Das MCU wird zweistellig. Film Nummer 10 ist mit einer Truppe bestückt, die ich gar nicht so auf dem Schirm hatte. Dabei ist das Abenteuer der „Guardians“, dieser zusammengewürfelten Truppe, überaus unterhaltsam ausgefallen.
Peter Quill, der sich selbst Star-Lord nennt, kommt in den Besitz einer Kugel, die etwas sehr Mächtiges beherbergt. Und deswegen sind auf einmal nicht nur ein Pelzvieh und ein Baum hinter ihm her, sondern auch eine Attentäterin, geschickt von Ronan dem Ankläger.
Auf Seiten der Besetzung ist alles in Ordnung, Chris Pratt als Quill hat das lose Mundwerk, während Zoe Saldana die Kampfamazone mimt, die mit ihren Unterstützern hadert. Dave Bautista hat als eloquenter Kampfkoloss Drax einige Lacher auf seiner Seite, gleiches gilt für den sarkastischen Rocket, dessen Stimme im Original von Bradley Cooper kommt. Dem gegenüber ist Groot recht schweigsam, doch selbst er ist ein unverzichtbarer Teil des Teams und hier liegt auch der große Trumpf von Regisseur und Mitautor James Gunn. Die Chemie in der Gruppe funktioniert einfach sauber und es braucht gar nicht viel, bis man alle ziemlich gern hat. Da übersieht man auch geflissentlich, dass die Figuren nicht viel Tiefe haben. Es fällt hier einfach nicht störend auf.
Das trifft schon eher auf Ronan zu, dargestellt von Lee Pace. Zwar sieht er echt chic aus, das Design und der Habitus sind stimmig, nur bleibt er eindimensional. Ein Schicksal, das viele seiner Schurkenkollegen leider teilen. Die Optik macht hier aber einiges wett, was auch auf Karen Gillans Nebula zutrifft. Neben kleinen Gastauftritten von John C. Reilly, Benicio del Toro und Glenn Close hat sich noch Michael Rooker als der sympathische Yondu auf die Leinwand verirrt. Und auch von Thanos bekommt man etwas mehr zu sehen. Es sind einfach bemerkenswert viele Rollen, groß wie klein, die hängen bleiben. Selbst Troma-Legende Lloyd Kaufman schaut mal vorbei und Stan Lee flirtet gerne mit jungen Damen.
Tyler Bates' Soundtrack blitzt stellenweise auf, ist aber oft die übliche Hintergrundbeschallung. Da stechen die gut platzierten Popsongs, die Peter auf seinem Mixtape hat, eher heraus und unterstreichen die lockere Atmosphäre.
Humoristisch ist hier einiges los, „Guardians“ ist einer der witzigsten Beiträge zum MCU. Dabei gibt man sich abwechslungsreich, transportiert vieles über die Dialoge, aber ebenso über Slapstickeinlagen oder einfach Dinge, die im Hintergrund vor sich gehen. Das Tempo ist generell meist hoch, was aber auch einen selbstgemachten Nachteil bietet. Die erste Hälfte saust nur so dahin, das hält die zweite nicht mehr durch. Der Zuckerrausch lasst nach einer Stunde einfach mal nach. Der Film muss auch mal auf die Bremse treten und etwas mehr erzählen. Das ist vollkommen in Ordnung, trotzdem fällt es aufgrund all der zuvor herrschenden Lust an der Randale mehr auf. Gleiches gilt dafür, dass man es mit den physikalischen Eigenheiten des Alls hier mal nicht so genau nimmt, was sich selbst in diesem chaotischen Umfeld merkwürdig anfühlt.
Aber dann geht es schon gen Showdown, der insgesamt recht gelungen ist, aber auch wieder diese generischen Massenschlachten mit allerlei gesichtslosem Kanonenfutter bietet. Gunn macht aber nicht den Fehler, sich nur auf die Größe zu verlassen und teilt die Schauplätze auf, was Abwechslung in den Endkampf bringt.
"Guardians of the Galaxy" ist eine rasante und unterhaltsame Achterbahn, voller Witz, sympathischer Figuren und Krachbumm. Macht der Schurke auch optisch was her, er bleibt flach und das hohe Tempo fordert in der zweiten Hälfte seinen Tribut. Macht trotzdem einen Heidenspaß.