Review
von Leimbacher-Mario
Bekifft & verwirrt
„Schule“ ist ein wahres Zeitdokument, das die ausgehenden 90er und den „Anfang vom echten Leben“ sehr (un)cool einfängt. Und es ist besonders schön und erfrischend hier mal wieder Teenager ohne Handys und Internet zu sehen - kennt man fast gar nicht mehr! In Marco Petrys Jugendkomödie mit ernsteren Untertönen folgen wir ein paar Halbstarken kurz vor ihrem Abitur - und wie sie sich zoffen, wie sie sich die Birne wegkiffen und wie ihre Beziehungen untereinander auf harte Proben gestellt werden...
Immer etwas in eine Schublade mit „Harte Jungs“ oder „Mädchen, Mädchen“ gesteckt, kann „Schule“ zum Glück doch mehr, als er in meinem Kopf drauf hatte. Als Kind mochte ich ihn, so viel weiß ich noch, aber die wenigen zotigen Szenen im Gedächtnis sprachen nicht gerade für qualitativste Unterhaltung. Eher eine Sexklamotte, dachte ich. Doch das stimmt so nicht. Denn, ganz wie im wahren Leben zu dieser Zeit bei den meisten, wird hier mehr über Sex und Versautes geredet als es gemacht. Und das ist passend und gut so! Unter einigen Lachern, steifem Schauspiel und unverkennbarer Art/Mode/Vibes dieser etwas schwer definierbaren Zeit, befindet sich durchaus eine melancholische, nachvollziehbare und ehrliche Ader. Denn wenn das Ende der Schulzeit gut am Horizont sichtbar wird, das „echte Leben“ lauert, dann ist das nunmal eine von Unsicherheiten und Grauzonen dominierte Zeit, die etwas in der Luft hängt. Und genau diese Phase, in der alle Wege offen scheinen und man doch nicht genau weiß, was man machen soll, fängt „Schule“ gut ein. Inklusive womöglich auseinanderbrechender Freundschaften, Lieben und Cliquen. Nicht alle Darsteller sind auf Topniveau, um es mild auszudrücken, den berühmten deutschen Stock im filmischen Po merkt man durchgängig, amerikanische Alternativen und Vorbilder wie etwa „Fast Times At Ridgemont High“ sind nochmal ein gutes Stück besser. Klischees so weit das Auge reicht. Und dennoch passt hier von der authentischen Atmosphäre über Sympathieträger wie Daniel Brühl oder Axel Stein bis hin zu etlichen klasse Songs doch eine Menge. In einigen Aspekten sicher nicht allzu gut gealtert. Im Kern aber mehr als das.
Fazit: für mich schon mehr als nur eine Art deutscher „American Pie“. „Schule“ ist eine solide Mischung aus Abi-, Kiffer- und Jugenddramödie, die zum Glück näher an Linklater als an „Harte Jungs“ liegt. Würde ich jederzeit etwa „Fack Ju Goethe“ vorziehen!