Welcome to the Modern 80´s!
Man hätte vieles erwarten können, von dieser schon komisch wirkenden Konstellation von James Gunn und Marvel. Der ehemalige Troma - Filius bleibt irgendwie auch in seiner ersten Big Budget Regiearbeit irgendwie seinen Wurzeln treu und liefert eine überaus grimmige, spaßige und lakonisch Comicverfilmung ab, der es an Ecken und Kanten nicht fehlt und die aufgrund ihrer Charaktere ordentlich frische in den Reigen an erfolgreichen, wenn auch im Moment ziemlich generischen Comicadaptionen bringt. Letztlich ist "Guardians" all den anderen Sequels zu "Thor", Captain America" und "Iron Man" haushoch überlegen, da er auch als selbständiger Film bestehen kann und so auch rüberkommt, trotz das er in der 2 Phase des Marvel Cinematic Universe rausgekommen ist. Schon die erste Szene kristallisiert die Stärken im Charakter - Telling gekonnt heraus und ist überaus die wohl stärkste emotionale Szene, die den ZuschauerHauptcharakter Peter Quill bindet und letztlich daraus aus das Interesse an den anderen ziemlich irren Soziopathen weckt, von denen jeder eine Backstory vorweist, die man mehr und mal weniger herausgearbeitet wurde. Also gibt noch einiges zu erzählen, allen voran über Drax aber auch Groot und insbesondere Rocket, einen genetisch manipulierten Waschbären mit einer irren Agenda, der letztlich aber nicht wirklich weiß das er ein Waschbär ist und für einige sehr schwarzhumorige Einlagen sorgt.
Seine laufende Zimmerpflanze Groot, ist trotz es und desselben Dialoges auch mehr als ein pures CGI - Geschöpf sondern kreiert kleine aber feine Momente voller Gefühl aber recht irrsinnig subtiler Komik. Drax der Zerstörer, ist auch mehr als ein Haudrauf und die wohl beste Rolle bis dato die WWE - Wrestler Dave Bautista ("Riddick") spielen konnte und mit soviel Leben ausfüllt, eine Überraschung für sich. Zoe Saldana ist seit "Avatar" und den beiden letzten "Star Trek" - Filmen kaum wegzudenken, aus Genrefilmen und liefert eine souveräne Performance als vermeintliche Killerin und Ziehtochter von Thanos ab. Mit Thanos ergibt sich eigentlich auch die einzige Parallele zu "The Avengers" und der erneut von Benicio Del Toro verkörperte Collector, durfte sich schon recht knapp in der Pre - Title - Sequenz von "Thor - The Dark World" vorstellen und James Gunn hat seine Unterkunft mit weiteren bizarren Fundstücken und Raritäten aufgestockt, wie einem Hund der einstmals als Astronaut in den All geschossen wurde. Michael Rooker gibt als Yondu, leider nicht den wirklichen Ziehvater von Peter Quill, soviel sei schon mal geschrieben und bekommt einige verdammt starke Szenen spendiert, die einmal mehr zeigen was für ein erstklassiger Schauspieler ist, allen voran in Genrefilme und seit "Slither" gehört er wie schon Gregg Henry (ganz am Anfang zu sehen) oder auch Nathan Fillion (nach den muss man suchen, aber er ist auch dabei) zum Stammschauspielcast von Gunn. Ebenso stark kommen die Bösewichte daher, die ihre Gewichtung in den klassischen Comic - Schurken bekommen a la Ronan der Ankläger verkörpert von Lee Pace ("Der Hobbit 1 - 3"), Karen Gillan als kybernetische Nebula und Djimon Hounsou als Haudrauf als nette Dreingabe. Stan Lee hat mal wieder seinen obligatorischen Cameo und Troma - Chef Lloyd Kaufman darf ebenso wenig fehlen wie James Gunn Bruder Sean der einen Ravager verkörpert und am Set nebenber noch das Motion Capturing Double für Rocket war. Das nennt man Arbeitsteilung und Kevin Bacon wird auch mal zitiert. Mit Zitaten hat es der Film und ebenso musikalisch mit einigen Hit aus den 70ern und 80ern, die obendrein einige Szenen atmosphärisch aufwerten und für den gewissen Flair sorgen.
Da kann man es verkraften das die Handlung eher simpel ist, denn es geht ja um den typischen MacGuffin der schon in vielen anderen Marvel - Verfilmungen und anderen Klassikern eine wichtige Rolle spielte und hier ob seiner Optik für Verzückung sorgt. Überhaupt sind die Effekte und der visuelle Stil sehr ausgereift und in keinster Weise monoton und harmonieren gekonnt mit den echten Sets und der Action an sich.
Überhaupt ist James Gunn wohl noch einer der wenigen Regisseure die es wirklich verstehen irgendwie alles unter einen Hut zu bringen, ohne das der fertige Film letztlich in einem Overkill explodiert. Souverän und in sich stimmig steuert "Guardians" auf seinen persönlichen Klimax bzw. das Event hinzu und streut immer mal wieder Momente ein, die ich so nicht kommen sah.
Damit ist "Guardians of the Galaxy" definitiv eine der besten Comicverfilmungen überhaupt, die selbst Marvels bis dato größten Box Office Hit "The Avengers" alt aussehen lässt, da er keine wirklichen Längen hat und dem Zuschauer einen wunderbaren Mix aus leichter Unterhaltung in Kombination mit guten dramaturgischen Momenten bietet, wie ich sie nur noch selten in so einem Genrefilm überhaupt gesehen hab.
James Gunn ist daher das Kunststück gelungen ein Feel Good Movie auf die Beine zu stellen, was dennoch überaus Grimmig und roh ist und sowas von Comic Pur ist.
Fazit: Losgelöst von allen anderen Film der MCU - Phase 2 ein pralles Überraschungsei mit teils geschliffenen Dialogen, viel schwarzen aber auch subtilen Humor und insbesondere einem Cast der so ziemlich über alle Klischees hinweg spielen kann, trotz seiner simplen Handlung!
10 von 10 Howard the Ducks