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April 1945: Der Zweite Weltkrieg neigt sich dem Ende, Deutschland wird den Krieg verlieren. Die Alliierten kämpfen auf deutschem Boden aber weiterhin gegen einen Feind, der seine letzten Reserven mobilisiert und nicht einmal ans Aufgeben denkt. Daher schweben die Männer einer amerikanischen Panzerbesatzung weiterhin bei jedem Einsatz in Lebensgefahr, wenngleich es ihrem Anführer, gespielt von Brad Pitt, seit Monaten gelungen ist, das Team am Leben zu halten. Als dann doch ein Toter zu beklagen ist, stößt ein neuer Soldat, gespielt von Logan Lerman, dazu, der kaum Kampferfahrungen vorweisen kann und es zunächst sehr schwer im eingespielten Team hat. Viel Zeit zum Akklimatisieren bleibt ihm jedoch nicht, da die Männer schnell von einem Einsatz in den nächsten geschickt werden.

Viele Filme, etwa „Der Untergang“ oder „Die Brücke“, thematisieren die letzten Kriegstage des zweiten Weltkriegs aus deutscher Sicht, in denen Kinder vom Regime an der Front verheizt wurden, um für eine verlorene Sache zu kämpfen. Dass die Alliierten nach dem verlustreichen D-Day, der u.a. von Steven Spielberg in „Der Soldat James Ryan“ unvergesslich eindringlich inszeniert wurde, nicht mal so eben einfach auf Berlin marschiert sind, sondern auch ihrerseits weiterhin große Verluste zu beklagen hatten, wurde in neuester Zeit jedoch kaum weiter thematisiert. David Ayer, der mit „End of Watch“ als Regisseur und Autor ein gewisses Talent unter Beweis stellen konnte, schließt mit „Herz aus Stahl“ diese Lücke und knüpft gewissermaßen historisch an die D-Day-Filme an. Dabei ist ihm ein durchaus sehenswerter Kriegsfilm gelungen, der sich mit den Klassikern des Genres aber nicht messen kann.

Ayer spielt die klaustrophobische Situation im Inneren eines Panzers immer wieder gekonnt aus. Zwar bietet das Kriegsgerät Schutz vor normaler Munition, auch vor Mienen und schwereren Geschossen, kann aber auch zur Todesfalle werden, wenn das Metall durchschlagen wird. In den besseren Momenten, etwa dann, wenn es drei amerikanische Panzer mit dem militärisch überlegenen deutschen Tiger-Panzer aufnehmen, erinnert die extrem angespannte, fast hilflose Situation im Inneren des Panzers an die ähnlich gespannte auf Wolfgang Petersens U-Boot in „Das Boot“. Die Atmosphäre ist in diesen sehr eindringlichen Kampf-Situationen unheimlich dicht, man kann Schweiß und Angst der fünf Männer in ihrem kleinen „Fury“ nahezu schmecken.

Überhaupt ist „Herz aus Stahl“ vor allem physisches Kino, das auch durch seine spannenden, hervorragend inszenierten Gefecht-Szenen überzeugt - auch dann, wenn diese nicht innerhalb des Panzers spielen. Dabei erweist sich, gerade auch beim finalen Einsatz in der Dunkelheit, Ayers Kniff, die damals verwendete Leuchtspurmunition tatsächlich auch als bunt leuchtende Geschosse zu inszenieren, als visuell sehr überzeugend. Mit dem hohen Maß an Brutalität, aber einem stets sehr distanzierten und kritischen Blick auf das sinnlose Sterben in den unmenschlichen Gemetzeln, enthüllt Ayer in und um die Action-Sequenzen herum aber auch die Fratze des Krieges, zeigt auch jenseits der Gefechte ernüchternde Bilder, schwer erträgliche Gewaltszenen. Im Kopf bleiben etwa die menschlichen Leichen, die unter den Ketten der Panzer in den matschigen Untergrund eingearbeitet werden.

Problematisch ist eher das, was zwischen den Kampfeinsätzen passiert, denn hier offenbaren sich die Schwächen eines Films, der mit einer besseren Story zu den Klassikern des Genres hätte aufschließen können. Da wird zum einen allzu undifferenziert das Klischee der unmenschlichen, brutalen SS bedient, während die übrigen Deutschen ja nur Mittläufer waren, wenngleich es dann am Ende ein SS-Mann ist, dem einer der Protagonisten sein Leben verdankt. Zum anderen stößt der an eine Vergewaltigung grenzende, alles andere als einvernehmliche Sex des Neulings der Panzerbesatzung mit einer jungen Deutschen sauer auf, da er vielmehr als unschuldiger Liebesakt inmitten der Kriegswirren dargestellt wird. Außerdem wird der Film in seinen letzten zwanzig Minuten, seinem übertriebenen Schlussakt, etwas zu patriotisch und heroisch, die Männer im Panzer, die zuvor eben nicht in ein allzu gutes Licht gerückt wurden, doch noch ein wenig zu sehr zu Helden verklärt.

Außerdem bleiben die Charaktere zu eindimensional. Der von „Walking Dead“-Darsteller Jon Bernthal gespielte Raufbold gewinnt ebenso kaum an Profil wie der von Michael Pena gespielte Latino in der Besatzung, wenngleich beide darstellerisch solide Arbeit leisten. Schade ist, dass der von einem durchweg überzeugenden Shia LaBeouf, der hier die beste Leistung seiner Karriere zeigt, verkörperte Soldat ebenfalls nicht tiefer konstruiert wird. Interessant wäre etwa gewesen, wie er als Mann des Glaubens mit dem Töten zurechtkommt, tiefere Gespräche kommen letztendlich aber nicht zustande. Die Panzer-Crew wird insgesamt als durch den Krieg verroht dargestellt, bereits am Anfang werden Soldaten gezeigt, bei denen die Gemetzel Spuren hinterlassen haben, die sich mitunter brutal und rücksichtslos benehmen, gegenüber den kapitulierenden Gegnern, aber auch gegenüber Zivilisten. In diesen Momenten kann Ayers Film meist wieder stärker überzeugen.

Und in dieses Team gerät dann der von Lerman ebenfalls überzeugend verkörperte Neuling, der zunächst mit der Verrohung der anderen, mit dem eingespielten Team, den Automatismen und Codes, nicht umgehen kann und mit den Brutalitäten, die er erlebt, genauso wenig. Leider bleibt auch diese Figur eher blass, weil man wenig über die Hintergründe erfährt, weswegen ihr Schicksal in letzter Konsequenz nicht wirklich zu fesseln vermag. Selbiges gilt auch für den Anführer der Gruppe. Man erfährt wenig über den Mann, der nach eigener Aussage Deutsche in Afrika, Frankreich, Belgien und nun Deutschland tötet, nur, dass er scheinbar Gefallen daran findet, besonders dann, wenn es sich um die verhassten SS-Leute handelt. Damit erinnert die Figur, ob gewollt oder ungewollt, des Öftern an den ebenfalls von Brad Pitt verkörperten Aldo Raine aus Tarantinos „Inglourious Basterds“. Für den Neuling in der Gruppe übernimmt er die Rolle eines Ziehvaters, der seinen Schützling in einer schwer erträglichen Szene zwingt, einen unbewaffneten Deutschen hinterrücks zu erschießen, weil er glaubt, dass der Junge ein Sicherheitsrisiko für ihn und seine Männer darstellt, wenn er sich nicht zum Töten überwinden kann. Gespielt wird er von einem meist grimmig dreinblickenden, aber überzeugenden Brad Pitt, der vor allem aufgrund seines Charismas und seiner Präsenz eine sehr gute und authentische Besetzung für diese Rolle ist.

Fazit:
„Herz aus Stahl“ überzeugt vor allem dann, wenn Klaustrophobie und Todesangst im Inneren des Panzers greifbar werden, in den spannenden Action-Sequenzen oder dann, wenn Ayer die Fratze des Krieges mit seinen schonungslosen Bildern enthüllt. Wirklich fesselnd ist „Herz aus Stahl“ aber nicht durchgehend, weil die Charaktere nicht an emotionaler Tiefe gewinnen. Zudem stößt sauer auf, dass Ayer seine Figuren am Ende doch noch zu Helden verklärt, nachdem er zuvor einen interessanten, kritisch-distanzierten Blick auf die im Krieg verrohten Männer geworfen hat. Sehenswert und durchweg unterhaltsam ist „Herz aus Stahl“ trotz seiner Schwächen dennoch.

70 %

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