Review

kurz angerissen*

Schnellschüsse geschehen nach Ersterfolgen oft und werden, wenn schon nicht seitens des zahlenden Publikums, so doch von der Kritik bestraft. Wie sehr eine Fortsetzung jedoch im Umkehrschluss auch darunter leiden kann, dass sie nicht rechtzeitig realisiert wurde, stellt „Sin City 2“ unter Beweis.

Als Miller und Rodriguez die Fortsetzung zu „Sin City“ planten, der vor zehn Jahren Maßstäbe gesetzt hatte, arbeiteten sie penibel und mit hohen Ansprüchen. Sie zogen jedoch, von der Unantastbarkeit ihres Sujets überzeugt, die verstrichene Zeit nicht in Betracht. Miller schrieb einen Teil der Geschichten eigens für den Film, doch die Charaktere, die Plots und die Dialoge, einst ein vor Vitalität bebendes Zerrbild des Film Noir, erscheinen in der Zwischenzeit wie leere Worthülsen, ähneln manchmal sogar in erschreckender Weise minderwertigen „Sin City“-Trittbrettfahrern. Zum Statement reicht es nicht mehr, wenn ein Marv oder Dwight zum Gedankenmonolog ansetzen. Die Bewohner des Sündenpfuhls werden zu ihrer eigenen statischen Parodie, beschleunigt dadurch, dass überraschend viele Darsteller aus unterschiedlichen Gründen ausgetauscht werden mussten – erneut ein Tribut an den verpassten Zeitpunkt. Und selbst wenn sich ein Josh Brolin, Dennis Haysbert oder eine Jamie Chung nicht bedeutend schlechter anstellen als ihre Vorgänger, so unterstreichen sie doch den Verfall des Originären, dem Rodriguez und Miller so mühsam entgegenzuwirken versuchen.

Dass „Sin City 2“ auch visuell kaum mehr Neues einfällt, ist zu erwarten gewesen, weil die Low- und Colorkey-Kontraste schon 2005 bis zur Perfektion ausformuliert waren. So bleibt nur die Konzentration auf die Geschichten, die von Eva Greens Brüsten angeführt werden, welche angesichts ihrer Filmographie und der Zeit, in der wir leben, allerdings nicht die Fortschrittlichkeit ausdrücken, der die Promotion ihr Augenmerk lieh.

Eine durchgängig regressive Bestandsverwaltung eines einsamen Meilensteins der 00er-Jahre und somit ein weiterer Sargnagel für das Folgejahrzehnt der Mainstream-Einfallslosigkeit.

*weitere Informationen: siehe Profil

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