Review

Robert Harmon´s „the Hitcher“ aus dem Jahre 1986 ist ein absoluter Glücksfall des Thriller-Genres, denn mit einfachsten Mitteln gelingt es der kostengünstigen Produktion, den größtmöglichen (Spannungs-) Effekt zu erzielt – zudem lieferte Rutger Hauer mit seiner Darstellung des motivlosen Highwaykillers einer der besten Vorstellungen seiner Karriere ab. Der Film (aus der Feder von Eric Red) kommt konsequent sowie in sich abgeschlossen daher, was eine Fortsetzung völlig unnötig macht, vor allem da der Villain am Ende zweifelsfrei das Zeitliche segnet...

Natürlich stellt so etwas für findige Produzenten aber (leider) weder Grund noch Hindernis dar, weshalb 2002 „Hitcher 2 - I´ve been waiting“ erschien. Statt einer vollkommen unabhängigen Handlung hat man jedoch tatsächlich eine anschließende Brücke zum Original geschlagen – nämlich in Form der damaligen (Opfer-) Figur des Jim Halsey, für dessen erneute Verkörperung man sogar C.Thomas Howell aus dem B-Film-Abgrund der Vergessenheit hervorholte.

Der Film eröffnet mit einer netten nächtlichen Anfangssequenz auf einer verregneten einsamen Landstraße: Der Wagen eines älteren Mannes, in dem sich auch ein Kind befindet, wird von einer Person angehalten, die mit ihrem Sportflugzeug ganz in der Nähe notlanden musste. Auf Anfrage willigt der Fahrer ein, dem Mann zu helfen, wird allerdings kurz nach Verlassen des Fahrzeugs vor den Augen des Kindes erschossen. Bedrohlich nähert sich der Schütze dem Jungen – es stellt sich dann allerdings heraus, dass jener das Opfer einer Entführung war und der Anhalter/Hilfebedürftige in Wahrheit ein Cop ist, nämlich Jim Halsey, welcher sich nach den damaligen Ereignissen dem Department angeschlossen hatte. Trotz der erfolgreichen Rettungsaktion wird Jim jedoch aufgrund seiner eigenmächtigen Vorgehensweise sowie der Anwendung von „Excessive Force“ aus dem Polizeidienst entlassen, da der Entführer zudem nur mit einem Messer bewaffnet war. Um endlich mit der Vergangenheit abzuschließen, welche ihn noch immer verfolgt, begibt er sich zusammen mit seiner Freundin Maggie (B-Film Ikone Kari Wuhrer) auf den Weg nach Pecos County, wo er seinen Freund Cpt.Estridge besuchen und sich seinen inneren Dämonen ein für alle Mal stellen will.

Unterwegs auf einem abgelegenen Highway, treffen sie auf den Anhalter Jack (Jake Busey), welchen Jim überhaupt nur auf Maggies Drängen hin mitnimmt – trotzdem verliert er schon bald die Nerven und wirft ihn aus dem Fahrzeug. Als sie wenig später von der Polizei wegen Geschwindigkeitsübertretung angehalten werden, taucht Jack plötzlich auf und tötet den Cop, worauf Jim und Maggie fliehen und sich verletzt zu Cpt.Estridge flüchten. Unglücklicherweise war der Hitcher schon vor ihnen da (was unlogisch ist, da dieser nur einen Truck fährt), hat alle Anwesenden umgebracht und auf sie gewartet – es kommt zu einer ausufernden Schießerei, bei der Jim (!) sowie diverse herbeigeeilte Cops ihr Leben verlieren. Nach einem weiteren Blutbad an einem nahe gelegenen Truck-Stop wird Maggie schließlich als Tatverdächtige verhaftet – Jack stellt sich als Zeuge zur Verfügung und belastet sie dabei schwer. Als sie von der kleinen örtlichen Wache in ein Gefängnis überführt werden soll, überfällt Jack den Transport und befreit sie, worauf er einen Tanklaster kapert und sie die Verfolgung in einem ebenfalls gestohlenen Kleinflugzeug aufnimmt…

Vielleicht wäre in diesem Fall ein Remake besser als eine Fortsetzung gewesen („Platinum Dunes“, ich warte!), denn allein die Grundkonstellation, dass Jim speziell in seiner alten Gegend erneut auf einen Psycho-Anhalter trifft und diesen gar noch mitnimmt, ist schon arg weit hergeholt. Insgesamt wird der erste Teil weitestgehend kopiert, wenn auch mit leichten Variationen, zumeist im Sinne vertauschter Rollen – beispielsweise fesselt Maggie den Hitcher am Ende zwischen eine Zugmaschine und dessen Anhänger. Die Handlungen beider Filme verlaufen mehr als nur ähnlich, was ebenfalls für das Outfit des Killers (langer Mantel, Schrotflinte) gilt, und bieten jeweils das Duell zweier Personen – nur ist es hier eine Frau, die gegen den Anhalter antreten muss, was sich als großer Pluspunkt erweist, denn es ist (für den Zuschauer positiv) überraschend, dass Jim nach knapp der Hälfte der Laufzeit sterben muss und Maggie somit das Feld überlassen wird.

Die Besetzung entscheidet oft gewichtig über das Gesamtbild diesartiger Thriller, und hier verkörpert Gary´s Sohn Jake Busey („the Frighteners“/„Starship Troopers“) die Titel-gebende Figur, wobei er die für ihn typische Maniac-Rolle mit seinem gewohnten Dauergrinsen spielt – von der eisigen und bedrohlichen Konsequenz eines Rutger Hauers keine Spur. C.Thomas Howell stirbt noch bevor er wirklich störend auffallen kann – seine traumatisierte Figur ist für den Anfang des Films okay, doch auf Dauer wäre das nicht gut gegangen. Kari Wuhrer („8 legged Freaks“/„Hellraiser 7“) bildet eindeutig das darstellerische Highlight – als zurückschlagendes Opfer überzeugt sie vollkommen und macht ihre Sache ausnehmend gut!

Leider gibt es im Verlauf etliche Logikfehler und Inszenierungsschwächen des ansonsten von Louis Morneau („Retroactive“/“Bats“) routiniert in Szene gesetzten Thrillers (vor allem die F/X beim Tod des Hitchers sind sehr schwach), so dass man am Ende (trotz netter Shoot-Outs sowie dem rasanten Showdown) unzufrieden zurückgelassen wird – nicht nur, da der Film dem Vergleich zum Original in keiner Weise standhält.

Fazit: „Hitcher 2“ ist eine farblose, unnötige Fortsetzung des inzwischen zum Kult-Streifen avancierten Vorgängers, welche allerdings trotzdem noch ansatzweise solide, kurzweilige Unterhaltung zu bieten vermag … knappe 4 von 10.

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