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Als sich der Logiker und Mathematiker Alan Turing (Benedict Cumberbatch) um einen Posten beim britischen Government Code bewirbt, fällt er durch Arroganz und soziale Inkompetenz auf, wird aber eingestellt, weil er vom Geheimprojekt Enigma weiß. Um die täglich wechselnden, verschlüsselten Codes der Nazis zu knacken, entwickelt er eine analytische Maschine…

Alan Turing (1912-1954) gilt als einer der bedeutendsten Theoretiker der frühen Computertechnik. Die von ihm entwickelte Turingmaschine ist ein bis heute benutztes Modell, das die Arbeit eines Computers simuliert. Während des 2. Weltkriegs war er maßgeblich an der Entschlüsselung der mit der Enigma verschlüsselten Funksprüche der Deutschen Wehrmacht beteiligt und rettete somit Millionen Menschen das Leben. Morten Tyldum („Headhunters“ 2011) Film erzählt die faszinierende, wie tragische Lebensgeschichte eines Genies, der 1951 wegen seiner, damals noch strafbaren Homosexualität angeklagt wurde und sich 1954 nach der chemischen Zwangssterilisation das Leben nahm. Man kann dem Casting nur zur Wahl von Benedict Cumberbatch („Amazing Grace“ 2006, „Star Trek: Into Darkness“ 2013) als Hauptdarsteller gratulieren, sein steifes, leicht verkrampftes Spiel passt hervorragend zu einem menschenscheuen Wissenschaftler, der sich trotz und wegen seiner Genialität mit den Mitmenschen schwer tut und unter seiner unterdrückten Sexualität leidet. Auch Keira Knightley („Anna Karenina“ 2012, „Can a Song save Your Life“ 2013) überzeugt als Wissenschaftler-Kollegin, die als einzige ein wenig zu dem Genie durchdringen kann, muss dann aber in ihrer letzten Szene sagen, was jeder Zuschauer längst kapiert hat. Und hier zeigt sich, neben der unnötigen, gewollt Spannung fördernden Erzählweise in 3 Zeitebenen, das große Mako von Tyldums Drama: die Botschaft vom toleranten Miteinander wird dem Zuschauer allzu plakativ serviert, fast als ob „The Imitation Game“ ein Lehrfilm für die Mittelstufe wäre. Allerdings mit dem Hinweis der Lehrkräfte, dass es hier nicht immer historisch korrekt zugeht. Es gab z.B. keinen sowjetischen Spion in Turings Team, gegen ihn wurde auch nie wegen Spionage ermittelt und das im Film verwendete Tipp Ex kam erst 1959 auf den Markt. (7/10)

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