Die russische Mafia nimmt sich das was sie will, und eckt damit bei einem professionellen Killer böse an. Der lässt sich nicht lumpen und macht Amerika wieder sauber, indem er die Sowjetlumpen kurzerhand zu Hackfleisch verarbeitet und dafür sorgt, dass am Ende alles wieder gut ist.
JOHN WICK? Nein, der andere Film aus dem gleichen Jahr mit dem gleichen Inhalt: THE EQUALIZER. JOHN WICK gefällt sich in stylischen Actionszenen, John Woo-artigen Shoot-Outs und einer kaum vorhandenen Handlung, während der EQUALIZER mehr auf eine von Ruhe und Melancholie durchzogene Stimmung setzt, punktuell sehr stylische Actionszenen wie Lichtpunkte auf einer dunklen Karte verteilt, und ein klein wenig mehr Handlung integriert als David Leitch und Chad Stahelski es tun. Wobei anzumerken ist, dass dieses „ein klein wenig mehr an Handlung“ so abgenudelt und stereotyp ist, dass es fast wie eine Beleidigung des Zuschauers wirkt. Oder wie anders soll man es nennen, wenn der stille und sauber-ordentliche Protagonist ein kleines Mädchen vor der pösen Mafia beschützt und sich dabei als die ultimative Killermaschine entpuppt, die praktisch problemlos die gesamte Ostküste der USA ent-mafiaisiert? Oder, mehr im Trend der Zeit, de-sowjetisiert?
THE EQUALIZER setzt dabei auf die Qualität des Kameramanns Mauro Fiore, der auch schon Filme wie TRAINING DAY oder TRÄNEN DER SONNE veredelt hat. Allein, was aus grafischer Sicht während des Showdowns in einem Baumarkt(!) passiert, zeigt sich, bei aller Abgedroschenheit der Handlung, als erstklassig inszenierte und verdammt hochwertige Action. Es ist halt schade, dass Denzel Washington fast unbeschadet durch das Blutbad wandelt wie ein Superheld aus einem frühen DC-Comic, und dass er zu keiner Sekunde in Gefahr gerät sein Leben zu verlieren. Wie der Schwertkämpfer Okami in den LONE WOLF AND CUB-Verfilmungen der frühen 70er steht er über allem und jeden, hat in Sekundenbruchteilen immer den perfekten Plan zur Hand (inklusive eines Plan B), und führt die dümmeren Russen an der Nase genau dorthin, wo er sie haben will. Die Gangster aus dem Reich des Bösen wiederum haben sich ihren Platz ursprünglich mit Gewalt und Brutalität erkämpft, und nun werden ihnen ihre Pfründe mittels Intelligenz (und Gewalt) wieder abgenommen. Ein Schelm, wer hier im Jahre 2014 Analogien zu den Ereignissen in der Ukraine ziehen möchte – Robert McCall bringt den Krieg zu den Russen, bestimmt das Schlachtfeld, und zeigt allen, zu was ein Held fähig ist …
Nichtsdestotrotz ist THE EQUALIZER kein schlechter Film! Er ist atmosphärisch, er ist toll gefilmt, die Schauspieler erlauben sich keine Ausfälle (allerdings auch keine Höhenflüge, was bei einem 08/15-Actioner auch nicht wirklich erwartet werden kann), und er unterhält. 132 Minuten Popcorn-Unterhaltung mit propagandistischer Botschaft. Aber ich glaube trotzdem, dass ich JOHN WICK bevorzuge, der bei aller inhaltlichen Leere einfach der coolere und stylischere ist …