Review

"Ich werde sterben, umgeben von den Oberidioten der Galaxie."

Peter Quill (Chris Pratt) war noch ein Junge, als er von den außerirdischen Ravagers entführt wurde. Ihr Anführer Yondu (Michael Rooker) sorgt dafür, dass er von den anderen nicht gefressen wird und somit zu einem Draufgänger mit überdimensionalen Ego heranwächst.
Als Peter ein kugelförmiges Artefakt auf einem verlassenen Planeten stiehlt, erweckt er die Aufmerksamkeit des Kree-Tyrannen Ronan (Lee Pace). Dieser will mit dem Artefakt den Planeten Xandar in Schutt und Asche legen, denn in einem vergangen Krieg zwischen den Kree und den Xandarianern verlor er seinen Vater. Als Peter das Artefakt auf Xandar verkaufen will, wird er von Gamora (Zoë Saldaña), dem Waschbären Rocket sowie dem baumähnlichen Wesen Groot attackiert, denn auf Peter wurde ein Kopfgeld ausgesetzt. Erfolg hat allerdings keiner von ihnen. Schnell werden alle gefangen genommen und in ein Gefängnis versetzt. Dort schmieden die vier sehr unterschiedlichen Personen mit dem bulligen Drax (Dave Batista) einen Plan, um zu fliehen und den Erlös des Artefakts auf alle zu aufzuteilen. Ronan ist ihnen aber schon auf der Spur.

Mit "Guardians of the Galaxy" versucht Marvel nach einem längeren Zeitraum eine völlig neue Gruppe aus Helden zu etablieren. Das Weltraumabenteuer basiert auf dem gleichnamigen Comic, der hierzulande eher unbekannt ist. Während sich im Comic das Verhältnis zwischen Humor und düsterem Setting die Waage hält, sucht man in der Verfilmung nach letzterem eher vergeblich. Das ist aber nicht das einzige, wo es in der Science-Fiction-Action-Komödie hakt.

Die Handlung ist allzu typisch für eine Comic-Verfilmung. Von zunächst unsympathischer Hauptfigur, generischem Gegenspieler, dem üblichen, charakterlichen Wandel und der Rettung einer Welt ist alles vertreten, was das Genre mittlerweile als abgedroschen auszeichnet. Der Geschichtsverlauf beschert keine unvorhersehbaren Wendungen, sondern vermittelt stets genau das, was das Publikum vorausahnt.
Trotz der sehr eigenen Welten und den regelrecht gewöhnungsbedürftigen Figuren und Kreaturen, erinnert "Guardians of the Galaxy" doch recht häufig an die erheblich epischere "Star Wars"-Reihe. Diverse Figuren lehnen sich an diesen Konkurrenten an, genauso, wie die sehr zielgerichtete Geschichte.

Der Science-Fiction-Action-Komödie fehlt eine eingängige Identifikationsfigur. Die wichtigsten Figuren bekommen nur eine rundimentäre Vorgeschichte verpasst, der Gegenspieler ist vollständig austauschbar. Zu wenig, um sie wirklich nachvollziehen zu können. Neben dem sperrigen Aussehen sind auch diverse Charakterzüge eher unsympathisch. Und einer Logik folgen die Figuren ohnehin nicht. Ein gravierendes Problem, dass dem Film immer wieder zu schaffen macht.
Trotz ein paar wirklich gelungenen emotionalen Szenen ist eine Ernsthaftigkeit oder Bedrohung an sich nicht vorhanden. Während die Dialoge einige wirklich einfallsreiche Gags vorweisen, sind die albernen Slapstickeinlagen zu hochfrequent und lächerlich in Szene gesetzt. Darunter leidet auch die Spannung.

Die Effekte dagegen sind überaus gelungen. Bombastische Panoramaansichten von digitalen Kulissen wechseln sich mit weich animierten Chrakteren und brachialen Explosionen ab. Detailverliebt war in dieser Hinsicht jeder Film der Marvel Studios. Allerdings enthalten die zahlreichen Actionszenen keinerlei Höhen und Innovation. Hin und wieder weisen sogar die an sich erneut überflüssigen 3D-Effekte eine beeindruckende Tiefenschärfe vor.
Die nostalgisch-poppige Musikuntermalung mit Songs aus den 70ern mag zwar rein vom hören sehr stimmungsvoll sein, passt aber so rein garnicht zum futuristischen Setting.

Zu den bekanntesten Gesichtern gehören Zoë Saldaña ("Star Trek"-Reihe, "Colombiana"), Glenn Close ("Air Force One", "101 Dalmatiner") sowie Michael Rooker ("The Walking Dead", "Super - Shut Up, Crime!"). Während erstere eine gute Sichtbarkeit und Performance zeigt, haben die anderen beiden in ihren Nebenrollen keinerlei Spielraum für ihr schauspielerisches Talent. Chris Pratt ("Die Kunst zu gewinnen - Moneyball") hat Mühe den Film als Protagonisten zu halten, auch wenn sein spitzbübiger Charme hin und wieder stimmig ist. Der Rest der Darsteller kommt nur zweckmäßig zum Einsatz.

"Guardians of the Galaxy" ist der erste Film des Marvel Cinematic Universe, der eher zweckmäßig als gelungen ist. Keiner der Schauspieler setzt sich wirklich durch und führt als Identifikation durch den Film. Der abgedroschenen Handlung fehlt es an einem Spannungsbogen, gerade, da der hochfrequentierte Humor selten eine ernsthafte Bedrohung zulässt. Zudem fehlt eine Verbindung und eine logische Ausrichtung zwischen der großen Zahl an Charakteren. Dafür funktionieren die spitzfindigen Dialoge und die aufregende Optik überaus gut. Es sind so viele Komponenten zu finden, die an sich gelungen sind, allerdings nicht homogen zum Gesamtkonstrukt passen wollen.

5 / 10

Details
Ähnliche Filme