Review

Nach ihrem Durchbruch mit „Speed“ war es für Sandra Bullock („Practical Magic“, „Miss Congeniality“) ein Leichtes verheißungsvolle Hauptrollen zu ergattern und in der Tat hört sich „The Net“ auf dem Papier auch gut an. Leider versteht Produzent und Teilzeitregisseur Irwin Winkler („At First Sight“, „Life as a House“) nicht das Drehbuch entsprechend packend umzusetzen.

Mitte der Neunziger war das Internet noch längst keine solche Verständlichkeit wie heute. Deswegen war es auch nicht sonderlich schwierig damit Zukunftspessimismus zu säen. Der Angst vor dem Fortschritt, der totalen Datenerfassung auf Speicherbausteinen, die sich zur Manipulation, vor allem in den Kindertagen des Internets, nur so anboten, war allgegenwärtig. „The Net“ passte zum Zeitgeist und wirkt wohl gerade deswegen doch so reichlich überholt.

Angela Bennett (Bullock, abgestraft mit einer grausamen, deutschen Synchronstimme) hat sich längst mit der neuen Technik angefreundet, ist eine Meisterin auf ihrem Gebiet, aber auch gleichzeitig ein Sammelsurium üblicher Hackerklischees: verschroben, menschenscheu und gern isoliert lebend, ohne am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Das soll sich ändern, als sie eine Diskette erhält, mit der sie Zugriff auf skandalöses, hochbrisantes Material erhält, das finstere Hintermänner gern unter Verschluss gehalten hätten. Um ihrer Habhaft zu werden, löschen sie ihre Identität aus und ersetzen sie durch das Profil einer Kriminellen. Wie also nur die Wahrheit beweisen, wenn alle Bekannten bald tot sind und man sich auf der permanenten Flucht befindet?

Wie der armen Angela das Leben unter den Füßen weggezogen wird, ohne dass sie überhaupt weiß warum, wurde zwar konsequent umgesetzt (Wohnung Weg, Name weg, alles weg..), dafür offenbaren sich dabei einige Fragen (Stichwort: Nachbarin), die das Drehbuch später leider nicht beantwortet.

„The Net“ hat seine starken Momente, wenn sich jemand vor die Tastatur klemmt, durch Systeme hackt und unter Zeitdruck Hinweise sucht. Angela tappt lange im Dunkeln, enthüllt dafür Unglaubliches und kann wieder ein Leben führen. Doch bis dahin ist ein langer Weg um dem Skript fällt dazu wenig ein. Viel zu lange benötigt der Plot um richtig in Fahrt zu kommen. Anstatt einer spannungsgeladenen Dauerhetzjagd auf die regelmäßig in Bedrängnis geratende Angela, gönnt man ihr sehr viele Pausen zum Durchatmen. Eine omnipräsente Bedrohung, die man bei so einer Prämisse mit dunklen, mächtigen Hintermännern ja erwarten sollte, wird nie spürbar. Überdies stellen sich ihre Verfolger teilweise auch recht dämlich an und verpassen ein ums andere Mal den Zugriff. Abseits des PC-Bildschirms gibt es jedenfalls nur ein paar wenige Verfolgungsjagden zu Fuß oder mit dem Auto, den Rest der Zeit frisst die zu lange Exposition und der bärtige Ex, der mit der Lage etwas überfordert zu sein scheint.


Fazit
Letztlich stellt sich „The Net“ nicht als so unglaublich packend heraus, dass die Idee drei Jahre später, wenn auch nicht für lange Zeit, nochmal unbedingt in Serie gehen musste. Irwin Winkler inszeniert dafür zu konservativ und bieder und scheint gar nicht fähig einen, fesselnden, ergiebigen Thriller zu liefern. Dazu mangelt es dem Film vor allem an Tempo. Die Datenmanipulation mag damals noch ein heißes Eisen gewesen, gehört heute aber längst zum Alltag weswegen der Zahn der Zeit auch schon deutlich an dem Film nagt. Sandra Bullock meistert ihren Part solide, aber die große Schauspielerin war sie ja auch noch nie. So prall war es echt nicht...

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