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Percival Petterson, kurz genannt PP, wird morgens Punkt 8 von seinem Diener geweckt. So wie gestern. Und vorgestern. Und vorvorgestern. Und vorvorvorgestern. Nein, da nicht! Da war Sonntag … PP hat die Schnauze voll von seinem durchorganisiertem Leben als Großindustrieller. Er besorgt sich eine Zahnbürste und einen Rasierapparat, lässt seinen Chauffeur einfach an der Straßenecke stehen, und macht sich auf zum Balkan, nach Balago, zum wieder Leben spüren. Als Emile gerät er an den kleinen Gauner Jeannot, muss weiter in einen Kurort, wo er als Gaston kellnert, und beim Krebse fangen lernt er als Ivan, splitterfasernackt, die Künstlerin Lisaweta Iwanowna kennen, ebenfalls nackt. Das außerordentliche Gefallen ist gegenseitig, doch es droht Gefahr: PPs Tochter ist mit einem Journalisten hinter ihrem spurlos verschwundenen Vater her, denn erstens kann es ja nicht sein dass Menschen einfach so verschwinden, und zum anderen ist PPs Firma in Gefahr. Zumindest scheint es so. Oder könnte es sein, dass die Weltreise vielleicht sogar mit den neuen Investitionen des Unternehmens zu tun hat …?

EIN MANN AUF ABWEGEN wird für mich wahrscheinlich immer der Film sein, in dem Hilde Weissner der Kamera ihre nackten Brüste präsentiert. Und immerhin reden wir hier von 1939, und auch wenn ein Jahr später die Tanzszene von Margit Symo in DER POSTMEISTER deutlich länger und erotisch aufgeladener sein wird, so ist es trotzdem ausgesprochen bemerkenswert, was zu der Zeit im deutschen Kino bereits alles möglich war.
EIN MANN AUF ABWEGEN wird mir auch ewig in Erinnerung bleiben als der Film, in dem Hans Albers zeigt was er als Schauspieler so alles drauf hatte. Nicht nur der kernige Mann mit harten Fäusten, eisernem Willen und knuddelweichem Herzen, sondern auch Nachdenklichkeit und viel Gefühl. Was ihm ziemlich gut steht. Wenn er der gestolperten Hilde Weissner hinterher hechtet und dabei selbstironisch meint “Hoppla, jetzt komm ich“, dann kommt einfach nur Freude auf das man so schöne Filmmomente erleben darf.
Und so sehr die Geschichte vielleicht auch an PETER VOSS erinnern mag, so lustig und gleichzeitig melancholisch ist sie umgesetzt. Die Charaktere sind punktgenau und ausgesprochen liebevoll skizziert, die Verwandlungen von PP in den kleinen Gauner Emile, in den Kellner Gaston, in den Chauffeur Ivan oder in den Diplomaten mit dem unaussprechlichen Namen (und der noch unaussprechlicheren Sprache) machen einfach großes Vergnügen, und es ist nie langweilig. Nur die Sangeskunst von Albers hätte hier gerne noch ein wenig … getunt werden können.

Fazit: Heiter mit leichten Wölkchen in Form von melancholischen Einschüben.

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