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Bekanntermaßen verändern Trends im Horrorbereich auch zahlreiche Nebensparten, wonach "Home Invasion" dieser Tage fast nur noch mit Terror und Folter einhergeht.
Da wirkt ein geradezu bodenständiger Beitrag beinahe erfrischend, - wenn er denn nicht nahezu konsequent abgedroschenen Handlungsmustern folgen würde.

Staatsanwältin Terry (Taraji P. Henson) bewohnt ein großes Haus in ruhiger Lage in Atlanta und kümmert sich um die beiden Kinder, während ihr Mann für einige Tage verreist ist.
In einer stürmischen Regennacht klingelt Colin (Idris Elba) an der Tür, welcher aufgrund einer Autopanne Hilfe benötigt. Bald schon muss Terry erkennen, welche Absichten Colin wirklich hegt...

Die Figureneinführung verschleiert keineswegs, dass Colin ein gefährlicher Psychopath ist, dem der Mord an fünf Frauen nicht nachgewiesen werden konnte. Auf dem Rückweg nach einem Gerichtstermin gelingt Colin die Flucht aus dem Gefangenentransporter, woraufhin er sich seine Ex vorknöpft, um kurz darauf bei Terry zu stranden.
Der Narzisst weiß sich zunächst gut zu verstellen, lässt seinen Charme spielen und offenbart zu keiner Zeit den tief verwurzelten Frauenhass, welcher leider nicht näher hinterfragt wird.

So geht von Colin eine latente Bedrohung aus, nur bleibt Mutter Terry die meiste Zeit über eher funktional freundlich, obgleich sie zwischenzeitlich von ihrem Job berichtet, bei dem sie sich überwiegend mit Gewaltverbrechen an Frauen beschäftigte. So streicht einige Zeit ins Land, bis Colins Fassade bröckelt und Terry beinahe zeitgleich erkennt, dass ihr scheinbar freundlicher Gast etwas im Schilde zu führen scheint.

Im letzten Drittel geht es dann sogar recht heiß her, denn obgleich keine expliziten Gewaltdarstellungen auszumachen sind, werden in diversen Zweikämpfen allerlei Haushaltsgegenstände zweckentfremdet, was in seiner geballten Ladung schon fast ein wenig ins unfreiwillig Komische abdriftet. Dem Ganzen folgt sogar noch ein halbwegs unabsehbarer Twist, welcher die Geschichte jedoch nicht völlig umkrempelt, sondern eher einige Aspekte im Nachhinein durchleuchtet.

Regisseur Sam Miller, der sich in den letzten Jahren überwiegend mit Fernsehprojekten beschäftigte, holt vergleichsweise viel aus der schlichten Prämisse heraus und konzentriert sich mit seiner gradlinigen Erzählweise ohne Schnörkel aufs Wesentliche. Dabei verlässt er sich auf seine sehr guten Hauptdarsteller, welche beide mit genügend Charisma und nuanciertem Spiel performen, um das Psychoduell mit Leben zu füllen. Auch der Score treibt angemessen an, während Kamera, Schnitt und eine effektive Ausleuchtung primär im letzten Drittel punkten.

Dennoch bleibt am Ende nicht viel hängen, da die Geschichte weder Originalität noch Innovationen einfließen lässt und ähnliche Streifen bereits in den Neunzigern die Videoregale überfluteten.
Spannende Momente gibt es zwar und ein gutes Gespür fürs passende Timing ist mehrfach erkennbar, doch das Katz-und-Maus-Spiel bleibt im Endeffekt zu vorhersehbar, um mehr als eine Sichtung für lau zu rechtfertigen.
5,5 von 10

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