30 Jahre nach seinem ersten Auftritt – und zwei vor seinem Tod – kehrte Anthony Perkins in die Rolle zurück, die ihn so berühmt gemacht hatte wie keine andere: In „Psycho IV – The Beginning“, einer TV-Produktion über seine Vorgeschichte, tritt er ein letztes Mal als Norman Bates auf. In einer von Rückblenden auf Kindheit und Jugend durchbrochenen Rahmenhandlung erzählt er einer Radiomoderatorin am Telefon seine Geschichte – und dass er in dieser Nacht erneut töten wird.
Mit dem vierten Teil erreicht die „Psycho“-Reihe glücklicherweise ihr Ende (die Vorbereitungen für einen fünften Film liefen bereits, wurden aber nach Perkins' Tod eingestellt), denn mit diesem billigen Nachklapp ist die Luft endgültig raus aus der düsteren Geschichte. Hier wird nur noch früherer Ruhm ausgeschlachtet, in Sachen Atmosphäre, Inszenierung, Story oder Schauspielkunst hat „Psycho IV – The Beginning“ selbst nicht wirklich was zu bieten.
Das ist schade, denn die Rahmenhandlung erweist sich anfangs als durchaus interessant: In einer spekulativen Psychologie-Radiosendung dürfen sich Muttermörder und Psychologen über dieses Thema auslassen, moderiert von einer durchaus taffen C. C. H. Pounder. Dass Bates dort anruft und seine eigene Geschichte mit dem Hinweis erzählt, dass er heute Nacht nach Jahren wieder töten wird, erzeugt eine ordentliche Dosis Spannung, die sich auch aus den moralischen Bedenken des Radiopersonals ergibt: Wie sollen sie reagieren? Wie können sie ihn in der Leitung halten, vielleicht herausfinden, wo er sich aufhält? Leider wird diese in Ansätzen interessante Handlung durch arg ausführliche und eher langweilige Rückblenden unterbrochen und bis kurz vor dem Finale weitgehend ausgebremst.
Natürlich ist das nicht überraschend, denn der Film will ja Bates' Vorgeschichte vor den Ereignissen des ersten Teils erzählen. Doch diese Vorgeschichte wird mit einem Höchstmaß an Dilettantismus ausgebreitet: Die Darstellenden sind mies, haben keinerlei Charisma und geben ihre Rollen viel zu willkürlich und unbedeutend. Allen voran Normans Mutter erweist sich als langweilig und klischeehaft. Aus der dämonisch-bedrohlichen Tyrannin, die man aus gutem Grund nie zu Gesicht bekommen hat, wird hier eine junge, hübsche Frau, die weder äußerlich noch in ihrem Verhalten die Bösartigkeit zeigt, die man stets mit ihr assoziiert hat. Dass sie zwischen inzestuöser Verführung (sie tollt mit ihrem Sohn halbnackt auf dem Boden herum, lässt sich von ihm mit Öl einreiben, ruft ihn nur mit Unterhose zu sich ins Bett, um sich an ihn zu klammern) und gemeinen Wutausbrüchen pendelt, wird maximal plakativ und mit billigster Küchenpsychologie ausgebreitet. Dass dabei allerhand Widersprüche zu früheren Erzählungen aus Normans Vorgeschichte auftauchen, etwa wann das Motel gegründet wurde oder seit wann er sich mit Taxidermie beschäftigte, ist ebenso zu beklagen wie die völlige Fehlbesetzung – seine Mutter wirkt kaum älter als er, und er selbst wird so blass und uninteressant verkörpert, dass von den dämonischen Abgründen seiner Seele, wie sie in den bisherigen Beiträgen mal offener, mal andeutungsreicher dargestellt wurden, nichts übrig bleibt. Hier ist Norman Bates nur ein blasser, langweiliger Junge, der mit monotonem Gesichtsausdruck durch die Gegend stolpert. Angst kann man vor diesem Bürschchen nicht entwickeln, selbst bei seinem ersten Mord nicht. Das ist eine wirklich ärgerliche Entmystifizierung dieser so gruseligen Figur.
Neben diesen Defiziten in Darstellendenleistungen und Charakterisierung wirkt auch die formale Inszenierung reichlich uninspiriert. Der Wechsel zwischen den Zeitebenen geschieht meist durch eher unoriginelle Überblendungen; Perkins hat die meiste Zeit nicht viel zu tun, außer am Telefon düstere Andeutungen von sich zu geben und sich mit betroffenem Gesichtsausdruck an seine Jugend zu erinnern. Der Score, der anfangs die berühmte Titelmusik wiederaufnimmt, verläuft irgendwann im Sande, Licht, Ausstattung, Kulissen bleiben Durchschnitt und können zu keinem Zeitpunkt ein Gefühl für die längst vergangenen Jahrzehnte entstehen lassen, in dem der Großteil der Handlung spielt. Erst das Finale im leerstehenden Mutterhaus kann dann wieder für ein paar Minuten Spannung sorgen, verärgert aber auch mit einem eher kitschigen denn dramatischen Schluss.
So erweist sich „Psycho IV – The Beginning“ als küchenpsychologisch platter, inszenatorisch billiger und eher mies gespielter Nachklapp zu einer der berühmtesten Serienkiller-Filmreihen. Es ist wirklich gut, dass damit endlich Schluss war, und ganz ehrlich – wer wirklich unbedingt eine Vorgeschichte für Norman Bates braucht, der ist mit der Serie „Bates Motel“ mit Freddy Highmore deutlich besser bedient als mit diesem verquasten TV-Machwerk.