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Als "Double Tap" werden zwei schnell aufeinanderfolgende Einschüsse auf die selbe Stelle oder wenige Millimeter daneben bezeichnet.
Beim IPSC-Schießen (Bewegungsschießen, weltweit veranstaltet von der International Practical Shooting Confederation) erringt man damit erhebliche Vorteile, sowohl zeitlich als auch punktemäßig, doch nur Profis gelingen "Double Taps".

Der Waffenschmied Rick Pang (Leslie Cheung) und Inspektor Miu (Alex Fong) sind beide Profis, die besten IPSC-(Pistolen-)Schützen in Hongkong. Bei dem jährlichen IPSC-Turnier lassen sie die Konkurrenz alt aussehen und ziehen punktgleich ins Finale ein, doch bevor es zur Entscheidung kommt, läuft Mius Kollege, der kurz vorher disqualifiziert wurde und sich durch Börsenspekulationen ruiniert hat, auf dem Schießplatz Amok. Miu bringt es im Gegensatz zu Pang nicht fertig, den Amokläufer zu stoppen.
Doch Pangs Leben ändert sich darauf schlagartig, er kann diese Aktion nicht verarbeiten.
3 Jahre später werden in einem Hotelzimmer 4 Bodyguards und eine Zeugin erschossen aufgefunden, alle mit "Double Taps" im Kopf . Der Verdacht fällt sehr bald auf Pang, da er bekannt dafür ist, immer auf den Kopf zu zielen.
Doch die Beweise reichen nicht aus, um Pang etwas nachzuweisen. Als die Polizei seine Freundin unter fadenscheinigen Gründen festnimmt, kennt der Meisterschütze keine Gnade mehr.

"Double Tap" ist ein Film über den Schießsport und IPSC im Besonderen, die Faszination von Waffen und die Gefahren, die dadurch entstehen können. Menschen, die von Waffen nichts halten, sollten einen großen Bogen um diesen Film machen, denn es gibt kaum eine Szene, wo nicht mindestens eine Waffe zu sehen ist. In dem Film wird zwar viel geschossen, vor allem in den ersten 25 Minuten, die sich nur um das IPSC-Turnier drehen, aber Shoot-Outs gibt es nur zwei, in der Mitte und am Ende des Films. Diese sind dafür teilweise recht blutig und rasant inszeniert (ohne Zeitlupe), die CGI-Effekte im Finale können sich sehen lassen, wirken aber ein wenig deplaziert in dem ansonsten recht realistischen Film.
Die beiden Hauptakteure Alex Fong und Leslie Cheung (der sich vor einigen Tagen leider das Leben genommen hat) spielen ihre für sie eher ungewöhnlichen Charaktere routiniert und glaubwürdig, besonders Alex Fongs Wut und Verzweiflung gegen Ende hin sind spürbar.
Die dilettantische Psychiaterin, die sicherlich eine Mitschuld an Pangs Problemen trägt, ist für mich eine der wichtigsten Personen, doch leider hat sie nur einen kurzen Auftritt.
Ab und zu wirkt die musikalische Untermalung zu aufdringlich, "The Rock"-ähnliche Klänge sind eben bei einem solchen Film Fehl am Platz.
Auch ein wenig mehr Action hätte dem Film nicht geschadet, Schießen auf Papierscheiben ist für manche Zuschauer eben zu langweilig.

Eine Aussage des Films, dass töten Spaß machen und zur Sucht werden kann, ist sicherlich fragwürdig, zumindest kontrovers, und es bleibt abzuwarten, ob ein solcher Film in Deutschland (ungeschnitten) veröffentlicht wird. Immerhin zeigt der Streifen aber, dass von Waffen immer eine Gefahr ausgehen kann, auch wenn es im Moment nicht danach aussieht.
Die Entscheidung, die Kindermorde herauszuschneiden, kann ich nur begrüßen, denn das muss wirklich nicht sein. Es hätte Leslie Cheungs Ansehen (er ruhe in Frieden) wohl eher geschadet, und über Tote soll man nicht schlecht reden.

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