Review

Aus der Asche, aus dem Abgrund 


Heimzukehren aus der Hölle - wie kann man das darstellen? Christian Petzolds „Phoenix“, der ihn 2014 zu internationalen Kritikerlobeshymnen und massiver internationaler Anerkennung führte, erzählt von einer entstellten, äußerlich wie innerlich schwer verletzten Jüdin, die direkt nach dem zweiten Weltkrieg in ihre Heimatstadt Berlin zurückkehrt und ihr demoliertes Gesicht so gut es geht wiederherstellen lässt. Dann macht sie sich auf die Suche nach ihrem einstigen Gatten, der sie jedoch nicht wieder erkennt. Oder wieder erkennen will... 

Mit „Transit“ und gerade aktuell „Undine“ hat Petzold gerade hierzulande endlich wohl noch mehr Zuschauer, Interessenten und Fans gewonnen, doch „Phoenix“ ist seine bisherige Sternstunde, die absolut jeder nachholen sollte. Über Identitätskrisen von Personen, Ländern und Lieben. Über Vergessen, Verzeihen und Verdrängen. Über Narben, Wunden und Verbände. Über Horror, Romantik und Drama. Über Gefühle, Gefahren und Gedanken. Über Erinnerung, Erfahrung und Erlösung. Über Zerstörung, Wiederaufbau und Neuanfang. Über Familie, Freunde und Feinde. Über Wahrheit, Wissen und Wiedergutmachung. Grandios gespielt, allen voran von einer eindringlichen Nina Hoss, mit Spuren vom Liebes-, Horror- sowie Kriegsfilm. Meisterhaft. Fesselnd. Instinktiv. Intensiv. Selbst oder gerade weil nicht alle Wendungen und Storypunkte ganz nachvollziehbar scheinen - zumindest auf den ersten Blick... 

Fazit: Petzolds Durchbruch, Petzolds meiner Meinung nach mit Abstand Bester - „Phoenix“ ist ein Nachkriegsporträt wie kein anderes. Kunstvoll. Klasse. Kraftvoll. Hochkarätig. „Der blaue Engel“ trifft „The Skin I Live In“. Trauma trifft Thriller. Holocaust trifft Hitchcock. Identität trifft Irrtümer. Völlig zurecht Teil der Criterion Collection. Ohne Frage ein moderner, komplexer, deutscher Klassiker! 

Details
Ähnliche Filme