Review

Gesamtbesprechung

"Der Krieg ist hart."

Nach dem Anti-Kriegsfilm "Der Soldat James Ryan" kamen Steven Spielberg und Tom Hanks erneut zusammen um eine recht bodenständige Serie um mehrere Luft- und Landdivisionen der US-Streitkräfte zu produzieren, die während des zweiten Weltkrieges in der Normandie absprangen und dem Vorstoß Richtung Deutschland beteiligt waren. Außergewöhnlich ist dabei das Format. Nur zehn Episoden hat die Serie, die jeweils über die standardmäßigen 45 Minuten kommen.

Zu Beginn einer Folge kommen stets alt gewordene Kriegsveteranen zu Wort. Sie berichten kurz über ihre Eindrücke während ihrem Vorstoß nach Deutschland. Schon hier fällt die Bemühung auf "Band of Brothers - Wir waren wie Brüder" zerstörte Kulissen so authentisch wie möglich erscheinen zu lassen. Auch später ändert sich diese Ambition nicht. Neben einer braungrauen Kriegsfilmoptik sorgen auch nachvollziehbare Figuren und Gefechte stets für Realitätsnähe.

Der Einstieg in die Serie erfolgt über eine Folge im Trainingscamp. Hier werden die wichtigsten Figuren etabliert und geformt. Obwohl in dieser Folge noch keine Actionszenen zu sehen sind, beeindruckt die Serie bereits jetzt schon durch den sichtbaren Aufwand an den Kulissen sowie der Ausstattung und dem erzählerischen Feingefühl.
Episode 2 bis 8 stellen das Kriegstreiben in den Fokus. Opulent wie auch drastisch sind die Kriegsszenen bebildert. Das beginnt mit den Absprüngen der Fallschirmspringer über der Normandie und den ersten Gefechten in Schützengräben. Später kommen Panzer- und Stadtgefechte in französischen, heruntergekommenen Kulissen sowie Artilleriebeschuss in belgischen Winterlandschaften hinzu.
Die letzten beiden Folgen beschäftigen sich mit Konzentrationslagern sowie dem Ende des Krieges, wo immer noch geschossen wird und Männer sterben.

Obwohl sich die Folgen schematisch ähneln, unterscheiden sie sich erzählerisch doch gewaltig. Häufig stehen ein oder zwei Charaktere im Fokus, wodurch man einen persönlichen und differenzierten Eindruck in das Gefühlsleben dieser erhält. Die Erzählweise ist mal nah an den Figuren dran, mal etwas oberflächlicher über viele. So erlebt man in Folge 6 den täglichen Ablauf eines Sanitäters hautnah, Episode 7 überrascht mit einer Erzählstimme.

In schonungsloser Weise dokumentiert "Band of Brothers" den Alltag der Soldaten. Die ständige Bedrohung und Anspannung wird immerhin zeitweise durch sarkastische Kommentare aufgelockert. Hungersnot, der Abschnitt von Nachschub und erfrorene Körperteile werden ebensowenig ausgelassen, wie die Überforderung der Vorgesetzten.
Die heftigen Schusswechsel mit einer bemüht neutralen Darstellung der Deutschen enden stets blutig. Das Zerfetzen von Körperteilen und die Schusswunden wirken überaus unangenehm jedoch niemals selbstzweckhaft.

Optisch ist "Band of Brothers" annähernd auf Kino-Niveau. Farbentsättigte Bilder beherrschen das raue Kriegsszenario, das mit aufwendigen Kulissen arbeitet. Die zahlreichen Gefechte und Schlachten wirken episch und dennoch bodenständig. Nur die digitalen Effekte sind nicht gänzlich organisch in die Bilder eingefügt.

Die Darsteller agieren überaus souverän. Die Stammbesetzung besteht aus Damian Lewis ("Dreamcatcher"), Ron Livingston ("44 Minuten - Die Hölle von Nord Hollywood"), Neal McDonough ("Flags of Our Fathers"), Colin Hanks ("King Kong"), Donnie Wahlberg ("Kopfgeld - Einer wird bezahlen"), Scott Grimes sowie einigen anderen etablierten Persönlichkeiten. Selbst ein Michael Fassbender ("Eden Lake", "Prometheus - Dunkle Zeichen") findet sich in einer Nebenrolle wieder.

"Band of Brothers - Wir waren wie Brüder" ist eine enorm beeindruckende Serie. Die 10 Folgen wurden mit einem unglaublichen Aufwand produziert, was abseits der digitalen Effekte stets sichtbar ist. Die Actionszenen sind sehr wuchtig und beklemmend, was die teils aussichtslose Kriegsthematik gut trifft. Dokumentarisch greift sich die Serie pro Folge ein paar Figuren heraus und stellt sie in den Fokus, was eine dichte Anbindung gewährleistet. Nur selten werden die schwer im Magen liegenden Themen, wie die zunehmende Verrohung der Soldaten, durch sarkastische Bemerkungen gelockert. Etwas schade ist die Drosselung des Tempos in den letzten beiden Folgen. Dennoch klare ...

10 / 10

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