Fortsetzungen von kultigen und erfolgreichen Originalen ist immer so eine Sache. Besonders dann wenn sie direct-to-dvd und mit beschränktem Budget gedreht worden sind. Regisseur Louis Morneau, der mit „Bats“ und „Soldier Boyz“ immerhin etwas Erfahrung besitzt, versucht auch gar nicht großartig die Atmosphäre des beklemmenden ersten Teil zu kopieren, sondern liefert statt dessen, einen überraschend ansehbaren, kurzweiligen Fast-Food-Thriller ab, der in begrenzter Stückzahl sicher auch im Kino ein wenig Kohle hätte machen können.
Die Fortsetzung legt des Nachts auf einem verregneten Highway, auch recht hübsch los, spielt dabei spitzbübisch mit der Erwartungshaltung des Zuschauers und zeugt von Atmosphäre. Da mit „Universal“ ein Majorlabel den Film finanzierte erleidet „Hitcher 2“ nicht das B-Movie-Schicksal vieler anderer Fortsetzungen, die schon an ihrer billigen Inszenierung scheitern. Optisch werden die Bilder mit einem braunen, gleißenden Filter überlegt, was dem Film einen edlen, trockenen Look verpasst. In Bildkollagen werden die entscheidenden Szenen aus dem Erstling noch einmal erzählt und in die Panoramalandschaft der Wüste getaucht.
Nichts Neues hingegen gibt es vom Plot zu berichten, denn Jim Halsey (C. Thomas Howell, übel heruntergekommen), inzwischen ein Cop (Na sicher doch…), verschlägt es, zusammen mit seiner Freundin Maggie (Kari Wuhrer, „Anaconda“, „Arac Attack“) nach 15 Jahren erneut in die Gegend, wo er dem gnadenlosen Spiel des Killers ausgeliefert war. Wie es der Zufall so will geraten sie in einen Sandsturm und an den verunglückten Motorradfahrer Jack (Jake Busey, „Starship Troopers“), der, wie es Halsey schon ahnt, nichts Gutes im Schilde führt. Etwas eigenartig sieht dieses Paar, da der Altersunterschied doch deutlich sichtbar ist, schon aus, jedoch soll dieses Problem schon bald gelöst werden. Der Highway-Killer schnappt sich sein erstes Opfer und dreht alles so, dass der Mord den beiden in die Schuhe geschoben wird. Das Spiel beginnt….
Wer nun dabei auf die subtilen, fiesen und überraschenden Einfälle wartet, die den Vorgänger so berühmt machten, der wird enttäuscht sein. Louis Morneau setzt auf seine temporeiche Inszenierung, abwechslungsreiche Kameraperspektiven und Action, die leider stets nach demselben Schema abläuft. Der Hitcher taucht auf, wo immer seine Opfer sich aufhalten, killt alle Unbeteiligten und hängt die Morde seinen „Spielgefährten“ an. Die Polizei trifft wenig später ein und schon wird es brenzlig. Der Härtegrad ist dabei zwar von gesunder Natur (eigentlich ein Widerspruch in sich), erzeugt aber nicht das horrende Feeling des Originals. Die Schießereien ufern für meinen Geschmack dabei zu sehr aus, weil die Cops zweimal ganze Hütten durchlöchern, obwohl sie keine Ahnung haben, wo der Schütze sich überhaupt verkrochen hat.
Das Script selbst begeht dabei nur kleine, logische Fehler, aber zum Schluss nachdem alle Beweise vernichtet worden sind, fragt man sich dann doch, wie, der sicher bald eintreffenden Polizei, die chaotische Story erklärt werden soll. Überhaupt verlässt das Finale jegliche Logikpfade und setzt auf Action, die dann, angesichts des immerhin realistisch gehaltenen Rests, wirkt, als wollte Morneau unbedingt noch einmal auf die Effekttube drücken. Das kann sich zwar sehen lassen, wäre aber nicht von Nöten gewesen. Ansonsten gibt es die eine oder andere Reminiszenz, wobei der Plot, verglichen mit dem Original, soweit variiert wird, dass neue Schauplätze geboten werden.
So bemüht Jake Busey als Killer auch ist, für die Leistung Rutger Hauers reicht es hinten und vorn nicht. Als stets grinsender Maniac vermittelt er weder die Gnadenlosigkeit des Niederländers, noch haben seine überraschenden Aktionen (Selbstverstümmelung) den Effekt auf den Zuschauer, der erzielt werden soll. Es wirkt zu jung, fast schon zu sympathisch, als dass er einen unheimlichen Charakter abgeben kann. Während Howell nur noch ein Schatten früherer Tage ist und zu Recht wieder in den B-Movie-Einheitsbrei zurückkehrt, kann Kari Wuhrer als widerspenstiges Opfer überzeugen.
Fazit:
Die Fortsetzung den Königs der Highwaythriller „Hitcher“ reicht natürlich nicht an das Original heran (Hat irgendwer etwas anderes erwartet?). Doch obwohl der löchrige Plot sehr einfallslos heruntergespult wird und Busey kein Hauer ist, bleibt „Hitcher 2“, dank professioneller Inszenierung, ein kurzweiliges, optisch interessantes Abenteuer, dass für einen Filmeabend noch zu gebrauchen ist. Es ist halt Fastfood, produziert für das Heimkino: Angucken, goutieren und zufrieden sein. Wenn man hinterher immer noch ein nicht satt ist einfach das Original einlegen.