Dominic Cooper spielt Sultan Mehmed III, der mit den Osmanen Ost- und Mitteleuropa zu erobern versucht. Zwischen ihm und Wien liegt Transsilvanien, das sein alter Freund Vlad „Dracula“ beherrscht. Neben dem üblichen finanziellen Tribut verlangt er von diesem 1000 Jungen, die später einmal für die Osmanen kämpfen sollen, darunter auch den Sohn Draculas. Dieser denkt jedoch gar nicht daran, dem Türken seinen Sohn zu überlassen, so wie er selbst einst als Kind in den Händen der Osmanen landete und von diesen zum Soldaten ausgebildet wurde. Um sein Volk nach der ausgeschlagenen Bitte vor den Türken verteidigen zu können, schließt er einen Pakt mit einer Bestie, die ihn in einen Vampir verwandelt.
Er ist wieder da. Einmal mehr wird die Geschichte des berühmtesten aller Blutsauger verfilmt, der bereits von dutzenden Darstellern in etlichen Filmen verkörpert wurde. Um dem Zuschauer aber gleich zu suggerieren, dass man es hier mit einer noch nie dagewesenen Version der Geschichte Draculas zu tun hat, hat man den Film „Dracula Untold“ getauft und im Trailer, der ohnehin 90% des Films vorwegnimmt, einen Dracula gezeigt, der sich in ein Monster verwandelt um die zu retten, die er liebt. Eine nette Idee, mehr aber auch nicht. In dieser Hinsicht hat „Dracula Untold“ viel mit dem kürzlich erschienenen „I, Frankenstein“ gemeinsam.
Sicherlich hätte die Grundidee das Fundament eines gelungenen Blockbusters werden können, doch sie wird kaum ausgespielt. Bis auf den Protagonisten gewinnt keine der Figuren an Profil, was ärgerlich ist, da man gerne mehr über die Bestie in der Höhle oder auch sein Verhältnis zu Mehmed erfahren hätte. Genauso wenig wird der faustische Pakt, den Dracula schließlich eingeht, weiter ausgespielt oder vertieft. Er muss drei Tage lang dem Durst nach menschlichem Blut widerstehen, um wieder in ein normales Leben zurückkehren zu können, oder aber mit den Konsequenzen leben. Nur stellt ihn das scheinbar vor keine allzu großen Schwierigkeiten, jedenfalls spielt der Pakt im weiteren Film praktisch keine Rolle mehr, erst kurz vor Schluss noch einmal. Hinzu kommen dann noch einige Logikfehler, die ähnlich ärgerlich wie das missglückte Ende sind, wobei zumindest der Protagonist einigermaßen an Profil gewinnt und stellenweise mal etwas emotionale Tiefe entwickelt. Leider wird auch seine Verwandlung zum Monster, die Potential gehabt hätte, nicht weiter ausgespielt. Zu allem Überfluss ist die Handlung durchweg kalkulierbar, zumal sie größtenteils bereits im Trailer vorweggenommen wurde.
Mit Gary Shore hat man einem Neuling die Regie bei dieser 100-Millionen-Dollar-Produktion übertragen, der angesichts der flachen Story letztlich aber nicht mehr allzu viel falsch machen konnte. Shore erzählt die Geschichte ausgesprochen zügig, was angesichts der kurzen Lauflänge von gerade einmal 92 Minuten zumindest gepflegten Kurzweil garantiert, mehr aber auch nicht. Anfangs gelingt es ihm zumindest sporadisch, etwa in der unheimlichen Höhle, eine düstere Atmosphäre zu kreieren, diese geht dann aber im Mittelteil zunehmend verloren. Bebildert ist „Dracula Untold“ dabei durchaus ordentlich mit einigen ansehnlichen Landschaftsaufnahmen, einer opulenten Ausstattung und gelungnen Spezial-Effekten, letztlich hätten es aber ruhig einige Action-Szenen mehr sein können. Die Action-Sequenzen, die es zu sehen gibt, sind leider sehr kurz, zu hastig gefilmt und geschnitten, sodass man die Übersicht verliert und außerdem -was sehr ärgerlich ist- ausgesprochen blutarm. Ein bisschen mehr Blut und Gewalt hätte man von einem Horrorfilm dieser Art letztendlich schon erwarten können, stattdessen bewegt sich der Film aber auf FSK-12-Niveau. Darstellerisch wird dabei solide Arbeit geleistet, was auch für die übrige audiovisuelle Umsetzung so konstatiert werden kann.
Fazit:
„Dracula Untold“ ist zügig erzählt und nicht allzu lang, sodass durchaus für gepflegten Kurzweil gesorgt ist, darüber hinaus enttäuscht der Film aber größtenteils trotz einiger guter Grundideen. Der Plot ist kalkulierbar, die Figuren gewinnen kaum an Profil, der Pakt des Protagonisten, seine Verwandlung zum Monster, sein innerer Kampf gegen den Blutdurst, all das wird leider nicht weiter thematisiert, sodass die neue Dracula-Verfilmung kaum über das Kinojahr hinaus in Erinnerung bleiben wird.
54 %