Review

kurz angerissen*

Denzel Washington ist - Der Equalizer! Wer dieser Mann wirklich ist? Diese Information wird von Antoine Fuqua bewusst zurückgehalten und seine offensichtliche Tarnidentität als Baumarktmitarbeiter geradezu süffisant betont. Der Vergleich zum stilistisch ähnlich gearteten "Jack Reacher" ist derweil schnell gezogen, mit einem entscheidenden Unterschied allerdings: Als Romanverfilmung griff dieser auf einen deutlich komplexeren Plot zurück. "The Equalizer" wiederum basiert auf einer 80er-Jahre-TV-Serie und wird von Fuqua - der Ursprungszeit angemessen - so einfach und reaktionär wie nur irgend möglich umgesetzt. Es geht lediglich um ausgleichende Gerechtigkeit, um Verhältnisse, die ins rechte Licht gerückt werden sollen. 130 Minuten sind eine Menge Holz für einen innovationslosen Racheplot, der nicht einmal die Hintergründe der Hauptfigur aufdeckt oder ihre Motivation herausarbeitet. So kann der Eindruck entstehen, die ganz auf Washington zugeschnittene One-Man-Show saufe streckenweise im Leerlauf ab, denn punktuelle Actionhöhepunkte mit Neo-Holmes'schen "Situations-Scans" werden gerahmt von sorgfältigen Hinarbeitungen auf diese Höhepunkte.

Mit dieser Methodik gelingt es Fuqua natürlich vortrefflich, die Synapsen aller Rachethriller-Fans zum Glühen zu bringen. Aufgestaute Wut, die sich ob des zügellosen Treibens düsterer Unterweltsgestalten zur grimmigen Gewitterwolke zusammenrottet, richtet das Publikum schnell auf Robert McCalls Widersacher, während er selbst einen wesentlich kühleren Kopf behält als jene, die ihm die Daumen drücken. Die hierfür notwendige Coolness beherrscht Washington nach wie vor aus der lockeren Handbewegung heraus. Gebündelt mit der angedeuteten Altersweisheit und -Einsamkeit gelingt dem Hauptdarsteller damit eine durchaus fesselnde Variante eines absoluten Archetypen des Kinos, des klassischen "Lonesome Riders". Marton Csokas auf der Gegenseite profitiert ebenso sehr von der konsequenten Schwarzweißmalerei Fuquas, denn er darf als fiese Drecksau ziemlich vom Leder ziehen, ohne dass dies unangemessen erschiene. Nur Chloë Grace Moretz leidet ein wenig unter ihrer klischeehaft angelegten Rolle (insbesondere im aufgesetzten Epilog), wird aber mit der konsequenten Linie des Regisseurs im Mittelteil des Films zu Recht völlig aus dem Spiel genommen, was das Gefühl verhindert, man wolle den Zuschauer in regelmäßigen Abständen daran erinnern, für wen hier gekämpft wird.

Wenn zu Beginn des Films ein Mark-Twain-Zitat vorangestellt wird, wenn McCall von seinen Büchern erzählt, wenn der Bösewicht seinen Widersacher gegen Ende voller Verzweiflung und Faszination fragt, wer er eigentlich ist, in diesen Momenten stimmt Fuqua eine Art philosophischer Reflektion an, die den insgesamt doch arg langen Anlauf zwischen Explosionen, Schussduellen und Fallenstellereien rechtfertigen würde, doch spielt er sie niemals richtig aus. Zu oft erliegt er dann doch dem Reiz von Aktion und Reaktion und den Klischees, die damit einhergehen. Und doch sind McCalls Gegenschläge allerhöchste Genugtuung.
(6.5/10)

*weitere Informationen: siehe Profil

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