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„Gegen die Wand gefahren"

„Geld stinkt nicht!" Mann kann sich eigentlich ausschließlich diese Einstellung als Grund vorstellen, warum immer noch einigermaßen namhafte Mimen wie Thomas Jane („The Punisher", „Der Nebel") und John Cusack („High Fidelity") sich bei dem kruden Krimi-Komödien-Buddy-Heist-Roadmovie-Murks „Drive Hard" in Lohn und Brot begeben haben.

Traurig ist vor allem der unaufhaltsame Abstieg des ehemaligen Feuilleton- und Akademikerlieblings Cusack, der durch seine lakonisch-traurige Natürlichkeit ein ganz eigenes Genre kreierte, die melancholische RomCom. Mit zunehmenden Alter (ja, der Mann ist inzwischen fast 50!) drohte diese Schiene allerdings immer mehr zum Abstellgleis zu werden, was Cusack auf die eher unglückliche Idee brachte, sich vermehrt in Bad Guy- und Horror-Gefilden zu versuchen. Dieser Irrweg führte langsam aber unaufhaltsam in den Direct-to-DVD-Abgrund, in dem sich ebenfalls einst vielversprechende Kollegen wie Val Kilmer, Cuba Gooding Jr. und Christian Slater bereits häuslich eingerichtet hatten.
 
Der Vorteil dieser Discounter-Produktionen ist offenbar, dass man in relativ kurzer Zeit relativ viel Geld verdienen kann. So müllt Cusack mit „Drive Hard" anno 2014 bereits zum dritten Mal („Motel Room 13", „The Prince") die Videotheken-Regale und Video-on-Demand-Listen zu und arbeitet weiterhin fröhlich an der Demontage seiner beruflichen Reputation.

Witzigerweise trägt er in allen drei Filmen exakt dieselben schwarzen Klamotten, schließlich kostet die Garderobe ja auch Geld. In „Drive Hard" gibt der abgehalfterte Man in Black einen geprellten Auftrags-Dieb, der sich via Bankraub an seinem Ex-Boss rächt und dabei noch ganz nebenbei einen Korruptionsskandal in höchsten polizeilichen und politischen Kreisen aufdeckt. Als unfreiwilliger Fluchtfahrer dient ihm dabei der ehemalige Profirennfahrer Peter (Thomas Jane), der unter der Fuchtel seiner karrieregeilen Ehefrau zum Haustiger mutiert ist und nun an der australischen Goldcoast ein trostloses Dasein als Teilzeitfahrlehrer fristet.

Dieses eigentlich originelle Szenario mündet dann in ein völlig inkohärentes Wirrwarr aus Buddy-Roadmovie und Gangsterfarce mit ein paar deplatzierten Spritzern schwarzen Humors und überkandidelten Hampelmanneinlagen.  Für letztere ist praktisch unisono der gegen sein wortkarges Actionstar-Image anzappelnde und brabbelnde Thomas Jane zuständig, der sich hier auch frisurentechnisch zum sprichwörtlichen Affen macht.
Cusack gibt den coolen Gegen-Part, dessen trockene Sprüche in schönem Kontrast zu Peters hysterischem Geschnatter stehen, was im Verbund zumindest für einen gewissen Unterhaltungswert sorgt.

Mit zunehmender Dauer gehen einem die beiden schrägen Zankäpfel aber gehörig auf die Nerven, was umso schwerer wiegt, da der unoriginelle Plot gegen Ende immer mehr in den morastigen Treibsand misslungener Tarantino-Plagiate abdriftet. Das australische Setting vermag da auch nicht mehr viel zu retten, zumal offenbar rein aus wirtschaftlichen Erwägungen gewählt, denn die hektische Hatz könnte auch an jedem anderen Ort der Erde spielen.
Nach dem erwarteten Friede-Freude-Eierkuchen-Ende ist man dann regelrecht erleichtert, diesen hibbeligen B-Murks unbeschadet überstanden zu haben. Das kann man von Cusack nur bedingt behaupten. Andererseits, ist der Ruf erst ruiniert, dann chargiert es sich völlig ungeniert.

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