Review

Seit Erfolgen wie "Ringu" weiß es fast die ganze Welt: Japaner stellen sich bei Horrorfilmen in den meisten Fällen recht geschickt an und produzieren gruselige Gänsehautwerke, die vielen Weststreifen um einiges vorraus sind. Leider hat das auch den negativen Effekt, dass viele auf der Welle mitreiten wollen und ihre mittelmäßigen Abklatsche als innovative und unglaublich schaurige Gruselerlebnisse verkaufen wollen. "Dark Water" ist einer dieser Fälle, denn mit seinem Mangel an Originalität und Überraschungseffekten ist der Film allerhöchstens akzeptable Durchschnittsware.
Nach ihrer Scheidung kämpft die psychisch desolate Yoshimi Matsubara (Hitomi Kuroki) um das Sorgerecht ihrer sechs Jahre alten Tochter Ikuko, mit der sie in ein kleines Appartement einzieht. Bald breitet sich an der Wohnungsdecke ein Wasserfleck aus, dessen Umfang von Tag zu Tag größer wird. Der Hausmeister ignoriert die Beschwerden der gestreßten Mutter und so kommt es eines Tages dazu, dass an allen Ecken und Enden das Wasser in Yoshimis Wohnung tropft. Nur durch Zufall findet sie heraus, dass über ihnen einst eine Familie lebte, die nach dem plötzlichen Verschwinden der Tochter ausgezogen ist. Langsam aber sicher kommen Yoshimi und ihr kleines Mädchen einem dunklen Geheimnis auf die Schliche und geraten dabei in Lebensgefahr.
Wie bei japanischen Horrormärchen so üblich, ist auch die Story um "Dark Water" von Anfang an eher undurchsichtlich. Was bei Vorbildern wie "Ringu" dafür sorgte, dass die Spannung konstant auf einem hohen Level blieb und der Zuschauer förmlich am Bildschirm klebte, will bei diesem Verschnitt nicht so ganz funktionieren. Etwas zu halbherzig und ohne den richtigen Pep inszeniert man hier ein Konstrukt um ein verschwundenes Mädchen, das die Lebenden mit Psychoterror der üblichen Sorte konfrontiert. Obligatorisch sehen unsere Protagonisten immer wieder das kleine unbekannte Mädel im weißen Kleid und mit langen schwarzen Haaren, die ihr Gesicht verdecken. Hört sich bekannt an? Ist es auch, denn inzwischen dürfte selbst der größte Horrorfilmhasser wissen, wie ausgelutscht dieses Motiv gegenwärtig ist. Gleich von Beginn an kommt dem Publikum der fade Gedanke, dass man nur auf einen etwas schwachen Abklasch hereingefallen ist. So sind die geklaut wirkenden Schockmomente, wenn denn da überhaupt mal alle 20 Minuten einer kommt, mehr als vorhersehbar und regen eigentlich nur zum Gähnen an. Die Story dazwischen ist eine wahre Probe für den Geduldsfaden, denn die eher in ein Drama passenden Geschehnisse sind in ihrer Natur äußerst langatmig und werden zäh und schleppend erzählt.
Dem soliden Streifen fehlt vorne und hinten jede Art von Innovation und Originalität. Hätte man sich bei den eigenen Ideen genauso viel Mühe gemacht wie beim Abkupfern, wäre dem Aufstieg in die Oberklasse nichts im Weg gestanden. Denn die Geschichte ist trotz einiger Löcher und der wackligen Umsetzung nicht ohne Potential - doch das wurde leider äußerst fahrlässig verschenkt. Der Film nimmt sich zu viel Zeit für die unwichtigen Dinge und beleuchtet kaum die richtig intensiven und spannenden Szenen; die gewollte Intensität des Stoffes verpufft deshalb nach wenigen Minuten. Als traurige Erkenntnis bleibt nur, dass der vorhersehbaren solala-Umsetzung durchgehend der Drive fehlt. Auch das im Tempo steigende, aber viel zu kurze Finale, das dann endlich alle Ungereimheiten aus der Welt schafft, kann da nichts mehr wettmachen.
Schade um die verschenkte Geschichte, denn das positive Grundgerüst ist gegeben. Die Charaktere sind allesamt recht sympathisch und zumindest nicht übertrieben klischeehaft, die Darsteller durchaus ansprechend und ordentlich, und auch technisch gibt es nicht allzuviel an "Dark Water" auszusetzen. Zwar wird absolut nichts Bahnbrechendes präsentiert, aber die Kulissen sind schön schaurig und die Einstellungen und Effekte rundum gelungen. Äußerst bemerkenswert ist die bombastische Soundkulisse des Films, was die Besitzer einer Surroundanlage erfreuen dürfte. Einen ansprechenden Eyecandy in Form der Jungschauspielerin Asami Mizukawa, die die erwachsene Ikuko spielen darf, gibt's zum Schluß des Streifens noch zu bewundern... aber das war's dann leider auch schon.
Keine Frage: "Dark Water" ist solide und routiniert gemacht - leider schon wieder etwas zu routiniert. Zwar ist der Streifen alles andere als schlecht, allerdings unterscheidet er sich wegen der altbackenen Motive und der sklavischen Berechenbarkeiten so gut wie überhaupt nicht vom Genredurchschnitt. Selbst der Gelegenheitscineast hat alle Zutaten dieser sich etwas dahinziehenden Suppe schon irgendwo anders einmal gesehen; wer also auf großartige Schockmomente hofft, wartet vergebens. Das Pseudo-Gruselmachwerk wurde leider von allen Seiten etwas zu sehr gehypt und bleibt ein Fall für wahre Fans. Weder schlecht, noch recht...

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