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Inszenatorisch ist „Hard Target“ durch und durch ein John Woo-Film. Jede Menge Zeitlupen, weiße Tauben, die simultane Benutzung von 2 Kanonen, das Rücken-an-Rücken-Spiel, eingefrorene Bilder, Spiegel-Effekte usw., alles die Markenzeichen, wie man sie vom unumstrittenen Meisterregisseur des Action-Genres kennt und liebt, kommen in diesem hochgradig professionellen Unterhaltungsreißer mehr als genug zum Einsatz. Sogar der hohe Blutgehalt, der Woos frühere Werke auszeichnete, ist hier noch uneingeschränkt vertreten und beweist, dass der starke Einfluss auf seine Arbeit von Seiten der Produzenten, der in „Mission: Impossible 2“ gipfelte, hier noch nicht akut war. Denn Woos US-Debüt sollte gleichzeitig auch seine letzte amerikanische Filmproduktion sein, die noch den Härtegrad seiner Klassiker aus Hong Kong hat. Traurig, aber wahr, wie bereits der als nächstes erschienene und deutlich schwächere „Broken Arrow“ zeigte, wo die Gewaltschraube schon um einiges runtergedreht wurde. Somit ist „Hard Target“ die einzige Möglichkeit, in den Genuss eines John Woo-Films zu kommen, der sowohl sehr blutig ausfällt als auch vor schauprächtiger Kulisse gedreht wurde, und daher ein wichtiges Werk, für Woo und noch viel mehr für Jean-Claude Van Damme. Obwohl der belgische Spagatmann sein bekanntestes Markenzeichen in „Hard Target“ nicht anbringen durfte (würde zu seiner Rolle auch gar nicht passen), wurde er nie zuvor oder danach wieder so perfekt in Szene gesetzt. Aus seinen Kampfkünsten, einem stattlichen Arsenal effektivster Handfeuerwaffen, zahlreicher Autos, Motorräder und weiterer „Vehikel“ zaubert John Woo ein Wahnsinnsactionfeuerwerk aus harten Nahkampfduellen, blutigsten Schießereien, spektakulären Verfolgungsjagden und einer kleinen Prise Humor, was seinen Weltruf wieder einmal bestätigt. Vergleichbares findet man außerhalb von Woos Filmografie nur sehr selten.
Die vortreffliche Besetzung gibt dem Geschehen zusätzliche Würze, was eine ganz besondere Überraschung darstellt, da man von einem Van Damme-Film auf schauspielerischer Ebene ja nichts erwarten darf. Zum einen lässt Van Damme erstmals ansatzweise so etwas wie Mimik erkennen, obwohl von einer „schauspielerischen Leistung“ trotzdem noch lange nicht die Rede sein kann und er aufgrund des fehlenden Charisma so oder so nicht an Chow-Yun Fat herankommen würde. Für seine Verhältnisse ist diese Darbietung allerdings fast so beeindruckend wie die der beiden Gegenspieler, womit wir bei der anderen Seite wären. Lance Henriksen, der eindeutig überragende Darsteller in „Hard Target“, dürfte mit seiner grandiosen Vorstellung sicher zu den absoluten Top-Bösewichtern zählen, die je in einem Film zu sehen waren. Auch Arnold Vosloo überzeugt voll und ganz in seiner Rolle, erreicht jedoch, passend zu der Tatsache, dass er auch eher zweite Geige spielt, nicht die Skrupellosigkeit, mit der Henriksen seine Figur versieht. Die sonstigen Akteure zeigen keine erheblichen Schwächen und verkörpern ihre Rollen weitestgehend passabel bis leicht überdurchschnittlich.
Trotz all dem ist bei „Hard Target“ aber auch Negatives an zu merken. Bedingt durch das recht maue Drehbuch muss man auf emotional fesselnde Momente und intensive Charakterstudien, für die Woos Filme meist noch bekannter sind als die Actionszenen, leider verzichten. Die einzigen Personen, die etwas genauer beleuchtet werden, sind Boudreaux (Van Damme) und Natasha (Yancy Butler), und selbst diese flachen im Vergleich zu denen eines Machwerks von Woo aus alten Zeiten deutlich ab. Um ein paar etwas gefühlvollere Einlagen bemüht sich Woo nur zu Anfang, mehr gibt die Story nun mal nicht her. Da „Hard Target“ aber actionmäßig und schauspielerisch Spitzenklasse ist, fällt es wirklich nicht schwer, dem Film besagte Mängel zu verzeihen. Besser hätte man es bei der Handlung kaum machen können.

Fazit: Fulminanter Hollywood-Auftakt von John Woo, der Van Damme hiermit seinen besten Film bescherte. Außer „Face/Off“ auch für Woo sein bester US-Film, natürlich nicht vergleichbar mit einem Meisterwerk wie „The Killer“.

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