"In dieser Welt muss man sein, wer man ist."
Robert McCall (Denzel Washington) ist ein zurückhaltender Menschenfreund. Er arbeitet tagsüber in einem Baumarkt, hilft seinem Kollegen Ralphie (Johnny Skourtis) bei der Vorbereitung für die Prüfung bei einem Security Service und verbringt den Abend und die Nacht in einem Diner, wo er der sehr jungen Prostituierten Teri (Chloë Grace Moretz) stets ein Ohr leiht und ihr gut zuredet. Als Teri von dem russischen Zuhälter Slavi (David Meunier) so heftig verprügelt wird, dass diese auf der Intensivstation landet, versucht McCall sie freizukaufen. Slavi lehnt das Angebot allerdings ab. Somit bedient sich McCall drastischerer Maßnahmen und bringt ihn sowie seine Handlanger um. Lange dauert es nicht, bis dieser Vorfall bekannt wird und die Russenmafia den Soziopathen Teddy (Martin Csokas) vor Ort schickt.
"The Equalizer" ist nicht die erste Zusamenarbeit zwischen Regisseur Antonie Fuqua ("Olympus Has Fallen - Die Welt in Gefahr", "King Arthur") und Schauspieler Denzel Washington ("Flight", "The Book of Eli"). Im Jahre 2001 entstand bereits der überaus clevere Cop-Thriller "Training Day" mit der Beteiligung von Beiden. Somit gibt es bereits eine gewisse Grund-Erwartungshaltung gegenüber dem neuen Film, der zwar in eine ähnliche Kerbe schneidet, aber dann doch eine andere Richtung einschlägt.
Basierend auf der gleichnamigen Serie aus den 80ern steht auch hier der Protagonist für Gerechtigkeit und Ausgleich. Bis die erwartungsgemäß folgende Selbstjustiz allerdings auch die Handlung bereichert, dauert es eine Weile. Zunächst beschäftigt sich "The Equalizer" mit seiner Hauptfigur und dessen sozialen Verbindungen, lässt seine Identität jedoch noch länger unausgesprochen.
Besonderheiten finden sich hier nicht. McCall ist ein lieber Hüne, wie er im Buche steht und der scheinbar keiner Fliege etwas zuleide tun könnte. Als strenger, aber herzensguter Ausbilder bringt er seinem Kollegen das Handwerk eines Sicherheitsmanns und den Kern der amerikanischen Philosophie bei. Und auch gegenüber gesellschaftlich nicht besonders beliebten Gruppen ist er aufgeschlossen.
Die Interaktion zwischen dem Protagonisten und den Nebenfiguren ist überaus zweckdienlich. Bedeutet: An Tiefe gewinnen sie nicht, treiben allerdings die Handlung voran. Es ist also nicht verwunderlich, dass scheinbar wichtige Figuren nach Beginn dann doch sehr lange Zeit keine relevante Bedeutung mehr haben.
Besser dagegen funktionieren die Dialogduelle zwischen Heldem und Schurken. Brisant und spannend sind diese aufgebaut, stets darauf bedacht keinen von Beiden als Sieger hervorgehen zu lassen. Dies soll schließlich das Finale ermitteln.
Oberflächlich betrachtet ist "The Equalizer" nur ein zweckdienlicher Thriller wie jeder andere auch. Seine besondere Intensität bekommt er allerdings durch die brachialen Action-Choreografien, in denen McCall stets übermenschliche Fähigkeiten zugeschrieben werden.
Dies beginnt bei dem Inspizieren seiner Umgebung und der Kontrahenten. Ähnlich wie in der Serie "Sherlock" offenbart die Kamera die Gedanken des Protagonisten und lässt schnell Taten folgen. Diese äußern sich durch eine überraschend angenehme Brutalität. So werden beispielsweise Werkzeuge in einem Baumarkt offensiv entgegen ihres Verwendungszweckes eingesetzt. Zu einer berauschenden Musikuntermalung verrichen Stacheldraht, Streusand, Nagelpistole oder Bohrmaschine ihr derbes Werk.
Gelegentlich überreizt der Film die ohnehin schon bröckelnde Logik und Nachvollziehbarkeit. So wird dem Publikum verwehrt, wie der Protagonist einen Dieb verfolgt, ein Schiff mit explosiven Stoffen ausstattet und final ein gesichertes Anwesen infiltriert. In diesen Fällen werden nur die Auswirkungen bildlich dargestellt, ohne eine weitere Erklärung zu liefern.
Denzel Washington nimmt die Leinwand gänzlich ein. Er bringt die Marotten seines Charakters ebenso gut zur Geltung, wie seinen inneren Kampf mit seinen Grundsätzen und Versprechungen an sich selbst, bleibt aber gleichzeitig geheimnisvoll und undurchschaubar.
Ähnlich charismatisch gibt sich Marton Csokas ("Sin City 2: A Dame to Kill For") als herrlich bösartiger Gegenspieler. Chloë Grace Moretz ("Kick-Ass"-Reihe, "Let Me In", "Carrie") dagegen kann aus ihrer eindimensionalen Rolle leider kaum etwas machen.
Es sind viele Kleinigkeiten die "The Equalizer" von einem wirklich guten Film fernhalten. Insbesonders der fragwürdige Schluss. Aber auch die oberflächliche Abhandlung von sinnfreien Ereignissen. Diese wären nicht nötig gewesen, denn weder Formen sie den Protagonisten noch enthalten sie einen anderen Gegenwert. Dafür begeistert die schnörkellose Inszenierung, die unerwartet wuchtige Action und ein unglaublich spannendes Finale. Dank des sehr guten Hauptdarstellers sind auch die anfänglichen Längen etwas kompensiert.
7 / 10