Grundgütiger Himmel, wie nur soll man 116 Minuten bonbonbunten Irrsinn treffend beschreiben? Vielleicht so:
Tokyo ist aufgeteilt unter verschiedenen Clans mit illustren Namen wie Gira Gira Girls, Wu-Ronz usw., die alle Spielarten des japanischen HipHops vertreten, ihre Mitglieder identisch ausstaffieren und nichts anderes im Sinn haben als ihren Kontrahenten das Wasser abzugraben. Über allen thront Yakuza-Boss Buppa (grandios: Riki Takeuchi ... diese Grimassen ... hier wird Overacting neu definiert), der mit seiner Waru-Armee die Clans vernichten und die Alleinherrschaft an sich reißen will. Doch als von seinem Sergeanten Mera ein wichtiger Anführer des Love and Peace-Clans Musashino getötet wird, schließen sich die Clans gegen Buppas Horden zusammen und das Inferno bricht los.
Das ist große Kunst, ganz klar. Wie man die HipHop-Rituale (Goldketten, Muskeln, blanke Brüste, dicke Wummen etc.) respektvoll zitieren, aber gleichzeitig liebevoll durch den Kakao ziehen kann, ist einfach wundervoll. Die Setdesigns sind atemberaubend, von extravagant bis schrill (der Gipfel das Zimmer des Gangstersohns, in dem das Mobiliar aus weiß getünchten, leicht bekleideten Sklaven besteht), die Inszenierung voller Tempo, der Figurenreichtum und der Witz der fast durchgängig gerappten Dialoge unübertrefflich. Tarantino und seine drögen Epigonen sind Waisenknaben dagegen. Schön auch, dass Sion Sono sich wieder - wenn auch nicht so umwerfend wie in WHY DON'T YOU PLAY IN HELL durch die Filmgeschichte zitiert. Man stelle sich vor, solch ein Skript würde bei der notorisch humorlosen deutschen Filmförderung eingereicht. Man würde den Regissuer vermutlich einweisen lassen.
Auch wenn mir seine ernsten Filme noch besser gefallen: Great Entertainment, wow! Eine ganz starke
8,5/10