt. Zudem läßt der Filmen seinen Charakteren und dem Zuschauer Zeit. Zeit sich zu entwickeln einerseits und in die Situation einzuleben andererseits. Jeder der "Space Travelers" hat seine Szene und wächst entweder in irgendeiner Weise über sich hinaus, läßt Demut gegenüber seinen Mitmenschen walten, oder zeigt sich einsichtig was vergangene Fehler betrifft. Zum Schluß wandelt sich dieser humorvolle, dezent skurille Actionkrimi dann zu einem wunderschönen Melodram, daß einem mit Sicherheit die ein oder andere Träne abverlangen dürfte. Genau dieser Wandel zeigt wieder einmal die Genialität des modernen japanischen Kinos, die diesen Sprung um so vieles intensiver und ergreifender filmen können als das Westliche. Mehr will ich nicht sagen, da jedes explizite Beispiel mehr kaputtmachen würde als es dem vielleicht interessierten Leser hilft.

Spätestens beim Abspann hat mich der Film in eine Situation gebracht, die ich seit Jahren nicht mehr hatte: ich hab mir selbst ernsthafte Gedanken gemacht ob in meinem leben eigentlich alles so läuft, wie es gerne hätte. So deprimierend die Antwort eigentlich war...was will man mehr von einem Film, der solche Gedankenspiele auslöst.

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