Inhalt:
China zum Ende der manchurischen Qing-Dynastie. In der Stadt hofft der junge Guan (Aaron Kwok) Arbeit zu finden, und er heuert in der "Four seasons"-Färberei der verwitweten Mrs. Ho (Maggie Cheung) an.
Dort ist auch ein Freund seines verstorbenen Vaters, Duan Nan (Ti Lung) der sich jetzt Duan Qingyun nennt, beschäftigt. Duan und Guan´s Vater waren in der Hauptstadt einst 2 der besten KungFu-Kämpfer, Generäle des Kaisers. Nunmehr will Duan seine Vergangenheit hinter sich lassend, nur noch in Ruhe leben und arbeiten.
Guan, er will höher hinaus, will aus sich und seinem Leben noch etwas machen. Er, der ein Analphabet ist, will sich das Lesen und Schreiben aneignen, und er freundet sich mit der bildhübschen Lehrerin des Ortes, Xiaoliang (Jacqueline Wu) an, lernt von ihr Lesen und Schreiben.
Doch die Färberei hat Konkurrenz, und neidisch blickt der Chef der manchurischen Manufaktur der "Dragon spinners", Kahebu (Kenneth Tsang) auf die erfolgreichere "Four seasons"-Färberei. Ho..., sie hat Kenntnis über eine überlieferte Technik des Färber-Handwerks, wie aus getrockneten Blüten die prachtvollsten Farben für die Stoffe gewonnen werden können.
So wächst der Druck auf die Färberei Hos, Kahebu ist skrupellos und schreckt auch vor Gewalt nicht zurück. Guan will ihr helfen, verschlimmert aber nur alles.
So wird er denn von Duan aus der Färberei hinausbefördert...
Kahebu..., er sucht Leibwächter, und lässt hierzu Kampf-Turniere veranstalten. Guan, nunmehr wieder arbeitslos, er hinterlässt bei einem dieser Turniere einen bleibenden Eindruck, und Kahebu engagiert den äußerst talentierten Kämpfer.
Doch Guan wird langsam immer bewusster, für wen er da eigentlich arbeitet. Kahebu, er will seine Macht immer weiter ausdehnen. Nach einem Brandanschlag auf die "Four seasons"-Färberei und einem versuchten Attentat auf einen endlich handlungsfähigen Magistrat, Yuan Tianyou (Eddie Cheung), welches von Duan vereitelt werden kann, schreckt Kahebu auch nicht vor einem Giftanschlag auf Duan zurück, dessen wahre Identität Kahebu mittlerweile bekannt ist.
Nunmehr ist das Maß voll, und Guan sucht den Show-Down mit Kahebu und seinen Männern. Ein blutiger Kampf soll die Entscheidung herbeiführen...........
Fazit:
Sehr gut! Mit dem Streifen "The barefooted kid" wollte Regisseur Johnnie To die alte Eastern-Herrlichkeit der Shaw-Studios wieder aufleben lassen, in neuem Gewand und mit modernerer Technik.
Natürlich wirkt das alles denn auch anders als die Old-school-Eastern, die das legendäre Studio an der Clearwater Bay in Hongkong einst in den 70ern und 80ern zu Hunderten produzierte.
Und dennoch ist es Johnnie To gelungen, eine Hommage an jene Filme zu kreieren.
Einst wurden die Shaw-Eastern, die die qualitativ hochwertigsten in den Glanzzeiten des Genres waren, fast ohne Außenaufnahmen produziert. Doch die Studios, sie schlossen 1985/86 ihre Tore. So war denn Johnnie To letztendlich gezwungen, fast ausnahmslos Freiluft-Sets für seinen Streifen "The barefooted kid" zu nutzen. Nun fehlt dem Autor dieser Zeilen die genaue Kenntnis darüber, wer für diese Sets sorgte, doch dürfte die Vermutung nahe liegen, dass Shaw´s TV-Sender TVB für die Kulissen dieses Eastern sorgte. Dies gibt dem Streifen set-technisch denn eine eigene Note, und doch kommt Shaw-Feeling auf.
Dafür sorgten auch die Protagonisten, einer vor der Kamera, einer im Hintergrund. Vor der Kamera agierte hier einer, der einst ein absoluter SuperStar der Shaw-Studios war: Ti Lung.
Er, der Solo-Geiger im Orchester Run Run Shaw´s, zeigt hier -obgleich etwas gealtert- eine bravouröse Leistung. Ti Lung spielt seinen Character mit der für ihn typischen Würde, und er fightet hier wie in allerbesten Zeiten, behende, wendig und technisch versiert. Ti Lung..., für mich der eigentliche Star dieses Streifens, auch wenn ein anderer -Aaron Kwok- den Haupt-Character hier verkörpert.
Ti Lung..., was für ein Schauspieler..., er, der noch heute die Massen begeistert..., sein Name fällt automatisch, wenn es um Eastern und die Shaw Brothers geht..., und alte Liebe rostet nicht, als es darum ging, ihn für dieses Projekt "The barefooted kid" zu bewegen.
Ihn hier zu engagieren, für ein Werk, dass die alte Shaw-Eastern-Herrlichkeit wieder aufleben lässt, war von den Produzenten natürlich ein glänzender Schachzug.
Auch wenn Ti Lung durch seinen würdigen Auftritt den Film erheblich mitträgt, die Hauptrolle spielt hier Aaron Kwok. Nun ist es immer so eine Sache, wenn ein Canto- und Mando-Popstar in einem Eastern agiert. Shaw-MegaStar Chen Kuan Tai äußerte sich einst in einem Interview über diese Darsteller dahingehend, dass diese kaum ein Schwert richtig in der Hand halten könnten. Doch Kwok, eigentlich mehr Tänzer und Sänger, er macht seine Sache hier erstaunlich gut, fightet famos und zeigt sich auch darstellerisch talentiert.
Maggie Cheung, sie drückt dem Film ihre melancholische Note auf, und Kenneth Tsang gibt einen solide agierenden, überzeugenden villain.
Natürlich bietet "The barefooted kid" was die Action angeht, einige Neuerungen, die es in den 7ties-Eastern jenes Studios so nicht gab. Doch muss ich sagen, dass es dem 2. Shaw-Mann, dem im Hintergrund -ich erwähnte es bereits-, Shaw´s Fighting-Instructor-Legende Lau Kar Leung (Liu Chia Liang), gelingt, old-school und moderne Action glänzend zu verbinden.
Old-school-KungFu und die Action modernerer Eastern, die geprägt ist von schnellen Schnitten, Slomo-Ergüssen und Flying-Bewegungsabläufen ala "Matrix", gehen hier eine visuell ansprechende Symbiose ein.
Und so ist denn dieser Streifen auch etwas für Freunde des Old-school-Eastern..., hätte man ja vorher nicht unbedingt gedacht.
Johnnie To, er dachte sich seinen Film als eine Reminiszenz, als eine Hommage. So sind denn auch zwischen all der Action und den handlungsvorantreibenden Szenen für einen Streifen dieses Genres jede Menge melancholische, ruhige Momente eingebaut. Und diese sind immer wieder auch von einer sehr melancholischen Musik untermalt. Dies verstärkt den Hommage-Character dieses Streifens ungemein, und macht ihn zu einem besonderen Film dieses Genres.
Ich fühlte mich wunderbar unterhalten..., und hatte mitunter ´ne Träne im Knopfloch...
Guter Streifen...., klarer Fall.