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"Was ist wenn nur eine Maschine eine Maschine besiegen kann?"

Im Jahre 1939 greift Großbritannien in den zweiten Weltkrieg ein. Zu dieser Zeit bewirbt sich der junge Mathematiker Alan Turing (Benedict Cumberbatch) beim Militär. Nicht aber um an der Front zu kämpfen, sondern um den Enigma-Code zu knacken, den die deutschen zur Übermittlung von Nachrichten nutzen. Trotz seiner herablassenden und sozial inkompetenten Art erhält er die Stelle neben einer handvoll weiterer Spezialisten.
Mit seinen Abermillionen möglichen Kombinationen und deren vierundzwanzigstündigem Wechsel gilt der Enigma-Code jedoch als unentschlüsselbar. Das Team erzielt nur geringe Erfolge und beginnt täglich von vorne. Daher beschäftigt sich Turing nicht mit der direkten Entschlüsselung von Nachrichten. Stattdessen entwirft er eine Maschine, die eigenständig diese langwierige Arbeit erledigen soll. Zunächst steht er allein da. Er bekommt aber politischen Zuspruch und leitet schnell die Abteilung selbst. Zur Unterstützung des Teams zieht er die hochbegabte Studentin Joan (Keira Knightley) hinzu, die in dem von Männern dominierten Geschäft ein ähnliches Außenseiterdasein fristet wie Turing.

"The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben" befasst sich vage mit dem Leben des sträflichen und posthum rehabilitierten Genie Alan Turing. Als historisches Drama mit biographischen Elementen aufgezogen und seinen Themen Krieg, Mathematik, Soziopathie und Homosexualität, ist der Film ein echtes Schwergewicht und dennoch leicht verträgliche Unterhaltung mit dramatisiertem Informationsgehalt.

Die Haupthandlung befasst sich mit den Ereignissen zu Kriegszeiten. Immer wieder unterbrechen aber Zeitsprünge zurück zur Jugend des Protagonisten und zur Verurteilung dessen den eigentlichen Handlungsstrang. Dank angezeigter Jahreszahlen erkennt man zwar die Zeitsprünge, so ganz zuordnen kann man die Handlungsschnipsel aber noch nicht. "The Imitation Game" verwebt seine zahlreichen Handlungsstränge und löst sie erst gegen Ende. Einen großen Teil der Spannung zieht das Drama aus dieser Erzählweise, sowie der Entschlüsselung des Enigma-Code.

"The Imitation Game" geht es einzig um seinen Protagonisten. Nebenfiguren bekommen nur einen dürftigen Zeitrahmen zur Verfügung gestellt und müssen schnell funktionieren. Recht oberflächlich geht der Film mit seinen Nebenfiguren um und zieht sie nur dann hinzu, wenn sie für die Handlung relevant sind. Sogar manch begonnener Handlungsstrang fällt dabei unter den Tisch. Der Vorteil dabei ist jedoch der errungene Fokus auf Turing. Dessen Eigenarten, so bieder sie auch sind, bestimmen den Film, machen ihn witzig, nachdenklich und auch niederschmetternd.

Obwohl die Kriegsthematik eingebaut ist, wird sie visuell eher nebenbei abgehandelt. Nur selten blendet "The Imitation Game" den kriegerischen Teil des Zweiten Weltkriegs ein, um die Dringlichkeiten der eigentlichen Handlung zu untermauern. Statt Action lockert spitzfindiger Humor die Atmosphäre auf. Trocken wird der Teil um die Entschlüsselung des Codes nie, ein paar Längen gibt es aber trotzdem.

Ähnlich seiner Paraderolle in "Sherlock", verkörpert Benedict Cumberbatch ("Star Trek Into Darkness", "12 Years a Slave") auch hier einen unberechenbaren Soziopathen, der vor Intelligenz nur so strotzt. Und auch in diesem Film gelingt ihm eine beeindruckend glaubwürdige Darstellung. Mark Strong ("Kick-Ass", "Kingsman - The Secret Service"), Charles Dance ("Game of Thrones"), Keira Knightley ("Fluch der Karibik"-Reihe, "King Arthur") sowie Matthew Goode ("Watchmen - Die Wächter") präsentieren sich ebenso erstklassig, sind aber bei weitem nicht so präsent.

Auch wenn in "The Imitation Game" das reale Leben von Alan Turing leicht verändert interpretiert wurde um die Dramaturgie zu steigern und die Figur weniger kantig erscheinen zu lassen, wirkt der Film authentisch. Mit seinem spielfreudigen Cast begeistert das Drama ebenso wie mit seinem gut veranschaulichten und spannend inszenierten Thema. Nur ab und an hat der Film ein paar Längen.

8 / 10

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