Der wichtigste Mann, den niemand kannte...
Auch wenn der Hype um seine Person und die Vielzahl seiner Auftritte/Filme schon etwas nervt, ist Benedict Cumberbatch hier so gut, dass mein Review mit ihm anfangen muss: was für eine große, bewegende, auch vielfältige Performance! Da verblasst selbst das auch richtig gut aufgelegte restliche Ensemble, mit Ausnahme vielleicht von Keira Knightley.
In Imitationen Game geht es um das Jahrhundertgenie Alan Turing, der mit seiner Arbeit nicht nur die Grundzüge der Computer schaffte und gegen heftige Maßnahmen der Regierung auf Grund seiner Homosexualität kämpfte und daran schließlich zerbrach. Er hatte auch großen Anteil am Sieg der Alliierten über Nazi-Deutschland, da er den als unknackbar geltenden Nachrichtenapparat Enigma entschlüsselte. Dieses nervenzerreissende Code-Knacken ist das Thema des Films. Ein wichtiger, großer Mann des 20. Jahrhunderts, den bis vor kurzem noch kaum einer kannte und der diesen Film als Denkmal & Würdigung allemale verdient hat.
Das britische Filme neben denen aus Hollywood bei den Oscars die größten Chancen auf Siege & Ruhm haben und der Rest der Welt meist etwas untergeht und mit dem Auslandsoscar abgespeist wird, ist hinlänglich bekannt und ärgerlich. Imitation Game ist aber einer der besten Filme des Jahres und hat jede Oscar-Nominierung verdient gehabt!
Die Geschichte hat zwei große Pluspunkte: 1. eine intime, kleine Kriegsnebengeschichte, die das große Ganze aber im Endeffekt mit entschied, die man so noch nie gesehen hat. Mitreißend, spannend, fesselnd, gespickt mit tollen Dialogen und Nervenkitzel - denn die britische Regierung war von den Ideen und bis dato gescheiterten Versuchen der hochbegabten, aber etwas weltfremden Truppe um Turing gar nicht begeistert und drohte mehrmals mit der Einstellung des gesamten Projektes. Und 2. dem eigentlichen Herzstück des Filmes, und das wortwörtlich: das Leben, Lieben & Leiden des Alan Turing. Ein zutiefst genialer Mann auf der Suche nach dem eigenen, alles andere als normalen Glück, nichtmal so sehr der Zugehörigkeit zur Gesellschaft.
In wie weit die Geschichte samt ihrer Details stimmt, können wohl nur die wenigsten wirklich bewerten. Fest steht aber für mich, das der Film wie gesagt nie aufgesetzt, zu patriotisch oder gar effekthascherisch rüber kommt, eher ehrlich, besonnen und auf charakterliche Schwächen, Stärken & Emotionen bauend. Dafür das der Film manchmal sehr an ARD-Filme erinnert, kann er nicht wirklich was, und er ist zudem noch besser als 20 von diesen zusammen.
Fazit: anspruchsvolles Kriegsdrama ohne viel Pathos. Ehrlich, stark gespielt, ohne Schwarz-Weiß-Malerei, herzberührend - die 2 am sinnvollsten angelegten Geschichtsstunden die man momentan erleben kann!