kurz angerissen*
erstmals veröffentlicht: 08.08.2015
Michael Bay und Erfüllungsgehilfe Jonathan Liebesman vergehen sich an einer weiteren 90er-Jahre-Jugenderinnerung, frei nach der Annahme: Was mit Spielzeugrobotern funktioniert hat, sollte sich mit sprechenden Kampfschildkröten wiederholen lassen.
Hat den Vorteil, dass man Erwartungen an eine vorlagengerechte Adaption gleich stecken lassen kann und sich besser schon mal auf eine organische Variante der "Transformers" einstellt. Die einzige Überraschung bleibt dann auch, und es ist sogar eine positive, dass uns im Gegensatz zu den Exemplaren aus der Roboreihe eine Dreiviertel- bis volle Stunde Laufzeit erspart bleibt.
Dass man allerdings auch binnen 100 Minuten vortrefflich langweilen kann, beweist die Hochglanzproduktion mit Bravour. Nicht zu den Überraschungen gehört nämlich, dass Megan Fox typische Reportertugenden wie Neugierde, Timing und Präsenz mit Dummheit, Hektik und Penetranz verwechselt und ihre April O'Neill mit diesen Voraussetzungen auch noch durch den Film führen muss. Auch nicht überraschend ist, dass die Filmästhetik so sehr von Bays Manierismen bestimmt wird, dass sie nicht etwa vor dem völlig transformerisierten Shredder-Outfit halt macht, sondern sich gar bis ins Foley Design ausbreitet (klingt schon arg bescheuert, wenn ein über Eis rutschender Laster Geräusche macht wie ein Transformer bei der Verwandlung).
Für den Plot kann man nichts als Desinteresse aufbringen, für den standardisierten Aufbau ein müdes Gähnen, für die kantenlose Handschrift Liebesmans Gleichgültigkeit. Die Turtles selbst erzeugen vor allem Befremdung. Mag ihr äußeres Erscheinungsbild im Gesamten akzeptabel sein (abgesehen von Donatellos übertriebener Nerd-Ausstattung) und sich sogar zaghaft an den versifften Look der Comics anlehnen, kann man sich wirklich nur schwer an ihre belippten und bezahnten grünen Gesichter gewöhnen. Dass sie neben Pizza (kommt wieder viel zu selten vor) auch auf schlechten Hip Hop stehen, ist dagegen akzeptabel, da es sich um medial beeinflusste Teenager handelt, andererseits scheint es schwer vorstellbar, dass die subkulturelle Darstellung beim Zielpublikum wirklich noch ankommt, da sie schon zu meiner Jugendzeit uncool gewesen wäre. Den negativen Eindruck rund machen schwach interpretierte Foot Soldiers, die fast glücklich stimmen, dass Charaktere wie Krang, Bebop oder Rocksteady unangetastet blieben, sowie blasse Nebendarsteller (William Fichtner, Whoopie Goldberg).
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