Andrew Garfield spielt einen jungen Vater, der hart auf dem Bau schuftet, um seine Mutter, gespielt von Laura Dern, und seinen kleinen Sohn zu versorgen. Ein Dach über dem Kopf kann er ihnen dennoch nicht weiterhin bieten: Er wird zwangsgeräumt, sein Haus fällt an die Bank. Bei der Räumung trifft er auf einen von Michael Shannon gespielten Makler, der von der Zahlungsunfähigkeit überschuldeter Immobilienbesitzer profitiert, mit den geräumten Immobilien handelt und dabei an der Grenze des Legalen agiert. Um sein Haus zurückzubekommen, geht der Geräumte einen Pakt mit dem Teufel ein und beginnt für den rücksichtslosen Makler zu arbeiten und nun seinerseits junge Familien, Rentner und andere Hausbesitzer aus ihren vier Wänden zu jagen.
Seit dem Börsencrash von 2008, ausgelöst durch die US-Immobilienkrise, ist Kapitalismuskritik auch in weiten Teilen der USA salonfähig geworden. In Filmen wie „The Wolf of Wall Street“, „The Big Short“ oder „Der Große Crash“ wurde mit dem Finanzsystem abgerechnet, die Wut der „Normalbürger“ bedient und dabei das Bild des skrupellosen, gierigen Bankers gezeichnet. Und auch der Immobilienmakler in „99 Homes“, der immer wieder beteuert, lediglich geltendes Recht umzusetzen, reiht sich hinter diesen modernen Versionen von Gordon Gekko ein. Er handelt mit zwangsgeräumten Immobilien und profitiert damit vom Elend überschuldeter Immobilienbesitzer, von den Folgen der Immobilienkrise. Wer könnte also die amerikanische Ellenbogengesellschaft besser verkörpern als Michael Shannon in „99 Homes“? Shannon, der mit seinen markanten Gesichtszügen, seinem einnehmenden Charisma tatsächlich etwas von Michael Douglas in Oliver Stones „Wall Street“ hat, macht seine Sache jedenfalls großartig. Gefühlskalt und arrogant zieht er vor allem mit seinen selbstgerechten Rechtfertigungen die Abneigung des Zuschauers auf sich.
„99 Homes“ bedient jedoch nicht nur die Wut seiner Zuschauer auf die gierigen Makler, es ist ein Film über einen jungen Mann, der mit harter Arbeit zu wenig verdient hat und sich deshalb vom Teufel verführen lässt. Auch hier gibt es Parallelen zu „Wall Street“, was jedoch nicht bedeuten soll, dass „99 Homes“ allzu formelhaft wäre. Der Film lebt insbesondere von der moralischen Zwickmühle, in die sich der Protagonist begibt, einen inneren Konflikt, den Andrew Garfield jederzeit überzeugend und nuanciert verkörpert. Wenn er Rentner und Familien auffordert, ihre Häuser zu verlassen, wenn er Menschen auf die Straße setzt, zeigt Garfield, wie sich sein Charakter innerlich dagegen sträubt. Die Räumungen sind damit die intensivsten Szenen des Films. Insgesamt ist Regisseur Ramin Bahrani somit ein sehenswerter Film gelungen, bei dem zwar nicht jeder Subplot, aber das große Ganze überzeugt - jedenfalls bis zum allzu moralisierenden, konstruierten und überdramatisierten Abgang.
Fazit:
„99 Homes“ ist ein sehenswertes und sehr menschliches Sozialdrama über die Folgen des Immobiliencrashs, das nicht zuletzt aufgrund der guten Darstellerleistungen überzeugt. Am Ende ist der Film aber leider etwas konstruiert und übertrieben.
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