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Vincente Minelli, Regisseur von ein paar der besten Hollywoodmusicals aller Zeiten hält mit „The Bad and the Beautiful“ der Traumfabrik selbst den Spiegel vor und was da hervorlugt ist eine Fratze.

Latent orientiert an der Erfolgsgeschichte des „Vom Winde verweht“-Produzenten David O.Selznick entwirft er das Bild eines typisches Hollywoodproduzenten, der über Leichen geht, um Karriere zu machen – ohne Netz und doppelten Boden, erzählt aus der Sicht seiner zeitweiligen Begleiter, Kollegen, Freunde…und Opfer.

Hier treffen drei Personen eines Abends zusammen, fröhlich plaudernd und über ihren (nicht auftretenden) Gastgeber herziehend. Autor, Regisseur und Darstellerin sind erschienen, weil Produzent Jonathan Shields (Kirk Douglas) sie für einen neuen Film haben möchte –einen Film, der für ihn vielleicht eine zweite Karriere bedeuten könnte. Keiner der drei möchte – zu schlecht sind die Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit…

Das Drehbuch von Charles Schnee arbeitet mit einer Reihe von Rückblenden, um die Figur des Shields langsam vor den Augen des Zuschauers erstehen zu lassen. Beißender Sarkasmus ist alles, was man für den Nichtanwesenden übrig hat – die gefeierte Schauspielerin hüllt sich in ganz zarte Divenhaftigkeit, der Regisseur giert neidisch nach den Oscars im Büro Shields, der Autor scheint milde über das alles erhaben zu sein.

Doch die Rückblenden erzählen eine andere Geschichte: der Regisseur wird erster Wegbegleiter bei billigen Schnellschüssen, die Cooperative hat nur ein Ziel: gemeinsamen Erfolg. Noch sind sie alle arme Schlucker. Doch das Geschäft ist nichts für Freundschaften, der Ausblick auf einen möglichen Kassenerfolg lässt alle Loyalität weichen.
Die Schauspielerin danach ist ein latent trunksüchtiges Kleinstrollengirl, das mit viel Aufwand und noch mehr Aufmerksamkeit aufgepäppelt wird, bis es endlich ein großer Star ist – und genau in diesem Moment erlischt das Interesse des Produzenten, das echte Gefühle geweckt hat und wendet sich einem anderen hübschen Gesicht zu.
Der Autor schließlich beschließt den Kreis, herausgerissen aus seinem üblichen Tagwerk, die treue Ehefrau verfällt zart den Lockungen der Traumfabrik und stirbt schließlich bei einem Flugzeugabsturz mit dem Kassenstar, so dass die beiden Männer aneinander gebunden bleiben – bis herauskommt, dass der Flug (und der Skandal, nicht der Absturz) von Shields geplant war.

Wer Filme drehen will, große Filme, der kann nicht auf Freundschaften bauen. Shields selbst bleibt ein Enigma, eine Leere, für die nur der Erfolg und die Arbeit zählt, wie er selbst sagt – nichts ist schlimmer als ein fertiger Film, da kommt die Story Selznick nahe.
Der Ton dabei bleibt stets verblüffend heiter und auch Douglas, der zwar mimisch Shields nicht wirklich emotional zum Leben erwecken kann, wirkt trotz seiner Seelenlosigkeit sympathisch, weswegen auch alle auf ihn hereinfallen. Dennoch ist dies keine Satire, sondern wirkt eher lebensnah, wenn man sich mit Hollywood-Biographien schon einmal beschäftigt hat.

„The Bad…“ klagt nicht an und zeigt auch nicht mit dem Finger auf jemanden Bestimmten, aber er decouvriert als Film und Unterhaltungsmedium verblüffend gut die Realität. Damit jedoch Geld zu machen (z.B. wurde der Titel geändert, weil Lana Turner gepusht werden soltle), gibt dem Film bei aller sanften Bissigkeit einen Anstrich der Doppelbödigkeit, der noch unterstrichen wird, da alle Beteiligten zwar Shields für einen miesen Menschen halten, dennoch aber jeder von ihm auch profitiert hat – und dass es keinen Ausweg aus der Traumfabrik gibt.
Also lehnen sie unumwunden ab, aber als der zu produzierende Film geschildert wird, können sie alle drei nicht anders, als doch interessiert zuzuhören und sich gegenseitig den Telefonhörer abzunehmen. Alle Branchen – nur Räder im Gefüge.

Und so geht es denn auch dem Zuschauer, der um die Zustände weiß und sie doch als Film goutiert und so seine Rolle wie die Figuren im Film zu erfüllen weiß.
Treffender hat selten ein Film die Rollenspiele beim Film enthüllt und damit Kasse gemacht – ein bisschen spitzer und bösartiger vielleicht noch „Alles über Eva“ – man bleibt verwirrt zurück: wurde man jetzt unterhalten oder informiert oder ausgetrickst?
Pflichtprogramm: 9/10.

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