Lucia und der Sex. Der Titel verspricht einiges - und erfüllt die Erwartungen! Die erotischen Szenen des Films sind jedoch so poetisch umgesetzt, dass an Pornographie kaum zu denken ist. Man genießt, ohne sich schmutzig zu fühlen.
Lucia und der Sex. Der alte Gegensatz von wahrer, hingebungsvoller Liebe und reinem Sex. Heiß und doch gefühlslos, wie Elena es Lucia gesteht. Elena, die eine heiße Nacht mit Lorenzo verbringt, ist der Sex. Kühl, blond, die Nacht. Sie sucht ihren Lorenzo nicht, heiratet einen Mann, den sie nicht liebt, hat (wohl nicht nur) eine Affaire. Das Kind ihrer Liebesnacht mit Lorenzo nennt sie dementsprechend Luna - Mond! Klar, dass Luna nicht überleben kann.
Lucia ist heiß, dunkelhaarig, braungebrannt. Sie liebt die Sonne, die ihr die Liebe bringt. Sie opfert sich für Lorenzo, verlässt ihren Job gegen den Willen ihres Chefs, da sie befürchten muss, dass Lorenzo sich ein Leid antut. Lucia ist das Licht, der Sonnenstrahl, die Liebe.
Lorenzo blüht in Lucias Gegenwart auf, doch es gibt auch Nächte, in denen er schreibt. Schreiben als Therapie. Eine Therapie, um Elena - also Sex ohne Zuneigung - zu vergessen. Dies kann er nicht. Die Verführung lauert schon in Belén, dem Kindermädchen seiner Tochter Luna, deren Mutter Pornodarstellerin ist.
Als Lucia von Lorenzos Autounfall hört, glaubt sie, er sei dabei umgekommen. Sie flieht auf die Insel der Träume, auf der "niemand stirbt, wo der Mond so tief steht wie nirgends sonst auf der Erde". Dort trifft sie Elena. Und auf Lorenzo, der mitnichten bei dem Autounfall umkam, sondern nur in ein heilsames Koma fiel. Dieser muss sich nun entscheiden - zwischen Elena und Lucia. Aber auch die Sonne berührt die Erde auf dieser Insel der Träume fast.
Und für den Verlierer gibt es ja noch das Loch, durch das man wieder zur Mitte der Geschichte springen kann, um ihren Verlauf zu ändern.
Großartiges Kino. Nie waren Sexszenen erotischer und doch so frei von Pornographie. Und in seiner schwelgenden Musik, dem surrealen des Films gleicht er durchaus der fabelhaften Welt der Amélie! Der Film war in Spanien ein großer Erfolg - hierzulande leider nicht. Schade. Ansehen - unbedingt!!!