Es gibt Filme, die sind gut und trotzdem oder gerade deswegen nicht unbedingt angenehm anzuschauen. "Das Geständnis" von Politdrama/thriller-Spezialisten Constantin Costa-Gavras ("Z") ist von eben dieser Sorte.
In der kommunistischen Sowjetunion der 50er Jahre wird Artur London (hervorragend gespielt von Yves Montand) immerhin als Vize-Außenminister der Tschechoslowakei in eine politische Affäre verwickelt. Während des Bürgerkrieges in Spanien und später während des zweiten Weltkrieges soll er angeblich Kontakte zu amerikanischen Spionen gehabt haben, was zu Beginn des kalten Krieges als höchste Form des Verrats gilt. Tatsächlich, wie wir später erfahren, wandte sich London in seiner Not als er aufgrund seiner Überzeugung als Kommunist von den Nazis inhaftiert wurde zwar an irgendwelche fremden Leute. Aber lediglich aus den dringensten Gründen um sein Überleben zu sichern, dass als KZ-Insasse mehr als nur gefährdet war. Dass er überlebte, wird seitens der Häscher die auf Befehl von ganz oben handeln nur mit einem sinngemäßen "ist ja noch verdächtiger!" quittiert. Doch alles beteuern nutzt nichts. Der Staat braucht in dieser Angelegenheit einige Schuldige und diese werden so lange weichgekocht, bis sie alles gestehen - ob und was sie in Wahrheit getan haben tut da im Grunde gar nicht viel zur Sache. Artur London wird also Knall auf Fall aus seinem Haus, von seiner Famile, aus seinem Leben gerissen um einer dieser Vorzeige-Zeugen zu sein. Monatelang wird in den übelsten Gefängnissen durch Schlafentzug und einer Schikane nach der anderen versucht, seinen Willen soweit zu brechen, dass er genau das später vor Gericht aussagt, was "die Partei" verlangt.
Die ganzen Verhöre sind dabei natürlich nichts anderes als eine einzige Farce. Nach und nach baut sich eine immer und immer noch steigernde himmelschreiende Ungerechtigkeit auf in den Kellerräumen in denen die politischen Gefangen festgehalten werden. Psychisch wie physisch vollkommen am Ende soll Artur London andauernd irgendwelche Geständnisse unterschreiben, wobei er sogar noch irgendwie versucht standhaft zu bleiben und die Worte die ihm in den Mund gelegt werden, einigermaßen versucht zu widerlegen. Im Film wird bis auf einige Momente fast gänzlich auf Musik verzichtet, was die Szenerie noch realistischer erscheinen lässt. Auch zieht sich der Film über immerhin ca. 140 Minuten, obwohl die Handlung um unsere Hauptperson auch hätte knapper erzählt werden können. Für einen netten gemeinsamen Filmabend vielleicht nicht unbedingt ratsam. Wer aber die nötige Ruhe mitbringt, wird merken dass durch die scheinbare Wiederholung der Phrasen- und Begriffewürfelei (Nur ein Beispiel, diejenigen die den Film gesehen haben verstehen dies: "Juden - Hebräer - Zionisten") der Verhörer die Intensität steigt.
Fazit: "Das Geständnis" ist ein durchaus anstrengender Film, sperrig und geradezu ermüdend - also gewissermaßen dem Gemütszustand des Inhaftierten ("Isolierten") nachempfunden. Angereichert durch historische Aufnahmen von Stalin und Szenen während seines Regimes hat Costa-Gavras ein bedrückendes Politdrama mit historischem Hintergrund geschaffen. Er klagt die verlogene Herrschaft Stalins und die angebliche "Volksdemokratie" sowie die vermeintliche Unfehlbarkeit der "Partei" an, aber nicht unbedingt und undifferenziert den Kommunismus als von Grund auf unsinnigen Versuch der politischen Gestaltung einer Gesellschaft. (8/10)