Tja, Disney und Pixar haben die Zuschauer verdorben. Da kann mittlerweile fast jeder andersartige Stil einpacken, da haben die ganzen fantasievollen Stopmotion-Produktionen wie Coraline oder Parnormen, sowie auch kunstvolle kleine Perlen wie der Kleine Prinz das Nachsehen. Es gibt zwar mittlerweile etablierte Animationsschmieden, wie zB Dreamworks, aber die sind vom Stil nicht so weit weg von Disney und Pixar, wie es mal der Fall war. Denn sobald etwas davon abweicht, muß es schon eine etablierte Marke sein (Spongebob, South Park) oder geht unter. (Ich rede hier von der westlichen Hemisphäre...)So auch hier: Als "Manolo ..." anfängt, bin ich geneigt, in den nächsten 5 Minuten abzuschalten. Zu lächerlich wirkt die Animation. da wird optisch so viel "falsch" (weil anders) gemacht, dass man kaum gewillt ist, dem Film überhaupt eine (faire) Chance zu geben.Also man quält sich regelrecht durch die ersten 20-30 Minuten, um überhaupt in den Film zu finden. Ganz ehrlich, in der heutigen Zeit, mit der Aufmerksamkeitsspanne einer Eintagsfliege, wer nimmt sich, vor allem bei einem billigen Animationsfilm ohne großen Anspruch, noch diese Zeit?
Bevor diese Frage beantwortet wird hier noch kurz die Inhaltsangabe:
Einer kleinen Schülergruppe wird in einem mexikanischen Museum das Buch des Lebens anhand einer Dreiecksgeschichte näher gebracht (Rahmenhandlung): Zwei beste Freunde sind in das selbe Mädchen verliebt, einer ist ein romantischer Möchtegerngitarist, der Torrero werden soll, der andere ist der Sohn eines gefallenen hohen Offiziers, der vom hiesigen General als der nächste Nationalheld erzogen wird. Im Hintergrund haben zwei mächtige Todesgötter eine Wette auf den Gewinner dieses Wettstreits laufen, und einer dieser Götter spielt mit gezinkten Karten. Inklusive solcher Themen wie Liebe, Tod, Abschied nehmen usw. (Haupthandlung)Wie gesagt, trotz dieser etwas anders gearteten Erzählung dauert es wirklich lange bis man im Film ist. Dabei ist der Film optisch gar nicht mal wirklich schlecht gemacht, nur halt anders. Genauso verhält es sich auch mit der Geschichte, sie ist komplett anders aufgebaut, als die hiesig bekannten Blockbuster, und auch die Tatsache, dass sich hier konsequent geweigert wird, einen der beiden Freunde zum Bösen zu machen - egal wie unterschiedlicher Auffassung sie sind, und wie sehr sie einander um die Gunst des Mädchens bekämpfen, sie bleiben immer noch Freunde - sowie die unorthodoxe Themenwahl Tod und Abschied nehmen, läßt den Film deutlich näher an die morbiden Burton-Selznick Produktionen denken als an die heutigen Blockbuster aus der Retorte. Gleichzeitig gelingt es "Manolo und..." aber immer locker leicht und fluffig zu erscheinen, verschiedene Motive (Kinder können wider dem Willen der Eltern selbst wählen...) sind aus den üblicherweise bekannten (hauptsächlich) Pixar-Filmen bekannt, und eine Riege bekannter Musikthemen wird für eigene Zwecke recht rockig-peppig zweckentfremdet.Alles in allem also ein netter kleiner Film, durch den man sich quälen kann, aber nicht muß?
Nun ja, da muß ich leider sagen, dass ich nicht mehr ganz neutral an die Sache gehen kann: Es gibt da eine Szene in der einer Stierkampfarena ungefähr bei Minute 20-30, die relativ vor sich hin dümpelt, dann leise im Hintergrund eine Melodie von Ennio Morricone anfängt, und sich plötzlich mit voller Wucht über den Zuschauer und -hörer entlädt, mit den perfekt dazu choreografierten Bildern und Texten, so als wäre dieser Song extra für diesen Film komponiert worden. dafür gibt es von mir nur ein Wort: GÄNSEHAUT!Und dann noch zwei weitere Worte: FETTES GRINSEN!Und dann noch weitere 4 Worte: DEN REST DES FILMS!Dass der Film dann auch konsequent sein Ding durchzieht, die Götter Götter sein läßt, den Menschen die Möglichkeit der Fehlbarkeit und des Todes überläßt, so dass man sogar bereit ist, an kein gutes Ende mehr zu glauben und trotzdem zufrieden wäre, das ist schon wirklich aller Ehren wert.
Im Grunde genommen, ein wirklich perfekter kleiner Film, der völlig zu Unrecht komplett unterschätzt ist. Dass er anders wahr genommen wird, weil nicht zu Ende durchgehalten wird, darf nicht dem Film angekreidet werden, sondern ist eine Seuche unserer Zeit.Aber noch einmal, um es ganz deutlich zu machen: Alter Morricone Song in neuem Film perfekt eingesetzt: Lerne Tarantino, lerne!