Daß „Ringu“ kein reines Zufallsprodukt war, sondern generell gute Qualität aus Asien kommen kann, beweist das nächste Projekt der „Ringu“-Crew, die mit „Dark Water“ noch ein Garn rund um den Geist eines Kindes gesponnen haben.
In diesem Fall ist es anscheinend ertrunken und peinigt nun eine frisch geschiedene, psychisch labile Mutter mit Kind, die in ein altes Wohnhaus gezogen ist und nun zunehmend befürchten muß, daß ihr Kind durch das Gespenst Schaden nimmt.
Das Team und die Regie ziehen alle nötigen Register, die für ein wohltemperiert grusliges Werk nötig sind: ein abgelegenes, irgendwie verlassen und heruntergekommen wirkendes Wohnhaus (in der Tag sieht man nie andere Mieter), lange Korridore, diffuse Räume, alles in leblosem Grau, dazu reichlich Wasser, welches von überall herzukommen scheint und in die Wohnung läuft. Und natürlich der schemenhaft immer wieder auftauchende Geist des Mädchens, der für reichlich Schockmomente sorgt.
Daß das Ergebnis trotzdem leider nicht so gut ist, wie bei „Ringu“, liegt an der altbackenen Story, die nie so recht aus den Startlöchern kommt. Zu Beginn wird noch zunehmend das Spiel mit der psychisch labilen Frau gespielt, die sich das ja auch alles nur einbilden könnte, doch alsbald geht der ruhelose Geist zum Angriff über.
Dabei zieht sich die Story jedoch wie Kaugummi, woran die Zeichnung der Protagonistin, eine weinerlich-defensiv-hilflose Frauenfigur die Handlung am meisten hemmt, weil sie keinerlei Züge hat, die uns als Zuschauer auf ihre Seite bringen würden, abgesehen mal von der grundsätzlichen Muttersympathie bei einem ekligen Ehemann.
Manche Sequenzen sind einfach zu lang augewalzt, zu emotional (träntreibend) inszeniert und hemmen den Fluß. Dagegen stehen extrem wirksam Gruselmomente, die sich durch die komplette Story ziehen. Neben einer zwar absehbaren, aber dennoch gut montierten Badewannenszene und einer Sequenz in einer unter Wasser stehenden Wohnung bleibt da vor allem der Höhepunkt im Fahrstuhl des Hauses in Erinnerung, bei dessen Auflösung die Gänsehaut schön langsam die Wirbelsäule hochkriecht.
Leider werden die logischen Fäden hier nur sehr lose geknüpft und so manche Frage bleibt unbeantwortet, nicht zuletzt die Gewißheit der Frau, die zu ihrer Opferbereitschaft führt und das Ausbleiben einer Untersuchung, die die Leiche des Kindes ja wieder bergen könnte.
Daß mehr Fragen als Antworten übrig bleiben, ist zwar nicht schlecht, aber der gewollt poetische Schlußdialog, verwöhnt den Zuschauer nicht gerade mit Bildern, die er sehen möchte, um den Film als halbwegs abgeschlossen ansehen zu können. „Dark Water“ ist atmosphärisches Gruselkino aus Fernost von Könnerhand, aber erzählerisch tun sich leider große Löcher auf. Oder Untiefen, das paßt wohl besser. (6,5/10)