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Eine Gruppe skrupelloser Geschäftsleute veranstaltet für ein paar gelangweilte Millionäre Hetzjagden auf Obdachlose, bis sie schließlich einen ehemaligen Elitesoldaten töten, dessen Tochter zusammen mit einem Hafenarbeiter, gespielt von Jean Claude van Damme, zu viele Fragen stellt, bis die beiden schließlich selbst in das Visier der Killer geraten.

John Woo ist mittlerweile einer der bekanntesten und besten Action-Regisseure weltweit und hat vor allem mit "Operation: Broken Arrow", "Mission: Impossible 2" und "Im Körper des Feindes" sein Talent beweisen können. Und nachdem er in Asien zu einem gefeierten Regisseur aufstieg ist dies sein Einstand in Hollywood ...und was für einer! Auch wenn sein Budget gerade einmal 15 Millionen Dollar betrug veranstaltet er ein Action-Feuerwerk, das viele andere Regisseure mit 100 Millionen nicht auf die Reihe bekommen hätten. Dabei setzt er seinen Hauptdarsteller und vor allem dessen kampftechnische und choreografische Fertigkeiten mit verschiedenen Perspektiven und optisch sehr stark gelungenen Zeitlupen nahezu perfekt in Szene. Van Damme hatte nie wieder das Glück mit einem solch fähigen Regisseur zu arbeiten. Die Action-Szenen sind auch ansonsten sehr gut und teilweise sehr aufwendig gemacht und da eine Action-Sequenz die nächste jagt ist der kurzweilige Action-Streifen allein deshalb schon gelungen. Musik und Kulisse erinnern an diverse Western-Klassiker, Woo wollte den Film wohl möglichst amerikanisch machen, aber alles in allem passt dies ganz gut. Das Erzähltempo hält er glücklicherweise sehr hoch, damit die dämliche Story nicht nervt, stellenweise gelingt ihm eine ganz brauchbare Atmosphäre und, was ich persönlich als überaus angenehm empfinde, er erspart dem Zuschauer eine billige und aufgesetzte Love-Story und so ist "Harte Ziele" einer der besten Action-Filme seit Langem, auch wenn sämtliche Gags, sie Woo einbaut, absolute Rohrkrepierer sind.

Jean Claude von Damme hat in seiner Karriere dutzende miserable Action-Filme wie "Street Fighter" und "Leon" auf die Filmsszene losgelassen und das hier ist definitiv sein bester Film. Er zeigt, dass er hervorragend Kämpfen kann, dass er sich beim Bodybuilding ganz schön angestrengt hat und, dass mit Waffen umgehen kann, aber das war's dann auch, denn darstellerisch wirkt der Materiel-Arts-Darsteller überaus blass. Einmal mehr guckt van Damme über die volle Laufzeit todernst in die Kamera, versucht möglichst cool zu wirken und ist in emotionaleren Szenen, z.B. wenn sein Onkel schwer verletzt wird mit seinem winzigen schauspielerischen Repertuar hoffnungslos überfordert. Yancy Butler spielt ein bisschen besser, aber auch sie wirkt hier und da überfordert und zeigt, dass sie vollkommen zu Recht nach "Harte Ziele" und "Drop Zone" wieder in der Versenkung verschwunden ist. Lance Hanrisken und Arnold Vosloo machen sich als Bösewichte und Sadisten wesentlich besser.

An der Story darf man sich, wie bei allen anderen van Damme-Filmen nicht stören, wobei ich es als überaus angenehm empfinde, dass Woo erst gar nicht versucht eine Story mit mehr als drei Wendungen auf die Leinwand zu bringen und, dass man sich auf diese flache Story beschränkt und diese möglichst gekonnt auf die Leinwand bringt. Das ganze ist absolut stereotyp und vorhersehbar und so etwas wie Charakterkonstruktion, Einfallsreichtum und Tiefe gibt es gar nicht, aber wie gesagt, bei dieser Wahnsinns-Action lassen sich diese Defizite leicht verkraften, zumal der Story im Film kaum Raum eingestanden wird.

Fazit:
Bei der flachen und überschaubaren Story und dem eher mäßigen Cast bedurfte es eines richtig guten Regisseurs, der "Harte Ziele" doch noch rettet und mit John Woo war definitiv der richtige Regisseur im richtigen Film. Mit hervorragenden Action-Szenen non stop und einem irren Tempo ist dies der definitiv beste Film, den van Damme je auf den Markt brachte. Für Fans des Genres ein Genuss, aber auch sonst empfehlenswert.

79%

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