1991 schien man mit der God of Gamblers Reihe bereits 2 Jahre nach dem Erscheinen des Chow Yun Fat Filmes überhaupt nicht mehr zu wissen, in welche Richtung man denn nun genau gehen will und legte bereits das zweite Spinoff auf; ohne die zuvor angefangenen Filme mit dem jeweiligen Hauptdarsteller weiterzuführen.
Mittlerweile sieht jemand ohne bibliothekarischer Ausbildung sowieso nicht mehr durch, was wozu zu wem gehört und kann selbst dann keine wirkliche Biographie der Saga und ihrer Nebenbuhler aufstellen; die noch folgenden Nachzügler sprengen das Universum noch weiter auf und beziehen sich mal direkt und mal überhaupt nicht mehr auf die Vorgänger.
God of Gamblers 3 – Back to Shanghai ist trotz fehlender Hauptakteure aus den vorliegenden Werken noch ein relativ klar erkennbarer Aspirant auf das offizielle Sequel zum Original. Ganz anders als zum Beispiel God of Gamblers 3 - My Name is Nobody; der vom chinesischen Originaltitel her der Nachfolger von All for the Winner [ 1990 ] und The Saint of Gamblers [ 1995 ] ist, aber auch dazu keinerlei inhaltliche Verbindungen aufweist und zum Ursprung erst recht nicht.
Um den Wirrwarr komplett zu machen: Stephen Chow hat 1990 mit All for the Winner seinen Durchbruch erlangt, einer Parodie auf den 89er Riesenhit. Im gleichen Jahr erschien er an der Seite von Andy Lau mit God of Gamblers 2 prompt in dem eben veralberten Franchise; welcher nun durch das Fehlen seines Stars Chow Yun Fat und den neuen Komikerzusatz sofort eine andere Stimmung aufnahm. Hierbei wurde bereits der Nonsense gepflegt; viele Trickeffekte, Anspielungen auf lebende oder historische Persönlichkeiten und Ereignisse, Einflüsse aus anderen populären Medien und das laut aufspielende Dreiergespann sorgte dafür, dass man mehr reine Comedy bediente, die Action so gut wie aussen vorliess und das Gamblingsetting nur sporadisch als Rahmen nutzte.
Diesen Schritt geht Back to Shanghai auch; diesmal fehlt Andy Lau, natürlich zusätzlich zu Chow Yun Fat [ Der mit Return of the God of Gamblers 1994 so tat, als gäbe es dazwischen gar nichts. Woran sich wiederum God of Gamblers 3 - The Early Stage als Prequel anschliesst. ]
Stephen Chow übernimmt die Hauptrolle und legt zusammen mit seinen Regisseur und Autor Wong Jing auch gleich den Ton vor.
Die Einleitung erfolgt sehr schnell und weist anhand nur einer Szene bereits den kompletten Prolog auf; ob Neulinge innerhalb von 2min den Überblick behalten oder erst bekommen ist zwar fraglich, aber ansonsten ist die kompakte Verweisung auf Passiertem, Kommenden und eine zusätzliche Erklärung ganz gelungen:
Im Vorgänger wurde am Ende Tai-Kun, Devil of the Gamblers [ John Ching Tung ] u.a. von seinem konträren Widersacher Chow Sing Cho, dem Saint of Gamblers [ Stephen Chow ] besiegt. Er plant die Rache und trainiert dazu mit vier Schülern seine übersinnlichen Kräfte; gemeinsam will man den Konkurrenten ausschalten. Dabei läuft ihnen ein Hohepriester aus der Ming – Dynastie über dem Weg; offensichtlich haben sie bei der vereinten Konzentration der telekinetischen Kräfte ein Zeitloch geöffnet. Als sie kurz darauf Sing aufsuchen und ihn mit herkömmlichen Waffen, Hypnose und metaphysischen Kräften töten wollen, passiert der Zeitspung ein zweites Mal und zieht nun aus der Gegenwart die Personen in die Vergangenheit.
Sing landet im Shanghai des Jahres 1937 und muss sich dort den Gefahren stellen; dabei trifft er auf Figuren einer gerade gesichteten erfolgreichen Fernsehserie.
Der Ausgangspunkt ist gelinde gesagt grossartig. Nicht nur, dass man mit dem stetigen Wechsel des Fokus und dem jeweiligen Setzen des Zweiten Hauptdarstellers in die Mitte permanent Abwechslung hereinbringt und dadurch die Langeweile und Altbekanntes aussen vorlässt; auch die anderen hier angesprochenen Elemente verdienen Applaus. Zu einen hat man von der eingeschlagenen Kreativität des Schaffers Wong Jing hierbei noch Respekt; er erweitert die Serie, ohne zuweit die vorherigen Regeln zu brechen und eröffnet nicht nur neue Wege für zukünftige Kommerzerfolge, sondern hält sich die alten auch noch offen. Und er ergänzt die Thematik nicht nur hinsichtlich der Figuren und des Settings, sondern gibt ihm hierbei auch noch mehrere spezielle Noten mit bei:
1 ) Man schliesst sich von der Grundidee an eine der erfolgreichsten Trilogien überhaupt an; die bereits bewährt erprobte Methodik von Zurück in der Zukunft wird für einen Moment exakt übernommen und nur für sein eigenes Sujet angepasst.
2 ) Man setzt die „realen“, Hier und Heute lebenden Personen in eine ihnen bekannte Welt, nämlich direkt in den Fernseher hinein. Jahre vor Stay Tuned - Höllische Spiele oder gar Pleasantville.
Dass man hierbei diesen Weg gehen würde, war im Nachhinein auch schon beim Prolog klar. Nachdem man die Verbindungen zu den Vorgängern geknüpft hat - von Chow Yun Fat wurde ein Foto gezeigt und auch erwähnt, warum er in dieser Geschichte nicht dabei ist – wird nämlich eine ganze Weile ohne Sinn und Verstand nur von der Vergangenheit von Sing und seinem Kumpel Uncle Tat [ Ng Man Tat ] geschwaffelt. Was mit ihren Grosseltern los war, wen sie geheiratet haben, womit sie ihr Geld verdient haben etc. Dann wird auf dem Fernseher auch noch die TV Serie Shanghai Beach [ AT: The Bund, 1983 ] eingeblendet und Sing liesst aus einem Buch über einen in den 30ern erfolgreichen französischen Kartenspieler, der aus heiterem Himmel von einem Neuankömmling geschlagen wurde.
Bereits hierbei stellte man also die Weichen auf Bevorstehendes; diese Mühe macht sich Filmemacher Wong sonst selten. Ein Zeichen dafür, dass es ihm Anfang der 90er noch mehr auf die Qualität der Endprodukte ankam als nur der einseitige Blick aufs schnelle Geld. Dieses sollte natürlich trotzdem an erster Stelle der Prioritätenliste stehen, ist aber bei gleichbleibender oder gar steigender Güteklasse auch gerechtfertigt.
Sing bekommt in der Vergangenheit schnell mit, wo er sich befindet und kann durch sein Wissen über die Abläufe auch ebenso schnell in die Geschehnisse eingreifen.
Ding Lik [ Ray Lui; von der Serie übernommen ] führt einen blutigen Bandenkrieg gegen Wong Kam-Kwai [ Lung Fong ]; dabei hat er seinen Freund und Partner Hui Man-keung verloren [ es wäre Chow Yun Fat gewesen; diesen Clou der Besetzung hat man aber nicht fertiggebracht ].
Sing schlägt sich auf die Seite von Ding Lik und verliebt sich dabei in dessen Freundin Yu-San [ Gong Li ]; die er wiederum mit dessen geistig zurückgebliebenen Zwillingsschwester Yu-Mong [ ebenfalls Gong Li ] verwechselt.
Und dann tauchen noch die Japaner und in dessen Gefolge der Devil of Gamblers auf, den es ebenfalls in die Periode verschlagen hat.
Regisseur Wong nutzt dabei mehrere verschiedenen Techniken, um die etwas verworrene Situation zu klären; glücklicherweise lässt er sich dabei auch etwas mehr Zeit als sonst und verfällt nicht wie üblich in lautmalerische Hektik. Auffallend bei der reinen Handlungsführung ist vor allem, dass man die narrativen Mechanismen der Soap übernimmt; so kommen abstruse Wendungen, Doppelgänger, Misstrauen, Intrigen, Verrat, sich negativ häufende Schicksale, verbotene Lieben und dergleichen in dieser Konzentration nur in metadramatischen Fernsehserien vor. Damit kann man dann auch gleichzeitig auf die benutzte Grundlage verweisen und die so geschaffene alte / neue Passform genüsslich mit allem auffüllen, wonach einem die Lust steht. Eine wirkliche Eingliederung der veranschlagten Themen erfolgt dadurch allein natürlich nicht; aber die Anskizzierung reicht zumindest dafür aus, dass trotz etwaiger Dünne des Skriptes immer etwas passiert und man dabei auch immer im selben Moment den Haken zur Hommage und Persiflage zieht.
Allerdings sieht man nun auch rein vom Technischen Aufwand her deutlich den Unterschied zwischen Wong Jing als Schnellschussproduzenten und anderen Regisseuren wie Poon Man Kit oder auch Stephen Chow, die sich mehr Zeit für ihre Projekte lassen und mehr Aufwand hineinstecken. Anders als nämlich Poons Shanghai Grand [ 1996 ], der als bombastisch – üppiger Kinofilm die Serie remaked und Chows Kung Fu Hustle [ 2004 ], der das alte Shanghai auch ausgiebig wieder aufbaut, legt Wong kaum Wert auf stimmige Ausstattung und der möglichst dichtesten Atmosphäre. Er versetzt nicht in die Epoche, und tut höchstens mit halben Herzen so als ob. So ist die Dekoration selbst bei einigen grösseren Aussenaufnahmen eher schäbig und tummelt man sich meistens sowieso nur in recht kargen Räumen – die schwüle botanische Eingangshalle mal ausgenommen. Optisch macht der Film durch die nachlässige Dekoration jedenfalls nicht viel her; ist nicht annähernd an einem Ausstattungsstück dran und überhaupt nicht der Opulenz verpflichtet. Auch so muss man ihm bescheinigen, dass er eher agil gedreht wurde und doch weniger Achtung auf Vorbereitung und Planung legt. Nur so sehr wie nötig halt.
Wenigstens behält man die Gags im Auge; wobei man auch hier auf mehrere Varianten zurückgreift und dadurch nicht müde werden muss, einige mal zu wiederholen, etwas auszureizen und auch knapp daneben zu liegen. Man spielt mit den Erwartungshaltungen der Zuschauer und löst diese dann in einem Lacher auf, frönt auch mal dem Sarkasmus, dem Wortwitz, dem Spiel mit Kostümierung, Verwirrung und Verunsicherung. Das Aufzeigen der Unterschiede zwischen Damals und Heute sowie Realität und Phantasie hält für weniger subtile, aber nicht zu plakative Scherze her; lauter wird es bei den üblichen körperlichen Aktionen, die auch einige Male ins Comigale übergehen.
Wirkliche Action als Steigerung des Adrenalins ist dabei weniger vorhanden; sicherlich werden auch hier mehrmals die Waffen angeschmissen, aber die Inszenierung des Kugelhagels ist recht schludrig und legt keine Wichtigkeit auf Choreographie. Auch die Martial Arts Szenen sind trotz Mitarbeit von Yuen Cheung Yan und Yuen Shun Yee keine Referenz und erheben auch schon von vornherein nicht den Anspruch darauf. Wenn am Ende vermehrt der Bodycount angetrieben wird, ist durch das Ex und Hopp keinerlei Gefahr für den Unterhaltungswert gegeben; man bleibt reines Entertainment.
Mit Karten hantiert wird übrigens kaum, ganze 2x dazu gegriffen und dabei nur im Showdown etwas ausführlicher. Daran stören tut sich wohl keiner, wird man doch sonst auf allen Ebenen blendend abgelenkt.
Sicherlich ist das meist eher niveaulos, aber solange die 2h wie im Fluge vergehen und man sich ohne schlechtes Gewissen amüsieren kann, braucht sich auch niemand zu beschweren. Schade, dass Wong Jing die Fähigkeit dazu seit Jahren verloren hat.