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Sich zu lange auf zu bewährten Stoffen und Mitteln auszuruhen, war sicher nicht der entscheidende Grund, dass Ende der Neunziger die ehemalige Hochphase der Philippinischen Actionfilme ihr absehbares, angekündigtes Ende nahm, aber mit einer der Prämissen. Auch anderswo, speziell natürlich in Hong Kong und deren ebenso jahrelange Vorreiterrolle wurde der Thron der Spitze an die alles globalisierenden Traumfabriken aus Hollywood übergeben und der Geschmack auf die Masse vereinnahmt. Dass man sich bis dahin aber relativ strikt nur an Routinen und längst vorhersehbaren Strukturen hielt, dürfte allerdings sein Scherflein zum Untergang mit beigetragen haben. Erneut steht hier und mit dem Titel bereits wie als offenes Buch dargelegt, die Biographie eines (vermeintlichen) Recken der nationalen Polizei und Politik im Mittelpunkt des Geschehens und seine seltsame Denkweise dargelegt anhand von diversen Episödchen mit viel Gattungsaffinität gleich mit. Salut im Publicity-Scheinwerferlicht:

Seit 1971 und der Ausbildung bei Metropolitan Command Intelligence and Security Group (MISG) angestellt, ist Panfilo 'Ping' Lacson [ müde und ohne Schnurrbart: Rudy Fernandez ] mitverantwortlich für das Stellen und Beseitigen von Kriminellen; eine Tätigkeit, die er und sein bester Freund und Partner Rivera [ Herbert Bautista ] mit Eifer und Herzblut und unter den neidischen Blicken des missgünstigen Kollege Velayo [ Ricky Davao ] ausüben. Während in den Anfangsjahren der junge Cop noch zeit für ein Techtelmechtel mit der Sängerin Rowena [ Glydel Mercado ] hat, gilt alsbald das Hauptaugenmerk auf der Verbrechensbekämpfung und ansonsten nur noch die Ehefrau Alice [ Lorna Tolentino ]. Die Wege der steilen Karriere nach oben führen ihn über die Provinzen Isabela und Cebu und final an den malerischen Laguna de Bay, wo er auf den lokalen Gangsterboss Mendez [ Gamaliel Viray  ] und dessen heimische Schutztruppe trifft.

Lieber die Geschichtsbücher gewälzt, die Schlagzeilen der Nachrichten quergelesen und die Fantasie von Abenteuern zurecht gedacht als selber um eine Dramaturgie gemüht; diesen Eindruck macht zumindest das screenplay von Willy Laconsay und somit die Vorlage für die Regie von Toto Natividad. Ein eingespieltes Team, dass seit 1998 für Kollaboration und entsprechenden Nachschub im Genre, so auch für die weiteren Werke dieser nachziehenden Ära wie Notoryus (1998), Suspek (1999), Palaban (1999), Ex-Con (2000), Col. Elmer Jamias: Barako ng Maynila (2000) und dem hiesigen Porträt Verantwortlichkeit sowie folgend mit der TV Serie Lumayo ka man sa akin (2012) noch den finalen Absturz zeigt.

Super Cop gibt dabei vor, die Geschichte von Panfilo „Ping“ Morena Lacson, Sr. zu erzählen, einem früheren Polizisten und späteren Senatsmitglied, dessen Karriere angefangen von der Ausbildung zum Offizier der Philippine Constabulary bis zum Produktionszeitraum betrachtet wird. Das Problem stellt dabei nicht der Fakt dar, dass die 'Handlung', also das Leben des Porträtierten und der Tribut an den Heroen mit der Produktion des Filmes zur Jahrtausendwende eben noch nicht zu Ende, sondern mit mehreren einschneidenden und entscheidenden Geschehnissen noch am Laufen ist. [Mordvorwürfe, Verzicht auf Kandidatur zu Präsidentschaftswahlen, Landesflucht mit Interpolfahndung etc. kam alles noch im Anschluss, wobei dies 'Exil' selber Juli 2012 als weitere Verfilmung angekündigt wurde. Die Rechte an dieser Biographie gingen für knapp 160.000 USD an Lacson über den Tisch] Das Problem ist die Größe des Themas und die Winzigkeit der Betrachtung, die einem vergleichsweise preiswerten B - Actionfilm mehr ähnelt als der Suche nach Sachverhalt und Ausleuchtung der Umstände an sich.

Da man fast 30 Jahre nicht im Detail betrachten kann, geht man den Weg der Rückblende und widmet sich einzelnen Ereignissen und vielen Zeitsprüngen, die durch Texttafeln bekannt gegeben werden, und ansonsten im jeweils unterschiedlichen Jahr oder gar Epoche darüber hinaus keinerlei Anwendung finden. So wird zwar die Lokalität oft gewechselt, und die Chronologie fortlaufend auch, Zeichnung von Milieu, Land und Leute oder wenigstens der der Zeit selber nicht. 1971 sieht im Grunde so aus wie 1986 und auch in den Neunzigern das hiesige Passieren; da altert und wächst das Land und auch die Personen nicht. Schade ist dieser fehlende Willen zum wahrhaften Hineinversetzen in die Periode mitsamt Dekoration, Kostüm, Kulisse insofern, als dass auch die mitgeschleiften Aufhänger durchaus Neugier erwecken und Sensationslust und Showbiz gleichzeitig bereitstellen. Der Protest und Aufstand der Diliman Kommune wird erwähnt, die Entführung von Robina Gokongwei, das Attentat auf Benigno Aquino, Jr., all dies verkommt zu einem spektakulären und spekulativen Rahmen, der erstaunlich mühsam mit ein paar halbgaren Schießereien, etwas Konkurrenzneid unter den Alphamännern in Uniform und der üblichen Ein Mann / Zwei Frauen - Problematik gefüttert und nicht wirklich gefüllt wird.

Um tatsächlich Spannendes verlegen, werden zumindest ein paar Shootouts in die Szenerie eingebunden, Verfolgungsjagden über die Wellblechdächer von Slumvorbauten, ein drive-by, die Geiselbefreiung in wilder Cowboymentalität, der man sowieso huldigt statt sich jetzt noch verspätet um Anspruch der Realität zu bemühen. Viel Gebrüll, Gestürme und Gepresche im trivialen, testosterongesteuerten Stil, ohne Taktik und Deckung, dafür mit zuweilen zittriger Kamera, die den Genuss des wilden Kugelhagels auch noch zerstören.

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