Review

Das Schlimmste, was „Schule“ passieren kann, ist, in einen Topf mit saublöden Teenie-Komödien aus deutschen Landen a la „Harte Jungs“ und „Feuer, Eis und Dosenbier“ geworfen zu werden, denn da gehört er definitiv nicht rein.

„Schule“ ist zwar kompletter Klau in der Filmgeschichte von hinten bis vorne, aber warum sollte man ein brauchbares Konzept nicht nutzen, wenn man sich in die Vorgänger verliebt hat und das Ensemble offenbar einen Heidenspass hatte.

Inszeniert wurde hier in der Summe eine Mischung aus „American Graffiti“ und (noch wesentlich stärker) Linklaters „Dazed and Confused“, nur eben angewendet auf ein Kleinstadtgymnasium, kurz vor Abschluß der Schule. Die übliche Mixtur von Typen, die man in beiden Vorbildern fast identisch vorfindet, läuft hier durch ein kleines Coming-of-Age-Leckerli: der moppelige Hänger, der seine Matheprüfung nur schafft, weil ein Musterschüler ihm hilft, woraufhin der mal eine richtige Sause erleben darf: der Jungheld, dem seine jüngere Freundin langsam über ist und die sich daraufhin mit einem Rabauken und Schulabgänger ein Abenteuer leistet; ein zerstrittenes Pärchen, ein fröhlicher Kiffhead, ein Schnittchen, der Quotentürke mit seinem Videotenkumpel, der das alles für die Nachwelt aufzeichnet.

Über den Plot und die Episödchen oder ihre Bedeutung zu diskutieren, ist obsolet – dieser Film ist für ein Zielpublikum mit extremem Wiedererkennungswert gestrickt worden.
Schema: „Wißt ihr noch, damals, da haben wir was ähnliches gemacht!“
Eine Clique, die bald auseinanderbricht, der letzte Abend am See, Freunde auf Zeit, Krisen, Küsse, Kiffen, allesamt melancholisch und doch leichtfüßig bis zum Gehtnichtmehr gebaut.

Im Ensemble ist Shootingstar Daniel Brühl der Vorreiter, der seine Ausdrucksstärke hoffentlich so unprätentiös beläßt, während Axel Stein auch mal andere Qualitäten zeigt als nur Blödsinn.
Wer will, darf träumen, sich erinnern oder mitglucksen, es gibt reichlich von allem, wenn auch das Kiffen recht exzessiv betrieben wird, als hätten Schüler von heute nichts anderes mehr zu tun (haben sie?).

Und wenn denn nach einem Niveau gefahndet wird, so ist es, wenn man das Ziel der Macher im Blick behält, verblüffend hoch. Gelingen doch ein paar meisterhafte Augenblicke, wie eine Fahrt in einem offenen Wagen durch ein Feld kurz vor Sonnenuntergang, die mehr Gefühl einfängt, als eine Zeile Dialog es je schaffen könnte. Kurz, gut und schön – nur sagt Mr. Linklater bitte nicht bescheid. (7,5/10)

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