Review

Nächster Eintrag der Veröffentlichungen der noch jungen und sich ambitioniert gebenden, bisher allerdings nicht so wirklich diese Versprechen erfüllenden B&E Productions Schmiede unter ihrem Gründer Bey Logan, der, als Autor über das Thema und seit Anfang der Neunziger selbst als (zumeist) Darsteller in diversen Hongkong-Filmen und damaliger Intimus von Donnie Yen die dortigen Verbindungen und Horizonte in eigenständige, selbstverantwortliche Arbeiten umsetzen möchte. Logan, früh als Schreiber für das Martial Arts Magazine "Combat" und das Action Film Magazine "Impact" plus die Einführung "Hong Kong Action Cinema" die ersten Gehversuche von der passiven Seite ausmachte und sich später mit den Audiokommentaren für DVD Veröffentlichungen und eigenen Distributionen und so der weiterführenden Verbreitung unter dem "Dragon Dynasty" Label durchaus in Bekanntheit, Eifer und Wissen hervortat, scheint mit der jetzigen Idee so viel Erfolg allerdings nicht zu haben.

Weder die Actionkomödie Beach Spike (2011) um ein erbittert ausgetragenen Wettbewerb leichtbekleideter Volleyballerinnen noch der großmundig angekündigte The Blood Bond Saga: Shadowguard (2011), das Regiedebüt von Michael Biehn erregten weiteres Aufsehen und – schlimmer – verdienen dies auch nicht. Gerade das letztere Werk, durch Zankereien zwischen seinem Regisseur und Hauptdarsteller Biehn und dem Produzenten Logan die einzigen Wellen gemacht und noch nachhaltig zerstört, kann abgesehen von winzigen Einstellungen der Actionszenerien überhaupt etwas Positives aufweisen und stellt sich eher als negatives Beispiel dafür dar, wie man die proklamierte Zusammenführung von Talenten aus Ost und West eben nicht vereinigen sollte.(Die beizeiten angedrohte Fortsetzung The Blood Bond Saga 2: Red Dawn Rising steht seit dem Datum als in development auf Warteschleife.)

The Borderland, diesmal von Mathieu Weschler geschrieben und gedreht und Logan überwacht, entpuppt sich angesichts der bisherigen Vorgaben als zumindest auf seine Art und weise etwas atrraktiveres Werk, dass so manche Ideen in Bild, sowie auch seine Inszenierung von Kampfszenen, darüberhinaus nur leider so viel mehr nicht und auch einige abstoßenden Faktoren aufweisen kann:

Nach der Verfolgung und Verhaftung eines gesuchten Pädophilen Verbrechers in Hongkong wird der ehemalige französischen Geheimagent und nun Kopfgeldjäger Gabriel [ Karate-Champion Seydina Baldé ] von Interpol auch mit Nachdruck von Drohungen durch Joan [ Sabine Crossen ] und Greenberg [ Richard Sammel ] engagiert, um den verschwundenen britischen Agenten Witaker [ James Gerard ] aufzuspüren. Gabriel findet heraus, dass dieser an der chinesisch-nordkoreanischen Grenze, in Donggang, Liaoning, am Yalu-Fluß zuletzt gesichtet wurde und macht sich auf den Weg in den ehemaligen Treffpunkt, ein heruntergekommenes Safe House am Ufer auf, wo er unerwarteterweise den chinesischen Agenten Chen [ Michael Chan ] und die Touristin Gong [ Muriel Hoffman ] trifft. Alle werden nach einem Überfall der Nordkoreaner unter Führung von Park [ Jason Tobin ] und Jinseyun [ Kirt Kishita ] in deren anliegendes Gefängnis verschleppt, wo Gabe sich allerdings befreien kann und den Weg durch die Schergen antritt.

Bereits mit dem Einstieg ist die Hoffnung auf ein narratives überzeugendes Werk bereits erledigt, verfolgt der dort nicht und auch später nicht vorgestellte Gabe den Flüchtigen, einen Pädophilen schon bei Tag durch den Wald vor den Toren von Hong Kong und sprinten beide selber noch in der anschliessenden Nacht durch die nunmehrige Stadt. Der halbe Marathonlauf mit Tag-und-Nachtgleiche hat sein Ende erst in einer dunklen Seitengasse, die von der Ausstattung für die folgende Szene immerhin recht schick, d.h. verwildert und vollgestopft als Kulisse für eine nassforsche Prügelei mit im ungünstigen Moment auftauchenden Schergen hingestellt ist.

Der Opener selber als Schimmer von Erwartung, Zutrauen und Erkenntnis, ist die Ausführung der Choreographie von Guo Sifu mit Unterstützung durch Antony Szeto – der sich zuletzt mit Fist of the Dragon (2014) ebenfalls am Output beteiligt hat – doch gescheit in Praxis und Montage umgesetzt. Der Hauptdarsteller (und gleichzeitig Produzent) Seydina Baldé, World Karate Champion, kann sich eindeutig und dies auch schnell bewegen, was von der Kamera angenehmerweise auch gezeigt und nicht verschleiert oder anderweitig eingeschränkt wird, zudem stimmt der Rhythmus aus Groß-, Halbaufnahmen und Details im Effekt, was auch später noch durchaus zu goutieren, vor allem in einer mittig auftretenden brachialen Schlägerei im Schlaflager der Nordkoreaner zu verzeichnen ist. Überhaupt sind die Konfrontationen mit und Ausschaltungen des ach so verhassten Weltfeindes noch die wenigen Meriten, die dem auch unter dem Alternativtitel Geführten (und in den USA so veröffentlichten) Covert Operation zur Ehre gereichen. Besonders der erste Durchmarsch durch den Bunker der grotesk überzeichneten Asiaten, die hier Folterer, Vergewaltiger, Kannibalen, Großmäuler und Memmen in einem sind, ist ein für den Moment fast herausragender Einbau aus Flexibilität, Geschwindigkeit und Aggressivität, in der die missliebigen Kurznasen fast chancenlos, dafür aber zuweilen in glorreichen Zeitlupen in herumstehende Reisesäcke oder ihre Feldbetten gedroschen werden.

Darauf folgt leider nicht mehr allzu viel bzw. nicht in dieser Qualität; überhaupt wird das Szenario gerade eingangs, in der ersten halben Stunde, die nur aus einem Vorlauf und leeren Informationshülsen besteht, so gut wie gar nicht oder nur im spürbar aggressiven Hass gegenüber den Männern jenseits des 38. Breitengrades genutzt. Groteske Überzeichnungen, die von den Darstellern durch ihre Art des von jeglichen Nuancen freien Spieles und zwei bis drei selbst im Humor gehässig wirkende Einlagen nur noch mehr und gröber zum Vorschein kommen, als es sich schon im Text schon liest. Derart sein propagandistisch schmeckendes Süppchen aus Exploitation, Gewalt und (übersteigert) volkshetzerischen Gewürzen kochend tut sich der Film, der sich tatsächlich in einem Grenzbereich befindet, jedenfalls keinen wirklichen Gefallen. Das Gefühl der Isolation und der Frustration in diesem dunklen Horrorregime vom allseits auf Bildern präsenten Kim Jong-un und seinen unselbständigen, abgemagerten Befehlsempfängern wird als Anreiz zwar erhalten und zusätzlich mit Laboratory of the Devil - Absurditäten und einer Werkstatt für Snuffvideos angeheizt, was dem gesamten Umfeld aus Bunkerverlies mit viel Nichtigkeiten und Desinteresse aber eine überaus geschmäcklerische Aura, ähnlich dem Kill 'em All (2012) und seinem "for some sick fuck's enjoyment“ beigibt.

Details
Ähnliche Filme