Nach "30 Days of Night: Dark Days" führt uns Regisseur Ben Ketai mit seinem zweiten Film in ganz düstere Gefilde, denn es geht in eine verschüttete Kohlemine.
In dieser kommt die recht beklemmende Stimmung zwar gut zur Geltung, doch im Endeffekt wäre noch, nun ja, Luft nach oben gewesen.
Es sollte der letzte Arbeitstag vor dem Ruhestand für George (Jeff Fahey) werden, der an diesem Tag von seiner Tochter Sam (Kelly Noonan), einer Umwelt-Anwältin hinab begleitet wird. Doch während der Arbeiten stürzen die Wände ein, der Sauerstoffgehalt wird zusehends knapp und zu einigen Verletzten und Vermissten gesellen sich unerklärliche Geräusche, die von jemandem oder etwas stammen...
Das Sujet lässt es bereits vermuten: Das Werk ist nichts für Klaustrophobiker, denn die Enge einiger Gänge und das komplett fehlende Tageslicht ist sicher nichts für Menschen mit Platzangst. Nachdem die wesentlichen Figuren bei einer kleinen Feier eingeführt werden, geht es auch schon hinab und es dauert nicht lange, bis tragende Wände einstürzen und per Funk festgestellt wird, dass eine Bergung frühestens in 72 Stunden möglich sein wird. Eigentlich kein Problem, da die Rettungskammer erreichbar und intakt ist, Nahrung für mehrere Tage bietet und zudem mit Sauerstoffflaschen versorgt wird.
Doch mit den ersten Geräuschen von außen breitet sich ein ungutes Gefühl aus, zudem macht die Legende von einst verschütteten Minenarbeitern die Runde und dann werden auch noch die Sauerstoffflaschen demoliert. Lange Zeit ist nicht auszumachen, wer oder was für den Spuk zuständig ist, da zwar nach und nach Leute verschwinden und als verstümmelte Leichen wieder auftauchen, doch ein Killer ist weit und breit nicht zu sehen.
Eine Weile lebt die Erzählung von der Tatsache, dass sie vage auf realen Begebenheiten beruht und insofern ist auch nachzuvollziehen, wie rasch sich Gemüter bei mangelndem Sauerstoff, totaler Beengtheit und schwachen Lichts verwandeln.
Allerdings hätte man die Launen einzelner Individuen weitaus drastischer ausleben dürfen, da das Konfliktpotenzial nie ganz ausgereizt wird und die letzten Überlebenden im Endeffekt doch zusammenhalten.
Die weitgehend souverän geführte Kamera unterstreicht die Stimmung recht gut und bleibt immer dicht bei den Figuren, der zurückhaltende Score ist wohltuend, während die Mimen treffend besetzt sind und jeder innerhalb seiner Rolle zu überzeugen weiß.
Besonders positiv sticht das Make-up hervor, da die Verschmutzungen im Gesicht natürlich zunehmen und sich allerlei Blut und Gekröse im Verlauf hinzugesellen. Auch die wenigen "Verwandlungseffekte" sind gelungen, nur bilden diese eben die Ausnahme innerhalb der wenigen Schreckensmomente.
Natürlich ist innerhalb einer gängigen Mine nicht viel Raum für Überraschungen oder gar unerwartete Wendungen, doch im letzten Drittel geht dem Stoff im wahrsten Sinne des Wortes die Puste aus und die letzten zehn Minuten ergeben verlaufstechnisch keine neuen Erkenntnisse mehr, was im Hinblick auf die gegebenen Möglichkeiten ein wenig schade ist.
Wer es zwischenzeitlich gerne mal ein wenig beengt mag, könnte als Freund von Höhlen und engen Räumlichkeiten einen Blick riskieren, wer reinrassigen Horror erwartet, sollte sich allerdings eher auf einen Survival-Thriller einstellen.
5,5 von 10