The Night Evelyn Came Out of the Grave
Joe Dantes zitierwütiges Interesse an Populärkultur & Genrefilm - insbesondere am Phantastischen Film - dürfte hinlänglich bekannt sein... Das beginnt mit der siebenstündigen Collage "The Movie Orgy" (1968) und der turbulenten Resteverwertung "Hollywood Boulevard" (1976) aus der Corman-Schmiede, zieht sich durch den modernen Werwolf-Klassiker "The Howling" (1981) - in dem die Figuren die Nachnamen bekannter Horrorfilmer tragen, derweil die mumifizierte Grandma aus "The Texas Chainsaw Massacre" (1974) zur Staffage gehört -, durch "Gremlins 2: The New Batch" (1990) - der pausenlos von Christopher Lee & Dracula, von Batman & Rambo & Hulk Hogan über Susan Sontag & Leonard Maltin bis zum Phantom der Oper & Busby Berkeley eilt -, durch die William Castle-Hommage "Matinee" (1993) und den Looney Tunes-Spielfilm "Looney Tunes: Back in Action" (2003) bis heute: Seit längerem plant Dante mit "The Man with Kaleidoscope Eyes" eine Roger Corman-Hommage - eine Rückkehr zu seinen eigenen Anfängen, mit der sich der Kreis letztlich schließen könnte...
"Burying the Ex" ist da keine Ausnahme, macht es sich aber mit den vielen Anspielungen und Verweisen ganz besonders einfach, indem er die nerdigen Interessen Dantes auch gleich zu den nerdigen Interessen der Hauptfigur macht: Max (Anton Yelchin) ist ein Filmnerd, der seine heimischen vier Wände mit Horror- und Sci-Fi-Filmplakaten zupflastert, regelmäßig 60er Jahre Gruselfilme in der Flimmerkiste laufen lässt, in einem Fandom-Shop namens Bloody Mary arbeitet und über populäre Monster & Ungeheuer salbadert. Entsprechend häufig wird man dann auch mit Bela Lugosi, Vincent Price, Peter Cushing, Christopher Lee, Mario Bava, William Castle usw. konfrontiert...
Vielleicht macht es sich "Burying the Ex" auch deshalb so einfach, weil das zugrundeliegende Drehbuch von Alan Trezza stammt, der zuvor bloß das Drehbuch zum gleichnamigen, sechs Jahre älteren Kurzfilm verfasst hat - und hiermit vielleicht noch Routine, aber kaum mehr als das bietet.
"Burying the Ex" gebärdet sich [Achtung: Spoiler!] als romantische Zombiekomödie, deren Grundidee ja auch zu einer Zeit entstanden ist, als "Shaun of the Dead" (2004) noch halbwegs in aller Munde war: Max hat sich zu Beginn bereits von seiner Partnerin Evelyn entfremdet und kurz darauf dann auch die ähnlich film- & monsterbegeisterte Olivia kennengelernt; als er seiner etwas anstrengenden, ihn bevormundenden, schnell gekränkten und wenig diskussionsbereiten Evelyn die Trennung verkünden will, verunglückt diese tödlich. Unglücklicherweise haben sie sich einige Zeit zuvor noch ewige Liebe geschworen - und zwar vor einer teuflischen Flaschengeist-Figur, die zufällig in Max' Laden geliefert worden ist und beim Schwur unheilvoll zu glühen beginnt, was ein wenig an die unheimliche Wunscherfüllung aus Penny Marshalls "Big" (1988) erinnert; und so entsteigt Evelyn - wie im Titel von Miraglias giallo "La notte che Evelyn uscì dalla tomba" (1971) - noch in der Nacht ihrem Grab, in der Max zufällig wieder auf Olivia trifft und sich zwischen beiden eine Beziehung entwickelt.
Unübersehbar kommentieren Film-im-Film-Szenen das Geschehen: Max' Trauer nach Evelyns Unfalltod spiegelt sich in Lugosis Trauer über den Verlust der Frau in "Plan 9 From Outer Space" (1957), Evelyns Charakter wird von einem Monolog aus "I Walked With a Zombie" (1943) bewertet, ihre erste Attacke auf die Lebenden wird durch "The Gore Gore Girls" (1972) ausgelöst, derweil anderswo "Night of the Living Dead" (1968) vorgeführt wird; und Max' Bruder Travis kommentiert ihre Rückkehr mit den Worten "a freaking Tim Burton-movie", was ein wenig an "Corpse Bride" (2005) denken lässt - diese Parallelen zwischen den Filmen, diese Kommentierungen bleiben aber immer bloß oberflächliche & gehaltlose Insidergags, die kaum Mehrwert mit sich bringen.
Travis ist dann auch Max' erste Anlaufstelle, als er Hilfe bei seinem übernatürlichen Problem benötigt, welches noch dramatischer wird, als Evelyn Max' Zombifizierung plant, um auch sein ewiges, untotes Leben zu sichern. Doch Travis, der jahrelang Max' Couch für seine One Night Stands missbraucht hat, hilft nur äußerst widerwillig - und letztlich nicht sehr erfolgreich: Als er sich trotz seiner anfänglichen Angst zu Evelyn in die Wohnung wagt, wird ihm H. G. Lewis' "The Gore Gore Girls" zum Verhängnis, weckt die blutige Gehirnentnahme in diesem Streifen appetitfördernd auf Evelyn, deren erstes Opfer Travis letztlich wird (um seinem stupiden Job als menschliche Reklame fortan untot zu verrichten). Und so müssen die Beteiligten dieser gruseligen Dreiecksbeziehung ihre Probleme alleine lösen: und das klappt nur mit einer ehrlichen Aussprache; und anschließender Gewalt - ausgeübt vom untoten Travis.
Während frühere Romanzen und Tragödien über wiedererweckte, geliebte Tote von Raupachs "Lasst die Todten ruhen" (1823) über W. W. Jacobs "The Monkey's Paw" (1902) bis Kings Bestseller "Pet Sematary" (1983) und von dessen Verfilmung "Pet Sematary" (1989), Cravens "Deadly Friend" (1986) oder Yuznas "Bride of Re-Animator" (1989) über Henenlotters "Frankenhooker" (1990) oder Yuznas "Return of the Living Dead III" (1993) - allerdings weniger über Balabans "My Boyfriend's back" (1993)! - bis hin zu Soavis "Dellamorte Dellamore" (1994) von der grausigen Erfüllung nachvollziehbarer Wünsche handelten und dazu rieten, sich mit dem Tod abzufinden, sich dem Schicksal zu beugen und sich nicht zu versündigen - so der durchaus christlich gefärbte Unterton all dieser horriblen Werke! -, da kündigt "Burying the Ex" solch ein Wunscherfüllungs-Thema zwar explizit an, läuft dann aber in eine andere Richtung, handelt er doch vielmehr davon, dass sich abgestorbene, erkaltete Beziehungen nicht mehr am Leben erhalten lassen: Die untote Freundin ist so untot wie die Beziehung selbst, die eigentlich längst gestorben ist, aber dennoch weiterläuft.
In diesem Punkt kann Trezzas Drehbuch durchaus überzeugen, verleiht es doch dem leidlich originellen Thema einen relativ originellen Ansatz - was auch für "Life After Beth" (2014), die andere Zombie-Romanze desselben Jahres gilt. Das versöhnt etwas mit dem einfach gestrickten, etwas schwachbrüstigen Humor, der auch noch relativ gezwungen, kaum jemals spontan-improvisiert von den Darsteller(inne)n vorgetragen wird; und entschädigt auch ein wenig für die wenig originelle Natur der Zitate und für die Unglaubwürdigkeit der Handlung, die nicht bloß ein nicht weiter erklärtes Wunder herbeibemüht, sondern auch gleich alle Charaktere recht irrational mit diesem Wunder umgehen lässt: Weder die Untote, noch ihr Freund reagieren übermäßig verstört auf den unheimlichen Vorfall - und Ärzte & Polizisten scheinen kaum zur Welt des Films zu zählen (auch wenn Dantes Stamm-Schauspieler Dick Miller hier als greiser Cop auftritt). "Burying the Ex" funktioniert weniger als glaubwürdige Darstellung einer konkreten Handlung, sondern eher als - auf Glaubwürdigkeit pfeifende - Allegorie auf dysfunktionale Beziehungen und Selbstlügen, welche einen solche Beziehungen weiterführen lassen. Daher stört es auch nicht allzu sehr, dass "Burying the Ex" aus seiner Künstlichkeit keinen Hehl macht und sich in den Kontext zahlreicher anderer, guter und schlechter, teurer und billiger Horrorfilme stellt, die hier in Bild und Ton präsent sind...
Dass Dantes Inszenierung an ein paar wenig gelungenen Effekten krankt und kaum die liebevolle Ausstattung und die Kulissen auffahren kann, die in seinen Klassikern erheblich zum Charme beigetragen hat, rundet den mäßigen Eindruck dieses Films noch ab: ein interessanter Ansatz für ein althergebrachtes Thema, einfältige Gags, dramaturgische Ungeschicklichkeiten, plumpe Zitate, eine Inszenierung, der man ein zu geringes Budget anmerkt... das ist leider kein Höhepunkt in Dantes Schaffen geworden - "The Hole" (2009) war da eindeutig das stimmigere Spätwerk. "Burying the Ex" ist für Dante eher das, was "Vamps" (2012) für Amy Heckerling war... (ein im Hier & Jetzt angesiedelter Rückblick auf die eigenen Anfänge - unter anderem auf die Ramones, bei deren "Rock 'n' Roll High School" (1979) Dante Co-Regie geführt hat, aber auch auf die Corman-Schule und all jene Filme, die Dante einst geprägt haben.) Kurzweilige Unterhaltung bietet er aber allemal.
5,5/10