"Dieser Ort hat was unheimliches."
"V/H/S: Viral" ist der dritte Teil der "V/H/S"-Reihe, die mit ihrem Beginn dem Found Footage Horror neue Impulse versetzte. Aufgeteilt in mehrere episodenhafte Geschichten, war die Qualität schon immer schwankend, durchgängig jedoch sehr abwechslungsreich.
Der dritte Film unterscheidet sich etwas von den bisherigen und steht dadurch etwas mehr in der Kritik: Anstatt visueller Gewalt steht die Mystery-Komponente im Fokus.
Eine Rahmenhandlung ummantelt 3 Geschichten. In der ersten findet Dante der Große (Justin Welborn) einen magischen Umhang. Dieser erlaubt dem Träger magische Fähigkeiten, ernährt sich allerdings von Menschen. Diese Episode zeichnet sich besonders durch ihren dokumentarischen Charakter aus.
Im zweiten Segment öffnet Alfonso (Gustavo Salmeron) ein Tor zu einer gespiegelten Welt und tauscht für kurze Zeit mit seinem zweiten Ich die Plätze. Die zunächst identisch scheinende Welt hat jedoch ein paar groteske Unterschiede. Langsamer Spannungsaufbau trifft hier auf obskure Wendung.
Die dritte Episode handelt von einer Gruppe jugendlicher Skater, die auf einen satanischen Kult trifft. Die klassischste Episode, die am meisten visuelle Gewalt aber auch ein abruptes Ende enthält.
In der Rahmenhandlung verfolgt der sensationslüsterne Kevin (Patrick Lawrie) einen Wagen, in dem seine Freundin Iris (Emila Zoryan) gezerrt wurde. Während der Verfolgung bekommt er immer wieder angsteinflößende Bilder von ihr auf seinem Smartphone zu sehen.
Trotz unsympathischen Figuren und somit schwerem Zugang zu eben jenen, mäßger Effekte und nur zweckmäßigen Darstellern, sind die jeweiligen Episoden auf ihre Art gelungen. Die teils übermäßig wacklige Kameraführung erschafft durch die Nähe zum Geschehen ein dichtes Gefühl unmittelbarer Bedrohung. Die temporeiche Inszenierung lässt schnell Spannung entstehen. Eine nicht zu unterschätzende Komponente ist auch das jeweils wendungsreiche Finale.
Im Gegensatz dazu steht die Rahmenhandlung, die sich überhaupt nicht in das Geschehen einbetten will. Konfus und ohne Zusammenhang zu den Episoden plätschern die einzelnen Handlungsschnipsel vor sich hin. In diesem Bezug wirkt der Film überaus unfertig, was durch seine Produktionsgeschichte auch naheliegend ist.
"V/H/S: Viral" spaltet verständlicherweise die Gemüter. Fans der ersten beiden Teile, die die Reihe vor allem wegen dem unverwechselbaren VHS- und Found Footage-Look, sowie den blutigen Twists am Ende jeder Episode, lieben, werden enttäuscht sein. Der dritte Teil ist aber dennoch kein schlechter Vertreter seiner Art. Mit seinen knappen 77 Minuten, den erneut vielseitigen Segmenten, dem flotten Aufbau und seiner bedrohlichen Atmosphäre ist der Film überaus funktional, Figuren, Darsteller und Effekte sind jedoch eher mäßig in ihrem Tun und ihrer Darstellung. Sehr knappe ...
7 / 10