Ein Mann wird ohne Ticket vom Schaffner erwischt und hochkant in voller Fahrt vom Zug geworfen. Sein Sattel wird allerdings einkassiert, doch der Kontrolleur kommt bei seinem Rundgang auch nicht weit, sondern wird einige Waggons weiter von Al Kramer [ Marco Guglielmi ] erstochen. Während dieser sich zur Lok vorarbeitet, um den Zug anzuhalten, greifen Billy Kane [ Venantino Venantini ] und seine restlichen Mannen von aussen an und übernehmen ihn. Das folgende Massaker wird nur vom anwesendem Passagier Ricky Martin [ Venantino Venantini ] für eine Weile verhindert, der als Kunstschütze die Gangster von den Füssen holt.
Kane fordert ihn zum Duell raus, was Martin mit zerschossenen Händen und als einziger Überlebender quittieren muss. 1 Jahr später nimmt er einen entflohenen Sträfling [ Terry Jenkins ] auf, benennt ihn in „Ricky Shot“ um und tingelt mit dem Zögling als Artistenduo durch die Lande. Doch die Rache an Kane steht ebenso offen wie dessen Auseinandersetzungen mit den ehemaligen Mitstreitern Kramer und Vigonza [ Chris Huerta ]. Und „Ricky Shot“ hat auch seine Gründe...
Überraschung Nummer Zwei:
Sollte Tele 5 bei seinen allwöchentlichen Griff in die Grabbelkiste der Italowestern doch tatsächlich mal mehr als nur den Bodensatz erwischt haben?
Bandidos mundet jedenfalls wie frisch geschöpfter Rahm – nur eine Metapher – und dass nicht nur im Vergleich zu den sonstigen „Perlen“, die als Totalausfall das Programmschema bestimmen.
Bereits der Einstieg ist vielversprechend und bestimmt damit nicht nur die folgende Geschichte, sondern zeigt auch die Möglichkeiten auf, die bei Kenntnis und Gebrauch von handwerklichen Fähigkeiten und etwas Inspriration auch in dem nicht gerade als Kritikerliebung verschrienem Genre möglich ist.
Der Film ist auf eine gewisse Art erwachsen und Ernst zu nehmen; so behandelt er auch die Personen und ihre Kontroversen und stellt mehr als nur Abziehbilder für Schiessbudenfiguren her.
Angesprochen wird natürlich der übliche Gegenstand der Rache; allerdings hier mit einem Clou, der sich in einem zweifachen Schüler – Lehrer – Konflikt ebenso austrägt wie in einem vollzogenen Generationenwechsel.
Die Lernenden Kane und Shot streben gegen ihren Lehrmeister Martin auf und nutzen dafür die erst durch ihn erworbenen Kenntnisse; das weitergegebene Wissen wendet sich gegen einen selber. Martin hat also quasi seine eigene Nemesis Kane erst herangezüchtet.
Seine beiden verschiedenen Schüler sind jeweils keine passiven Konsumenten; die Struktur einseitiger Sicht- und Handlungsweisen werden von ihnen aufgehoben, sobald sie die Fähigkeit dazu erlangt haben. Sie befreien sich auf ihre Weise von den herkömmlichen Machtverhältnissen und gehen ihren eigenen Weg; wobei sie Martin dann entweder im Weg stehen oder unnütz sind. Ohne sie selber ist er aber aufgeschmissen; mit seinen kaputten Sehnen braucht er jemanden für den Lebensunterhalt und als Werkzeug zur Rache. Also zieht er sich einen neuen heran, um in der Gegenwart die Vergangenheit mit den gleichen Mitteln zu begegnen; er hat keine Lehre daraus gezogen.
Das Abhängigkeitsverhältnis und seine Komplikationen wird hierbei gut aufgestückelt; auch lange nicht nur in der Theorie sondern eben in der praktischen Anwendung. Es umfasst dann auch alle Beteiligten des Geschehens; Kanes Mitstreiter haben ebenso das Problem, dass sie mit ihrem Boss wenig können, aber ohne ihn gehts erst recht nicht. Er hat sie fest in Unterdrückung und beseitigt jede Auflehnung sofort.
Dabei versucht nun jeder, sein Ziel durch Klüngeleien mit dem anderen durchzusetzen; wobei mehrere Erwartungen nicht erfüllt werden, weil die Prämissen nicht mitspielen.
Dafür stimmt sonst alles; zumindest was Regie und Drehbuch angeht. Das letztere weisst einige Kniffe auf, die vorangestelle Situationen in einem gänzlich neuen Licht erscheinen lassen und Belanglosem plötzlich eine wichtige Bedeutung zuweisen. Von der Inszenierung her wird das durch eine sichere, aber beileibe nicht aufdringliche Herangehensweise gut umgesetzt; die sich vor allem auch genug Zeit für die Details nimmt.
Einige Scherzchen in der Tragik konnte man sich nicht verkneifen; aber die meistens wirken auch durch ihren Zusammenspiel mit einem eigentlich ernsten Hintergrund. Wo der Witz dem Drama nicht das Wasser untergräbt, sondern es fast noch stärker zeichnet. Am treffendsten gelang das in der Szene, als der erste neue Zögling von Martin vom nächstbesten Halunken nach einer 5 Dollar Wette mit seinen Kumpels einfach ohne Vorwarnung umgenietet wird; nachdem er grad seine Mätzchen abgezogen hat. Der Kunstschütze in der Wirklichkeit nur Fallobst; seine Entertainmentfunktion sehr konsequent auf andere Art und Weise [ = Belustigung ] erfüllend.
Auch die technischen Details sind besser als gewöhnlich herausgerarbeitet und weisen hier und da einige spezielle Einzelheiten auf, die immer wieder leicht verblüffend wirken. Da wird ein Saloon in nur einer Einstellung – cineastischen Perspektive – ebenso auseinandergenommen wie am Ende kurz doch tatsächlich eine Szene in Third Person View präsentiert wird. Was sich jetzt vielleicht weniger berauschend anhören mag, aber in der Schnittfolge selber immer wie die Faust aufs Auge passte.
Eine Wohltat im Vergleich zu den sonstigen Pleiten; Abzüge gibt es einzig in der unnützen und auch leicht unlogischen Betty Starr Episode.