Review

"Das ist ne Braut für die man mordet."

Neun Jahre nach Veröffentlichung ihrer brutal-kompromisslosen Film-Noir-Hommage legt das Regie-Duo Robert Rodriguez ("Planet Terror", "Machete"-Reihe) und Frank Miller die von vielen Fans lange herbeigesehnte Fortsetzung zu "Sin City" vor. Erneut folgt der Film keiner gradlinigen Handlung, sondern verbindet vier Episoden zu einem grimmigen Gesamtbild. Im Gegensatz zum Vorgänger basieren zwei Episoden nicht auf der Comic-Reihe und wurden extra für den Film erdacht.

"A Dame to Kill For" ist die längste Episode und das Herz des Gewalt-Epos. Hier versucht der heruntergekommene Privatdetektiv Dwight McCarthy (Josh Brolin) seine frühere Geliebte Ava Lord (Eva Green) zu vergessen. Eines Tages bittet sie ihn aber um Hilfe. Sogleich erliegt er ihrer verführerischen Gestalt und kümmert sich um ihren vermeintlich sadistischen Ehemann Damien (Marton Csokas) und dessen brutalen Bodyguard Manute (Dennis Haysbert).
In "The Long Bad Night" legt sich der junge Spieler Johnny (Joseph Gordon-Levitt) mit dem mächtigsten Mann der Stadt, Senator Roark (Powers Boothe), an. In einem Pokerspiel gegen ihn bleibt Johnny das Glück hold, nicht aber gegen dessen Leibwächter und korrupte Polizisten.
"Just Another Saturday Night" setzt den grobschlächtigen Marv (Mickey Rourke) in den Mittelpunkt, der einer Horde randalierender Studenten nachsetzt.
"Nancy's Last Dance" setzt "That Yellow Bastard" des Vorgängers fort. Stripperin Nancy (Jessica Alba) ist rachsüchtig. Sie will Senator Roark für den Tod ihres väterlichen Beschützers John Hartigan (Bruce Willis) zur Rechenschaft ziehen.

Ob man nun Neuling oder Fan der Reihe ist: Zu Beginn müssen sich alle auf die etwas verworrene Erzählweise von "Sin City 2: A Dame to Kill For" gewöhnen. Die Segmente sind diesmal nicht ganz so gut voneinander zu unterscheiden und werden erneut ohne Schriftzug und in geteilter Form erzählt. Besonders "Just Another Saturday Night" wirkt zunächst garnicht wie eine eigenständige Geschichte, gerade, wenn man die Comics nicht kennt.
Wer den Vorgänger kennt findet sich dennoch erheblich schneller zurecht. Nicht nur die meisten Darsteller sind erneut an Bord, auch der überstilisierte Schwarz- / Weiß-Look mit seinen wenigen hervorgehobenen Farben ist wieder mit an Bord.

Das erzählerische Tempo ist flott. Aber dennoch, es fehlt etwas. "Sin City" konnte damals mit einer kompromisslosen Abgründigkeit punkten, die sich in der Fortsetzung so nicht wiederfindet. Wo der Vorgänger mit seinen makabren Geschichten über Kannibalen, Serienmörder, korrupte Politiker und Priester schockierte und faszinierte, wirken die Geschichten von "Sin City 2: A Dame to Kill For" eher wie konventionelle Thriller-Kost.
Ebenso mangelt es an herausragenden Szenen. Vieles wirkt bereits bekannt und, trotz der Einmaligkeit seines Vorgängers, überaus einfallslos. Nur wenige Höhen rütteln dann doch wieder auf und reißen die niedrig gehaltene Spannungskurve kurzzeitig nach oben, bis das abrupte Ende ein unterhaltendes aber doch unbefriedigtes Gefühl zurücklässt.

Selten sind Bilder des Film-Noir, dessen düstere Fantasien, die pessimistische Grundstimmung, das zweifelhafte Figurenpersonal und der Hang zu gewaltgetränkten Geschichten so bestimmend sind, derart gebündelt auf der Leinwand zu sehen. Frank Miller's hyperstilisierte Sin City-Comics finden erneut, quasi originalgetreu, den Weg in die Kinos und schlagen vor allem visuell in ihren Bann. Eine atemberaubende Welt aus kontrastreichen Schwarz- / Weißkompositionen, wenigen gezielten Farbtupfern und betörenden Schattenspielen tat sich auf, in der man sich regelrecht verlieren konnte.

Die Geschichten um Liebe, Lust, Leiden­schaft, Gier, Rache und Macht­ geizen weder mit Gewaltspitzen noch nackten Tatsachen. Das Frauenbild ist einmal mehr äußerst ambivalent. Zum einen werden die weiblichen Figuren immer wieder mit Bedacht auf ihre körperlichen Reize in Szene gesetzt. Zum anderen präsentieren sich viele von ihnen selbstbewusst und durchsetzungsfähig. Etwas, dass eher selten zu sehen ist.

"Sin City 2: A Dame to Kill For" hat eine gewaltige Besetzung, wovon Eva Green ("Dark Shadows", "300: Rise of an Empire") sowie Mickey Rourke ("The Wrestler", "The Expendables") heraus stechen. Rourke hat eine beeindruckend charismatische Präsenz während Green einmal mehr durch Undurchschaubarkeit und raubtierhafte Grazie eine immense Erotik ausstrahlt. Josh Brolin ("Oldboy", "True Grit") verblasst gegenüber diesen beiden geradezu und hat letztendlich nicht den spitzbübischen aber dennoch harten Ausdruck, den Clive Owen der gleichen Figur anheften konnte.
Die kürzeren Auftritte von Rosario Dawson ("Sieben Leben"), Joseph Gordon-Levitt ("Inception", "The Dark Knight Rises"), Bruce Willis ("Stirb langsam"-Reihe, "Moonrise Kingdom") sowie Jessica Alba ("Fantastic Four"-Reihe) fügen sich gut ein, wobei besonders Alba ein sehr variantenreiches Schauspiel belegt.
Ein wenig ärgerlich ist der Austausch der Darsteller Michael Clarke Duncan, Devon Aoki sowie Michael Madsen. Der Ersatz durch Dennis Haysbert ("The 13th Floor"), Jamie Chung ("Sucker Punch") und Jeremy Piven ("Black Hawk Down") ist zwar ordentlich, keiner der drei kommt allerdings an die Physis oder Kaltblütigkeit der Darsteller aus dem ersten Teil heran.

"Sin City 2: A Dame to Kill For" ist trotz der vielen Kritik kein schlechter Film. Gegenüber seinem Vorgänger wirkt er allerdings erheblich einfallsloser. Es liegt überwiegend an der Handlung, dass die Ernüchterung überwiegt. "Sin City" hat einfach die besseren Geschichten und stellt seine Herkunft, den comichaften Charakter, zweckmäßiger zur Schau. "A Dame to Kill For" wirkt übertriebener, weniger innovativ, beinahe wie ein Abklatsch. Dennoch funktioniert der Film und der optische Stil sowie die Darsteller machen auch die Fortsetzung zu einem außergewöhnlichen Erlebnis, wenn auch nicht zu einem unglaublichen. Sehr knappe ...

8 / 10

Details
Ähnliche Filme