Review

1993 feierte Regisseur John Woo sein US-Debüt, und was für eins. Mit Jean-Claude Van Damme ist dieser Actionkracher einfach exzellent besetzt.

Ein paar Millionäre vertreiben sich die Freizeit mit einem ganz speziellen Sport. Und zwar Menschenjagd. Veranstalter dieser skrupellosen, mordernden und rein an Profitgründen interessierten Organisation ist Fouchon (Lance Henriksen) und sein Gehilfe Pik Van Cleaf (Arnold Vosloo). Dieses Mal haben sich beide New Orleans als Schauplatz des Geschehens ausgesucht.
Bei diesem perversen Todesspiel sind die Gejagten meist obdachlose Kriegsveteranen, die keinerlei Angehörige mehr haben. Einer der Gejagten ist Douglas Binder (Chuck Pfarrer).
Als seine Tochter Natasha Binder (Yancy Butler) kein Lebenszeichen mehr von ihrem Vater erhält, macht sie sich auf die Suche nach ihm.
Dabei stößt sie auf den Outlaw Chance Boudreaux (Jean-Claude Van Damme) und bittet ihn um Hilfe.
Trotz vorzeitiger Ablehnung, stimmt Chance doch letztlich zu, gegen Bezahlung Nachforschungen über die tatsächlichen Hintergründe von Natasha´s Vater herauszufinden.
Dabei werden beide selbst zur Zielscheibe von den Jägern.

Natürlich ist der Plot nicht wirklich innovativ, aber für einen Actionfilm reicht er durchaus aus und bietet mal was Neues. Zwar hat man schon in den 80ern mit dem Film „Night Hunter“ (Orig. „Avenging Force“) mit Michael Dudikoff dasselbe Szenario geboten, doch hier wurde es von John Woo mit weitaus mehr Tempo und Drive inszeniert.
Die erste Hälfte des Films dient dazu Hinweise über den Verbleib von Natasha´s Vater zu entschlüsseln. Diese Momente ziehen sich etwas über den Film. Das fällt vor allem beim mehrmaligen Sehen auf. Interessant wird es wenn der Film die Abwicklung in Fouchon´s menschenverachtenden Organisation zeigt, z.B. was er und sein Partner für einen Lebensstil führen, wie sie Neukunden erwerben, ihnen die Regeln erklären und was der gesamte Jagdpass inkl. Beseitigung der Leichen kostet. Zudem sehen sie die Auserwählten und gejagten Menschen als eine Art Siegertrophäe an, die man erst nach Vorauszahlung und erbrachter Leistung bekommt. Solche Szenen untermalen noch zusätzlich die Skrupellosigkeit der Veranstalter.

Wie schon erwähnt bringt die Story frischen Wind, in die sonst so üblichen Actioner, auch wenn sie keinerlei Überraschungen bietet und der Zuschauer größtenteils das Nötigste schon in den ersten Minuten weiß.
Somit spielt sie auch nur die zweite Geige und tritt ab Mitte des Films total in den Hintergrund. Denn die zweite Filmhälfte besteht nur noch aus Action und nochmals Action.
Dabei konzentriert sich John Woo auf das was er am besten kann, nämlich die Inszenierung von Actionszenen. Und diese sind bombastisch und schon referenzverdächtig. Es kommen eine Vielzahl von Waffen vor. Von einer Shotgun bis zu einer 9mm und einem wirklich tödlichen Pfeilgewehr ist im Film alles vertreten. Die Zeitlupensequenzen sind nahezu perfekt in den richtigen Momenten eingefangen und sind 1A gedreht. Dabei beweist Woo wieder mal viel Fingerspitzengefühl und schafft es die Balance zwischen Slow Motion Szenen und dem Wechseln der verschiedenen Kameraperspektiven sauber in den Film einzufügen und so die passenden Bilder dem Zuschauer zu servieren.
Die Shootouts sind ultrahart und ziemlich blutig, aber doch sehr realitätsfremd, sind aber als Stilmittel bei Woo Filmen mittlerweile schon Pflicht. Darüber hinwegzusehen ist das Van Damme seine Beretta nicht allzu oft nachlädt und somit unendlich viel Schuss Munition hat.
Bei den Stunts gibt es eine Vielzahl von Verfolgungsjagden: z.B. mit dem Motorrad und Autos durch die Stadt, ein kurzer Abstecher in die Sümpfe von New Orleans, und schließlich der Showdown in einer stillgelegten Lagerhalle.
Alles Szenen sind absolut fantastisch gedreht und schon ein Augenschmaus für den Actionfan. Denn jede noch so kleine Actionszene, sei es Shootout oder Explosion ist mit viel Liebe zum Detail umgesetzt worden. Der Showdown in der Lagerhalle lässt den Bodycount noch mal um einiges in die Höhe steigen. Dabei dürfen die von John Woo oft so beliebten weißen Tauben natürlich nicht fehlen.
Die Fights von Van Damme sind hier sehr akrobatisch und gehören wohl zu den besten von dem Belgier, dazu ballert er sich beidhändig durch eine Vielzahl von Gegnern.
Für diese Art von Actionfilm sind die Schauspieler gut gewählt, auch wenn man keine überragenden Leistungen erwarten sollte sind sie doch zufriedenstellend.
Jean-Claude Van Damme kickt, boxt, ballert und springt hier die ganze Zeit über des Films als Chance Boudreaux durch die Gegend und präsentiert sich dabei in Topform, wie man es danach auf derartigem hohen Niveau von dem Belgier nie wieder zu sehen bekam. Dabei schafft er es sogar in den eher ruhigen Momenten gegen Anfang des Films so etwas wie ein wenig Mimik zu zeigen. Auch hat er hier einige richtig gute Oneliner drauf, die einfach zur jeweiligen Situation passen. Ganz klar absolute Top-Leistung von ihm.
Yancy Butler´s Charakter Natasha Binder ist doch eine von diesen typischen Frauenrollen in Actionfilmen. Irgendwelche kleinen Schläger machen sich an sie heran und prompt muss sie vom titelgebenden Helden Van Damme gerettet werden. In einigen Szenen verhält sie sich schon etwas naiv, auch wenn das wohl vom Drehbuchautor auch so gewollt war.
Lance Henriksen und Arnold Vosloo sind einfach ein tolles Gespann und geben geniale skrupellose Bösewichte ab. Jede noch so kleine Szene mit beiden sind absolute Highlights, und das während des gesamten Films.
Vor allem Henriksen´s tödlicher Killerblick ist zum Fürchten.

Hammermäßiger Actioner mit abwechslungsreicher Story, gepaart mit knallharten und blutigen Shootouts, dazu ein Van Damme der ordentlich austeilt und zwei erstklassigen Bösewichtern. Was will man eigentlich mehr? Vielleicht eine etwas straffere Inszenierung und bessere Verteilung der Actionszenen in der ersten Hälfte.
Trotz dieses Minimalpunktes ist „Harte Ziele“ eine Offenbarung für den Actionfan. Kann man immer wieder anschauen.

Mein Lieblingsspruch zum Film, der auch die Frontseite meiner UK-DVD schmückt: „Don´t hunt what you can´t kill!“

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